Sonntag, 10. Januar 2010 - 18:11 Uhr

Nach der Rückkehr aus dem Trainingslager in Spanien am Freitag absolvierte die Borussia am Sonntag beim Wintercup in Düsseldorf den letzten Härtetest vor dem Rückrundenauftakt am kommenden Samstag gegen den VfL Bochum.
Trotz des derben Winterwetters gestalteten sich die Bedingungen in der Düsseldorfer Arena optimal. Das Dach war geschlossen, der neue Rasen in einem ausgezeichneten Zustand. Frieren musste man an diesem Nachmittag in der Landeshauptstadt nicht.
Der Turniermodus sah für die teilnehmenden Teams jeweils zwei Spiele über 45 Minuten vor. Den Anfang machten Gastgeber Fortuna und Herbstmeister Bayer Leverkusen. Der Zweitligaaufsteiger siegte dabei etwas überraschend mit 1:0 und zog ins Finale ein.
Den zweiten Finalisten spielten die Gladbacher Borussia und der deutsche Meister VfL Wolfsburg unter sich aus. Borussias Trainer Michael Frontzeck bot für diese Partie vor Stammkeeper Logan Bailly eine Viererabwehrkette mit Tobias Levels, Bernhard Janeczek, Dante und Kapitän Filip Daems auf. Im defensiven Mittelfeld teilten sich Thorben Marx und Marcel Meeuwis die Arbeit, auf den Außenpositionen kamen Juan Arango und Patrick Herrmann zum Einsatz. Das Sturmduo bildeten Rob Friend und Raúl Bobadilla.
Das Spiel begann vor allen von Seiten der Borussen recht schwungvoll. In der Anfangsphase war die Frontzeck-Truppe deutlich überlegen. Vor allem über die rechte Seite mit dem flinken Herrmann gab es eine Menge Bewegung. Die erste Tormöglichkeit verpasste Friend nach Zuspiel von Bobadilla, als sein Schussversuch geblockt wurde (5.).
Wolfsburg kam nach und nach besser in die Partie und entwickelte schließlich ein leichtes optisches Übergewicht, ohne die Gladbacher in wirklich ernsthafte Bedrängnis bringen zu können. Der VfL blieb bei den Gegenstößen stets gefährlich und verzeichnete die besseren Gelegenheiten für sich. So in der 17. Minute, als ein Arango-Freistoß von halbrechts um ein Haar von Dzeko ins eigene Tor bugsiert wurde.
Bei den Gladbachern hatten Arango und Herrmann gerade die Seiten getauscht, als sich diese Maßnahme bereits auszahlen sollte. Nach einem Konter trieb Arango den Ball über rechts nach vorne, passte auf Levels, der direkt aus dem Halbfeld eine gut getimte Flanke in den Strafraum schlug. Bobadilla nahm die Kugel in der Luft an und schnappte sie dabei Rob Friend quasi vom Fuß. Eine richtige Entscheidung, denn die Fortsetzung stimmte: er machte zwei Schritte und schoss dann aus der Drehung mit links aus zwölf Metern zum 1:0 in den Winkel (20.).
Nur zwei Minuten später ging es über die linke Seite der Borussen. Daems spielte zu Herrmann, der den durchstartenden Kapitän mit einem ganz feinen Zuspiel bediente. Daems nahm das Leder mit vollem Risiko aus schon relativ spitzem Winkel und drosch es zum 2:0 in den Giebel.
Nach dem Doppelschlag der Gladbacher legte Wolfsburg offensiv weiter zu und wurde bereits vier Minuten später mit dem Anschlusstreffer belohnt. Graftite setzte sich gegen Levels durch und überwand Bailly anschließend mit einem sauberen Lupfer.
In der munteren Partie hätte Rob Friend nach einer halben Stunde alles klar machen können, als er von Bobadilla schön eingesetzt wurde, doch sein Drehschuss aus sehr guter Distanz geriet letztlich zu schwach, um Benaglio im Wolfsburger Tor zu überwinden.
Stattdessen gelang dem amtierenden deutschen Meister der Ausgleich. Nach einem Freistoß von Misimovic nahe der Grundlinie köpfte Barzagli die Kugel am langen Pfosten stehend vor das Tor, wo Gentner aus drei Metern per Seitfallzieher egalisierte (35.).
Grafite scheiterte kurz darauf an Bailly (38.) und schließlich stellte man sich schon auf ein Elfmeterschießen nach den 45 Minuten ein. Doch fast mit dem Schlusspfiff sorgten die Borussen in Person von Raúl Bobadilla noch für die Entscheidung. Nach einem flachen Anspiel von Meeuwis an den Strafraum drehte sich der Argentinier mit dem Rücken zum Tor um Barzagli herum, lief drei Schritte und versenkte den Ball mit einem satten Flachschuss unhaltbar für Benaglio im Eck.
So traf der VfL im Finale auf Gastgeber Fortuna Düsseldorf. Michael Frontzeck wechselte wie angekündigt fast komplett durch. Im Tor stand nun Christofer Heimeroth, die Abwehrkette setzte sich aus Tony Jantschke, Roel Brouwers, Thomas Kleine und Jean-Sébastien Jaurès zusammen. Vor der Abwehr spielten Michael Bradley und Roman Neustädter, auf den Seiten im Mittelfeld Marco Reus und Moses Lamidi. Neben Rob Friend, der als einziger Spieler der ersten Partie auch im Finale begann, stürmte Fabian Bäcker.
Im Gegensatz zum ersten Spiel gegen Wolfsburg entwickelte sich das Finale über lange Zeit zu einem Langweiler. Düsseldorf war zunächst überlegen und aktiver, die Borussia fand dagegen kaum statt. Ein Schuss von Bradley knapp über das Tor war die einzige Aktion in Richtung des von Michael Melka gehüteten Düsseldorfer Kasten (13.).
Die Fortuna schaffte es ihrerseits nicht, aus der Überlegenheit Kapital zu schlagen. So wurde der VfL nach einer halben Stunde etwas energischer im Offensivspiel. Marco Reus flankte von links und der Japaner Yuki spielte den Ball im Strafraum überdeutlich mit der Hand. Der Schiedsrichter, sonst nur in der 4. Liga im Einsatz, verweigerte den Gladbachern den zwingend fälligen Elfmeter.
Nur eine Minute später ging es erneut über Reus, der eine flache Hereingabe vor das Tor zog. Rob Friend nahm die Kugel aus wenigen Metern direkt, lenkte sie jedoch über den Kasten. Es war die letzte Aktion des Kanadiers, der durch Patrick Herrmann ersetzt wurde. Lamdi rückte nun in die Zentrale neben Bäcker, Herrmann kam über rechts.
Das Spiel war nun ausgeglichen, beide Teams hatten ihre Chancen. So flog eine Direktabnahme von Neustädter aus über zwanzig Metern knapp vorbei, auf der anderen Seite fischte Heimeroth nach einem Freistoß den Ball mit einer sehr guten Parade aus dem Winkel (39.).
Es schien alles auf ein Penalty-Schießen hinaus zu laufen, doch in der 44. Minute schlugen die ‚Last-Minute-Borussen‘ wieder zu. Neustädter spielte einen feinen Pass auf Lamidi im Strafraum, der die Kugel mit etwas Glück auf Bradley zurücklegen konnte. Der Amerikaner legte mit einem Kontakt ab auf den freistehenden Bäcker, der aus acht Metern überlegt halbhoch zum 1:0 ins Eck traf.
Damit hatten die Borussen den Wintercup ‚im Sack‘ und konnten sich am Ende über einen großen Pokal freuen. Wichtiger war jedoch, dass alle Spieler vor dem Rückrundenstart nochmal Spielpraxis unter vernünftigen Bedingungen sammeln konnten. Den Pokal nimmt man da gerne als Zugabe mit ...
Kurzstatisitik:
Borussia – VfL Wolfsburg 3:2
Borussia Mönchengladbach: Bailly – Levels, Janecezk, Dante, Daems – Marx, Meeuwis – Arango, Hermann – Friend, Bobadilla
Tore: 1:0 Bobadilla (20.), 2:0 Daems (22.), 2:1 Grafite (26.), 2:2 Gentner (35.), 3:2 Bobadilla (45.)
Finale: Fortuna Düsseldorf – Borussia 0:1
Borussia Mönchengladbach: Heimeroth – Jantschke, Brouwers, Kleine, Jaurès – Bradley, Neustädter – Reus, Lamidi – Friend (32. Herrmann), Bäcker
Tor: 0:1 Bäcker (44.)
Zuschauer: 22.700