Dienstag, 24. November 2009 - 07:33 Uhr

Logan Bailly: Über weite Strecken der ersten Halbzeit kaum geprüft, musste der Belgier in der letzten Phase vor der Pause einige Male eingreifen. Das machte er genauso solide und sicher, wie in der hektischen Schlussphase, als Frankfurt alles nach vorne warf. Auf der Linie souverän, in der Strafraumbeherrschung ohne Probleme. Gewagt, jedoch gelungen, sein Haken im Strafraum, mit dem er einen Gegner ausspielte. Leicht wahnsinnig der Ausflug des 23-Jährigen in der Nachspielzeit, als er bis zur Mittellinie lief um ins leere Tor zu treffen. Note 2,5.
Tobias Levels: Einen Tag vor seinem 23. Geburtstag präsentierte er sich gewohnt bissig und entschlossen in den Zweikämpfen. Fast ausnahmslos blieb er in den direkten Duellen Sieger. Der Kapitän hatte viele Ballkontakte und schaltete sich mit wechselndem Erfolg nach vorne ein. Ein paar Flanken – besonders aus dem Halbfeld – verhungerten, mit seiner scharfen Hereingabe provozierte er das Eigentor der Frankfurter. Unglücklich die Aktion in der ersten Halbzeit, als Levels Brouwers anschoss und Korkmaz so zu einer Schussgelegenheit kam. In der Situation vor dem Anschlusstreffer köpfte er den Ball unbedrängt zu einem Gegenspieler, woraus sich dann die Freistoßsituation entwickelte. Cool dagegen seine Kopfballrückgabe auf Bailly. Note 3,0.
Roel Brouwers: Nicht nur wegen seines bereits dritten Saisontors eine blitzsaubere Leistung des Niederländers. Nur beim Meier-Kopfball, den Jaurès von der Linie kratzte, war er nicht ganz auf der Höhe. Ansonsten mit einer sehr sauberen Zweikampfführung, bei der er nahezu ohne Fouls auskam. Höhepunkt ein grandioses Tackling im eigenen Strafraum in der zweiten Halbzeit. Das Stellungsspiel des 27-Jährigen war ausgesprochen sicher und auch das Passspiel fast fehlerlos. Note 2,0.
Dante: Wie schon in den letzten Wochen wartete der Brasilianer auch in Frankfurt mit einer nahezu tadellosen Leistung auf. Dante bereinigte alles sehr abgeklärt und jede Form von Leichtsinn scheint er abgelegt zu haben. Bestimmte Situationen löste er mit geschickten Körpertäuschungen. Dabei wusste er genau, was er machte und was möglich war – ohne Risiko. Auch im Luftkampf meist souveräner Sieger. Im Aufbauspiel mit gelungenen Pässen, wie einer punktgenau in den Lauf von Reus. Allerdings unterlief ihm auch ein Fehlpass, der einen schnellen Gegenangriff zur Folge hatte. Dennoch wieder ein sehr starkes Spiel des 26-Jährigen. Note 2,0.
Jean-Sébastien Jaurès: Der Franzose zeigte, dass er ein ganz feiner Fußballer ist. Am Ball geriet er nie in Panik und dank hervorragender Technik fand er immer eine gute spielerische Lösung. Im Kombinationsspiel agierte er mit einer routinierten Selbstverständlichkeit. Ganz stark, wie er in hektischen Situationen die Übersicht behielt und auch mal für Ruhe sorgte, indem er auf Bailly zurück spielte, als es angebracht war. In der Defensive sehr gefordert, weil Frankfurt meistens über Borussias linke Seite kam. Dass dies Borussias Achillesferse war, lag nicht an Jaurès, sondern vielmehr an Arango. Obwohl der Franzose einmal selbst einen zu leichten Ballverlust in der gegnerischen Hälfte hatte, so musste er doch oft aufpassen, dass er nicht überlaufen wurde. Das gelang meist, obwohl er die ein oder andere Flanke zulassen musste. Die auffälligste Szene des Linksverteidigers war seine Rettungstat, als er den Meier-Kopfball vor der Linie klärte. Note 3,0.
Thorben Marx: Als Arbeitsbiene im defensiven Mittelfeld im Verbund mit Bradley verantwortlich für eine Unmenge an Ballgewinnen, vor allem in der ersten Halbzeit. Leitete mit einer solchen Aktion die erste Chance von Arango ein. Insgesamt belohnte sich Marx zu wenig für den immensen Aufwand, den er betrieb. Wenn es eng wurde, fehlten ihm am Ball Sicherheit und Übersicht. Der 28-Jährige wurde oft etwas hektisch und spielte die Aktion nicht klar zu Ende. Für ein überflüssiges Trikotziehen sah er Gelb, zudem unterlief ihm das Foul zum Freistoß vor dem Anschlusstreffer. Note 3,5.
Michael Bradley: Zusammen mit Marx kämpfte er wie ein Wachhund, um das Territorium vor der Abwehr frei von Gegnern zu halten. Der Amerikaner hat wirklich eine Antenne für abfallende Bälle, denn die landen irgendwie immer bei ihm. Der 22-Jährige versuchte, schnell umzuschalten und den Ball nach vorne zu spielen bzw. zu schleppen. Das machte er sehr ordentlich, selbst wenn ihm in den eins-gegen-eins Aktionen etwas die Idee fehlte, um den Gegner aussteigen zu lassen. Hinten war Bradley bissig, wurde jedoch einmal getunnelt und von Caio in einer Situation böse verladen. Nach der Einwechslung von Meeuwis rückte er auf Matmours Position, interpretierte diese – dem Spielstand geschuldet – nicht so offensiv. Note 3,0.
Marco Reus: Nachdem er zuletzt intuitiv fast alles richtig machte, war es in Frankfurt ein Spiel, bei dem der Youngster oft die falsche Entscheidung traf oder den Tick zu spät abspielte. Ganz deutlich wurde das beim Konter nach dem Anschlusstreffer, als er den völlig freistehenden Friend an seiner linken Seite übersah und nicht abspielte, sondern selbst etwas versuchte und scheiterte. Trotzdem muss man dem 20-Jährigen solche Spiele zugestehen. Denn auch so ging noch genügend Drohung von ihm aus und flott waren seine Aktionen allemal. Und selbst in diesem Spiel war er wertvoll wegen des präzisen Assist auf Brouwers zum 0:2. Auch Arango setzte er im ersten Durchgang gut ein. In der Rückwärtsbewegung zudem spritzig und hilfreich. Note 3,5.
Juan Arango: Hatte gleich zu Beginn seine auffälligsten Offensivaktionen, als er zunächst in Rückenlage über das Tor schoss und dann aus wirklich aussichtsreicher Position knapp neben den Kasten zielte. Die anderen Schussversuche verfehlten ihr Ziel weitaus deutlicher und auch die Freistöße verpufften. Absolut an der Schmerzgrenze das teilweise amateurhafte Defensivverhalten des Venezolaner. Obwohl eigentlich am Mann, machte er in zahlreichen Situationen kaum Anstalten, einzugreifen. Gegen eine offensiv stärkere Mannschaft als Frankfurt geht das nicht gut. In der zweiten Halbzeit blitzte sein Können auf, so bei einer Flanke aus dem Stand auf den Kopf von Friend. Doch insgesamt war es etwas dünn, was der 29-Jährige brachte. Note 4,0.
Karim Matmour: Nach der erfolgreichen WM-Qualifikation wirkte der Algerier wie aufgedreht. Die Freiheit als zweite Spitze schien ihm zu gefallen. Er war überall zu finden und sorgte für eine Menge Wirbel, wobei er im ersten Durchgang etwas zu große Kreise mit dem Ball am Fuß drehte. Richtig stark, wie er sich durchsetzte und den Pass auf Reus vor der großen Arango-Chance spielte. Nach der Pause legte der 24-Jährige sogar noch eine Schippe drauf. Ihm gelangen unzählige zielgerichtete Dribblings, er war quirlig und zog Fouls. Herausragend die Vorarbeit auf Levels, die zum 1:0 führte. Nach Arangos Auswechslung übernahm er dessen Position, vor allem um Spycher zu beschäftigen. Das gelang und Matmour hatte sogar noch die Kraft, in der Nachspielzeit hinter dem Schuss von Bailly her zu rennen und aus spitzem Winkel zu treffen – leider aus Abseitsposition. Note 2,5.
Rob Friend: Der lange Kanadier rackerte viel, hielt die Bälle und legte sie oft gut ab. In der Luft stark, vor allem als Hilfe bei gegnerischen Standards im eigenen Strafraum. Selbst gefährlich wurde der 28-Jährige nur einmal, als er nach dem Lupfer von Arango köpfte und Nikolov den Ball Aufs Tornetz lenken konnte. In der Nachspielzeit wäre Friend zur Stelle gewesen, wenn Reus abgespielt hätte. Sehr hart die Entscheidung des Schiedsrichters, das Handspiel von Friend in der Mauer mit Elfmeter zu bestrafen. Die Hand war in der Höhe des Gesichts und ging nicht darüber hinaus. Note 3,5.
Marcel Meeuwis: Kam für die letzten sieben Minuten für Arango, übernahm die Position von Bradley vor der Abwehr. Dabei mit gutem Stellungsspiel und zwei, drei Pässen, die zu Konter führten. Ohne Note.
Thomas Kleine: Half in den Schlusssekunden, den Sieg über die Zeit zu retten. Ohne Note.