Samstag, 12. Dezember 2009 - 17:25 Uhr

Im letzten Heimspiel des Jahres ließ Borussias Trainer Michael Frontzeck seine Mannschaft gegenüber den Vorwochen unverändert. Rob Friend agierte also weiter als zentrale Spitze, während sich Raúl Bobadialla – zuletzt nur Reserve – diesmal gar nicht im Kader wiederfand. Der Argentinier hatte sich nicht an vorgeschriebene Behandlungstermine gehalten und wurde deshalb für das Hannover-Spiel gänzlich aus dem Aufgebot gestrichen.
Die Partie begann von beiden Seiten recht zurückhaltend, sollte jedoch ab der 10. Minute deutlich an Fahrt aufnehmen. Da gab es die erste Gelegenheit für den VfL, als Reus eher durch Zufall zu einem Sprint in den gegnerischen Strafraum starten konnte. Seine Ablage erreichte Friend, der sich das Leder einen Tick zu weit vorlegte, so dass noch zur Ecke geklärt werden konnte.
Fünf Minuten später hatten die Borussen mehr Glück. Da lief Reus erneut an den Strafraum der Gäste, wurde allerdings von Haggui bereits so abgeblockt, dass er nicht mehr ans Spielgerät kommen konnte. Fromlowitz kam zudem rechtzeitig aus seinem Kasten, schoss allerdings Haggui an und plötzlich kullerte der Ball ins leere Tor.
Trotz des unglücklichen Rückstands zeigte sich Hannover nur kurz geschockt und spielte durchaus zügig nach vorne. So musste Brouwers am eigenen Fünfmeterraum zweimal in höchster Not klären – sogar im Sitzen (18.).
Es war nun ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten. Nach einem Pass von Arango wurde Matmour von dem auf dem Boden liegenden Schulz geblockt, das Leder gelangte zu Friend, der jedoch nur an den Querbalken schoss (20.). Keine 120 Sekunden später machte es der Kanadier besser. Nach Flanke von Levels an der Außenlinie wuchtete Friend die Kugel per Kopf zum 2:0 in den Winkel.
Hannover wankte nun gewaltig, fing sich jedoch erneut. Die Gäste stellten die sehr lässig zu Werke gehenden Gladbacher vor einige Probleme. Und Glück hatte der VfL auch: Als Pinto in der 27. Minute alleine vor Bailly auftauchte und den Ball am Gladbacher Keeper vorbei legte, traf der Belgier den Hannoveraner am Fuß. Der fällige Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Kempter blieb allerdings aus.
Die Borussen machten etwas zu wenig, um Hannover in deren Hälfte zu beschäftigen. Dennoch hätte man in der 35. Minute den dritten Treffer nachlegen können. Bradley stibitzte Fromlowitz im linken Teil des Strafraums das Leder und zirkelte es aus spitzem Winkel an die Latte.
Anstatt 3:0 für Borussia machte Hannover im Gegenzug die Partie wieder spannend. Nach einer Ecke bekam Pinto den Rebound, sein verunglückter Schuss landete irgendwie im Getümmel am Fünfmeterraum bei Ya Konan, der aus kurzer Distanz den Anschlusstreffer markierte (36.).
Borussia legte nun wieder einen Zahn zu, während Hannover seinerseits weiter gefährlich blieb. Die klaren Chancen verzeichneten jedoch die Gastgeber: Friend schoss den Ball nach Hereingabe von Reus knapp über das Tor (39.), Brouwers beförderte nach einer Ecke die Kugel mit der Brust knapp am Tor vorbei (42.) und einen Schuss von Reus lenkte Fromlowitz ans äußere Torgestänge (43.). Und auch nach der folgenden Ecke gab es Gefahr – Friend kam zum Schuss, Fromlowitz parierte hervorragend.
So ging es nach einer kurzweiligen Halbzeit mit einer 2:1-Führung für den VfL in die Kabinen. Nach kurzer Anlaufzeit sollte auch der zweite Durchgang mächtig Tempo aufnehmen. Den Anfang machte Karim Matmour mit einem Schuss aus 17 Metern, der knapp am Tor vorbei flog (53.). Kurz darauf verpasste Friend die Vorentscheidung (55.), auf der anderen Seite schoss Pinto haarscharf vorbei (56.).
Besser zielten die Hannoveraner, wenn es in Richtung des eigenen Tores ging. Djakba zirkelte, völlig unbedrängt am Strafraumeck, das Leder zu einem ganz kuriosen Eigentor ins Eck (58.).
Das 3:1 schien die Vorentscheidung zu sein, obwohl Hannover weiter nach vorne spielte. Der Drops sollte endgültig gelutscht sein, als Bradley im Anschluss an ein Foul an Arango die Kugel per Freistoß durch die Mauer zum 4:1 ins Netz hämmerte (67.).
Doch im Gegenzug ließen sich Levels und Brouwers von Ya Konan übertölpeln und es stand nur noch 4:2 für den VfL. Es entwickelte sich nun ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten. Als in der 84. Minute Ya Konan mit Gelb-Rot vom Platz musste, hatten die Borussen endgültig alle Trümpfe in der Hand. Doch diese verspielten sie in Person von Jean-Sébastien Jaurès fast. Der Franzose lief mit dem Ball parallel zum Fünfmeterraum, Schulz rutschte heran und beförderte das Spielgerät zum 4:3 ins Eck.
Trotz Überzahl wankten die Borussen in der Schlussphase ganz gewaltig, Hannover warf nun alles nach vorne, Keeper Fromlowitz blieb teilweise einfach vorne. Doch es sollte für die aufopferungsvoll kämpfenden Niedersachsen nicht reichen, weil sie letztlich zu genau trafen – ins falsche Tor. Es passte wie gemalt für dieses verrückte Spiel, dass Haggui in der dritten Minute der Nachspielzeit das dritte Eigentor der Partie unterlief.
Mit dem kuriosen 5:3 hat die Borussia nun 21 Punkte auf dem Konto und kann beruhigt am nächsten Wochenende zum Jahresausklang nach Leverkusen fahren ...
Kurzstatistik zum Spiel:
Borussia Mönchengladbach: Bailly – Levels, Brouwers, Dante, Jaurès – Bradley, Marx – Reus, Arango (90. Kleine) – Matmour (85. Neuville), Friend (85. Colautti)
weiter im Kader: Heimeroth (ETW), Meeuwis, Jantschke, Lamidi
Hannover 96: Fromlowitz - Cherundolo (68. Schlaudraff), Haggui, C. Schulz, Rausch (57. Hanke) - Balitsch - Pinto, Rosenthal (22. Djakpa) - Bruggink - Stajner, Ya Konan
Tore: 1:0 Haggui (15./ET), 2:0 Friend (22.), 2:1 Ya Konan (36.), 3:1 Djakba (58./ET), 3:2 Bradley (67.), 4:2 Ya Konan (68.), 4:3 Schulz (87.), 5:3 Haggui (90. +3./ET)
Gelbe Karten: Matmour – Balitsch, Schulz, Pinto
Gelb-Rot: Ya Konan (84.)
Schiedsrichter: Michael Kempter (Sauldorf)
Zuschauer: 43.528