Donnerstag, 07. Januar 2010 - 12:30 Uhr

Es waren zum Teil spektakuläre Leistungen, die Logan Bailly in der Rückrunde der abgelaufenen Saison im Tor der Gladbacher Borussia zeigte. Der junge Mann aus Belgien überzeugte über weite Strecken und da er eigentlich ohne größere Anlaufzeit durchstartete, durfte man für die aktuelle Saison sogar auf eine weitere Leistungssteigerung hoffen.
Der kuriose Fußbruch von Bailly im Sommer machte allen einen Strich durch die Rechnung. Der mittlerweile 24-Jährige fiel einige Zeit aus und nach seinem Comeback konnte er die Darbietungen seiner ersten Halbserie nicht bestätigen. »Eigentlich bin ich zu schnell wieder zurückgekehrt«, erklärt der Keeper. »Um auf das gleiche Niveau zu kommen, braucht es einige Zeit«.
So unterliefen ihm Fehler, die man von einem Mann seiner Klasse nicht unbedingt erwarten konnte. »Das erste Tor von Hoffenheim war sicher mein Ding, da gibt es keine zwei Meinungen«, sagt er. Ein Freistoßtor wie das von Ze Roberto in Hamburg »kann passieren«. Bei Badstubers Tor zum Siegtreffer der Bayern in München machte er einen falschen Schritt, sonst hätte er wohl abwehren können. Zumindest intern nahm Bailly dieses Tor auf seine Kappe.
»Mit den letzten Monaten bin ich nicht zufrieden«, sagt Bailly deutlich. »Das war nicht der gleiche Logan, wie in der Rückrunde der Vorsaison. 29 Gegentore sind deutlich zu viel«.
In der nun beginnenden zweiten Saisonhälfte will er die Quote deutlich senken. »Spielpraxis und Sicherheit sind wieder da. Ich will jetzt an mein erstes halbes Jahr hier bei Borussia anknüpfen«.
Dafür setzt Bailly auf die Zusammenarbeit mit Torwarttrainer Uwe Kamps. »Ich kann noch besser werden und dafür arbeite ich hart. Bei Uwe merkt man, dass er ein erfahrener Torwart mit mehr als 400 Bundesligaspielen ist. Ich habe viele kleine technische Details dazugelernt. Einige der Übungen waren neu, eine gewisse Anzahl kannte ich in gewissen Variationen schon aus Belgien«.
Dennoch ist die Bundesliga natürlich ein Riesenunterschied zur belgischen Liga. Allein auf der Torwartposition tummelt sich in Deutschland eine Menge Klasse. »Ich habe Riesenrespekt vor der Karriere eines Jens Lehmann«, sagt Bailly. »Wer schafft das schon, in diesem Alter noch auf einem so hohen Niveau zu spielen. Ich denke da nur an das Spiel der Stuttgarter bei uns. Da hat Lehmann überragend gehalten. Aber auch Neuer von Schalke oder Adler aus Leverkusen sind beeindruckend stark«.
Zu Baillys Top-Fünf der aktuellen Keeper zählt dennoch keiner aus der Bundesliga. »Júlio César, Iker Casillas, Gianluigi Buffon, Petr Cech und Edwin van der Sar«, zählt er seine derzeitigen Favoriten auf.
Irgendwann will Logan Bailly auch mal in solch einer Auflistung erscheinen. Doch dazu fehlt noch ein Stück. Was genau? »Zum einen die Erfahrung«, sagt er. »Und das andere verrate ich nicht ...«.
Mit 24 Jahren steht er immer noch am Anfang. Gute Leistungen in Mönchengladbach werden ihm helfen, in der Nationalmannschaft seinen Platz zu finden. »Stijn Stijnen ist zurückgetreten und Dick Advocaat hat mich und Jean-François Gillet nominiert. Gillet ist 30 und Stammkeeper bei AS Bari in Italien. Die Chancen schätze ich auf 50:50 ein«.
Für eine Ausweitung der Gladbacher Fraktion innerhalb der belgischen Nationalmannschaft hat sich Bailly bislang noch nicht stark gemacht. Neben ihm und Filip Daems könnte Dante ein Kandidat für die Landesauswahl werden. »Wir haben da nicht drüber gesprochen. Aber Dante ist einer besten Innenverteidiger der Bundesliga. Obwohl wir mit Vincent Kompany, Thomas Vermaelen und Daniel van Buyten auf dieser Position schon erstklassig besetzt sind – warum nicht noch Dante?«.
Eine Entscheidung, die Logan Bailly nicht beeinflussen kann. Das könnte ihm eher bei der Wahl des Namens seines Sohnes gelingen, dessen Geburtstermin für Mai ausgerechnet ist. Dazu müsste sich Logan allerdings gegen seine Frau durchsetzen. »Sie will, dass unser Sohn Prince Logan heißt«, sagt er. »Ich habe den Namen unserer Tochter ausgesucht, jetzt ist sie dran. Was soll ich da sagen?«. Zumindest wäre es bei solch einer Namensfindung von Vorteil, wenn Bailly in der Rückrunde zwischen den Pfosten der Borussia wieder zum ‚King Logan‘ würde ...