Dienstag, 02. Februar 2010 - 07:49 Uhr
Logan Bailly: Erlebte für ein Heimspiel einen ziemlich unruhigen Nachmittag. Einige Male musste er eingreifen, wobei er gerade bei hohen Bällen mit Ausnahme einer Situation, als er sich etwas unterbuttern ließ, seinen Mann stand. Gegen Marin rettete er fast mit dem Pausenpfiff am kurzen Pfosten, im zweiten Durchgang sprang er wie eine Raubkatze auf den Ball vor den Füßen von Pizarro, der dafür unberechtigt die Gelbe Karte sah. Die Abschläge und Weiterleitungen waren in Ordnung – in der ersten Halbzeit verrutschte ihm einmal ein Abwurf, nach der Pause landete ein Abschlag im Seitenaus. Beim ersten Gegentor wurde der Belgier von Özil getunnelt, beim Kopfball von Pizarro war er dann chancenlos. Den Elfmeter zum dritten Bremer Treffer verschuldete er selbst durch einen übertrieben spektakulären Sprung in Marin hinein. Dafür sah er Gelb und sorgte unnötigerweise für eine noch spannendere Schlussphase. Note 4,0.
Tobias Levels: Defensiv war der Rechtsverteidiger oftmals gefordert, was er überwiegend gut löste. Komplett ließen sich die quirligen Bremer Angreifer nicht ausschalten. Levels arbeitete aufmerksam und sprintstark nach hinten. Im Spiel nach vorne mit Dampf und Übersicht. Seine Flanken – zumeist aus dem Halbfeld – waren verbesserungswürdig, dafür überzeugte er mit einigen tollen Pässen. So leitete der 23-Jährige mit einem starken Zuspiel das 1:0 ein und später gelang ihm ein ganz feiner Pass auf Herrmann. Levels strotzt im Moment vor Selbstbewusstsein und macht Aktionen, die er sich früher nicht zutraute. Mit dem gewachsenen Vertrauen will und schafft er mehr. Note 2,5.
Roel Brouwers: Ein intensives Spiel für den Innenverteidiger, der es zumeist mit Pizarro zu tun bekam. Auch Ex-Kollege Marin lief mehrfach mit voller Fahrt auf ihn zu, wobei Brouwers im richtigen Moment zuschnappte und den Ball sauber eroberte. Allerdings unterliefen dem Niederländer einige Unachtsamkeiten, sowohl im Stellungs-, als auch im Passspiel. Zwar konnte der 28-Jährige die Situationen einige Male selbst reparieren, doch es blieben einige ‚Wackler‘. Beim Kopfballtor von Pizarro fehlten Brouwers lediglich ein paar Zentimeter, was dem Peruaner reichte. Note 4,0.
Dante: Wie Kollege Brouwers unter Vollbeschäftigung. Funkte mehrfach erfolgreich in die Bremer Kombinationen. Allerdings landeten die Bälle oft postwendend wieder bei den Gästen, wenn auch weit genug entfernt von der Gefahrenzone. Nicht nur die Befreiungsschläge, sondern auch einige lange Pässe fanden keinen Abnehmer in den eigenen Reihen. Der Brasilianer versuchte, die zu tief stehende Mannschaft etwas nach vorne zu dirigieren, was jedoch erst nach der Pause wirklich gelang. Note 3,5.
Filip Daems: Arbeitete viel und konnte in einigen Situationen klären, so blockte er u.a. mit einer Grätsche einen aussichtsreichen Schussversuch. Unverkennbar jedoch, dass dem 31-Jährigen nach der langen Pause noch einiges fehlt. Özil & Co. konnten ihn mehrere Male zu einfach ausspielen. Pech hatte der Kapitän, als er beim ersten Gegentor ausrutschte und nicht mehr eingreifen konnte. Beim zweiten Tor leistete er nicht genug Gegenwehr, um die Flanke von Hunt zu verhindern. Bei eigenem Ballbesitz lief er manchmal einen Tick zu lange mit der Kugel am Fuß, um sich zu ‚befreien‘. Noch wirkt vieles zu verkrampft und das wird sich wohl nur mit zunehmender Spielpraxis lösen lassen. Note 4,5.
Thorben Marx: Vor allem im ersten Durchgang mit großen Problemen, da er kaum in die Zweikämpfe kam. Die Werderaner ließen den Ball laufen und der 28-Jährige rannte meist erfolglos hinterher. Gegen die kurzen und schnellen Antritte der Gegenspieler stand Marx oft auf verlorenem Posten. In Bedrängnis unter Zeitdruck zu hastig (re)agierend, so dass ihm einige Fehlpässe unterliefen. Dafür gelang ihm die Vorarbeit zum 4:1 und ein weiterer guter Steilpass auf Reus. In der zweiten Halbzeit hatte Marx es aufgrund der besseren Staffelung der gesamten Mannschaft leichter und kam nun auch vernünftiger in die direkten Duelle. Note 4,0.
Michael Bradley: Wie Nebenmann Marx mit großen Schwierigkeiten, überhaupt in den Zweikampf zu kommen. Der Amerikaner versuchte hier und da zu kratzen und zu beißen, war jedoch entweder nicht konsequent genug oder kam nicht ran, weil der Ball schon weitergespielt wurde. Bei eigenem Ballbesitz mit einigen Fehlern im Kurzpassspiel und ansonsten bis auf einen schönen Pass zum startenden Herrmann unauffällig. Note 4,0.
Marco Reus: Ein glänzender Auftritt des 20-Jährigen. Sprintete gleich zu Beginn aufmerksam mit und vollendete ruhig zum 1:0. Dazu beim zweiten und dritten Tor an der Entstehung maßgeblich beteiligt. Vor allem der Pass auf Bobadilla vor dem 3:0 war ein absolutes Sahnestück. Toll auch sein Solo-Konter, als er sich gegen zwei Bremer durchsetzte, dann aber nicht selbst den Abschluss suchte. Schade zudem, dass er den Abstauber beim Arango-Freistoß nicht fester traf. Nach hinten aufmerksam beim wegspitzeln, mitlaufen und Räume schließen. Schon jetzt denkt man eigentlich nicht mehr an sein Alter, denn er spielt phasenweise schon sehr erwachsen. Das zeigte sich in der brenzligen Schlussphase, als er abgezockt wertvolle Sekunden herausholte. Note 1,5.
Juan Arango: Hatte vor allem in der ersten Halbzeit kaum nennenswerte Aktionen im Spiel nach vorne. Die Konterangriffe liefen ausnahmslos über die rechte Seite. Für seine Verhältnisse arbeitete der Venezolaner dafür gut mit nach hinten. Nach der Pause wurde der 29-Jährige dann mehr einbezogen und spielte einige intelligente Pässe. Sehr schön das Anspiel zu Bobadillas zweitem Lupfer, dazu noch ein Klasse-Steilpass auf Colautti. Mit seiner Ruhe am Ball sorgte er schließlich für eine gewisse Entlastung. Auf sein Freistoßtor wartet er weiter vergeblich, wobei der eine Versuch gegen Werder nicht schlecht war. Note 3,5.
Roberto Colautti: Wie so oft spielte der gebürtige Argentinier auch gegen Bremen kaum spektakulär, war jedoch an fast allen wichtigen Aktionen beteiligt. Das 2:0 machte er selber, als er genau richtig schaltete, gut einlief und dann ein wenig Glück hatte, dass er Wiese aus kurzer Distanz überwinden konnte. Dazu leitete er einen Treffer mit einem schönen Hackentrick ein, bei einem anderen stand er mit einem Ballgewinn an der Basis des Angriffs. Colautti ließ sich weit in die eigene Hälfte fallen und arbeitete fleißig mit. Gut als Verbindungsstelle, wenn er sich anbot und den nur scheinbar ‚unwichtigen‘ Kombinationspass spielte. Als ‚Weiterleiter‘ zwischen Mittelfeld und Sturm war der 27-Jährige wertvoll, er versteckte sich allerdings auch in einigen Phasen. Note 3,0.
Raúl Bobadilla: Zwei Tore, zwei Assists und zwei knapp vergebene Lupfer – es war schlicht und einfach eine Galavorstellung des Argentinier. Er begann mit zwei herausragenden Antritten und Zuspielen zu den Treffern von Reus und Colautti. Beide Male zielstrebig und gleichzeitig mit dem Blick für den Mitspieler. Bei seinem dritten Sprint über rechts machte er mit der nötigen Portion Eigensinn sein erstes Tor, beim zweiten hatte selbst ein Tim Wiese (zu viel) Respekt vor dem heranstürmenden Bobadilla. Fast genauso wichtig wie die Erfolgserlebnisse war die Tatsache, dass der 22-Jährige immer den direkten Weg suchte und gänzlich auf Zirkusnummern verzichtete. Ganz stark, wie er vor allem gegen Mertesacker seinen Körper energisch einsetzte und immer wieder den Ball behaupten und kontrollieren konnte. Wenn er die Spielweise ohne Sperenzchen in Zukunft so übernimmt, kann die Partie gegen Bremen tatsächlich der Befreiungsschlag für Raúl Bobadilla gewesen sein. Note 1,0.
Rob Friend: Ersetzte in den letzten zwanzig Minuten Roberto Colautti. Der Kanadier stieg gleich mit einer rustikalen Grätsche gegen Marin ein, konnte sich fortan allerdings kaum in Szene setzen. Er war nicht schnell genug beim Abschluss nach einem Reus-Pass und auch ansonsten wurde fehlende Spritzigkeit deutlich. Er konnte sich kaum behaupten und viele Bälle versprangen einfach. Ohne Note.
Patrick Herrmann: Kam in den letzten zehn Minuten für Bobadilla und hatte eine gute Konterchance, als er etwas überhastet abschloss. Ansonsten bemüht hinten zu helfen, einmal ‚fischte‘ er sich den Ball mit einer guten Grätsche. Ohne Note.
Thomas Kleine: In den letzten Minuten sollte er die Größenverhältnisse anpassen. Ein paar Mal musste er in ziemlicher Bedrängnis noch seinen Kopf hinhalten, um zu helfen, den Sieg über die Zeit zu bringen. Ohne Note.