Dienstag, 10. November 2009 - 07:36 Uhr

Logan Bailly: Ging leicht angeschlagen in die Partie, was man ihm jedoch in den wenigen Aktionen, in denen er wirklich gefordert wurde, nicht anmerkte. Probleme hatte der Belgier eher in der Kommunikation mit Dante. Der sperrte mehrere Male den Gegenspieler weg, so dass Bailly den Ball leicht hätte aufnehmen oder wegschlagen können, doch der 23-Jährige sah tatenlos zu und überließ Dante die Lösung der Situation. Das brachte ihm mehr als nur einen bösen Blick des Abwehrchefs ein. Zudem unterlief Bailly im ersten Durchgang eine Ecke und hatte Glück, dass der Kopfball eines Stuttgarter knapp über das Tor flog. Nach dem Pfostenschuss der Schwaben konnte er den Nachschuss von Schieber gut parieren. Herausragend sein fulminanter Hechtsprung gegen Pogrebnyak, als er alles riskierte und gewann. Note 3,0.
Tobias Levles: Hatte anfangs einige kleinere Probleme, wenn Boka auf ihn zu dribbelte. Einmal konnte sich Borussias Kapitän nur mit einem Ziehen retten. Je länger das Spiel dauerte, umso weiter zog sich Boka zurück, was ein Verdienst von Levels war. Er hatte den Stuttgarter schnell gezähmt und legte alsdann auch in der Vorwärtsbewegung zu. Zunächst tankte er sich eher zufällig durch, später wurde es konkreter. Dennoch rannte sich der 22-Jährige einige Male etwas zu unüberlegt fest. Einsatzwillen, Kampfgeist, Einstellung – all das stimmte wie gewohnt. Note 3,0.
Roel Brouwers: Besonders im ersten Durchgang mit gutem Stellungsspiel, als er oft in die Passwege kam oder den Gegnern geschickt den Weg abschnitt. Der Niederländer bekam seine langen Beine regelmäßig im richtigen Moment dazwischen. Mit einem starken Dante an seiner Seite wirkt Brouwers selbstsicherer, ohne jedoch Sachen zu machen, die überheblich daherkommen. Vorne verfehlte er bei Standards zweimal knapp. Note 3,0.
Dante: Wenn sich Borussias Trainer Michael Frontzeck für einen seiner Spieler das Attribut »überragend« in den Mund legen lässt, dann soll das schon was heißen. Tatsächlich war Dante nicht nur in den Augen des Chefcoach herausragend. Es war fantastisch, wie schnell und sauber der 26-Jährige seine Zweikämpfe führte. Es gab fast kein Vorbeikommen an ihm, weil er ungemein konzentriert agierte. Alles was nach einem Defekt in der Defensive roch, reparierte Dante sofort mit seinen resoluten Eingriffen. Nur einmal kam mit Schieber ein Stuttgarter vor ihm an den Ball. Ende der ersten Halbzeit sah der Brasilianer Gelb, was völlig überzogen war. Note 1,5.
Jean-Sébastien Jaurès: Machte seine Seite sehr ordentlich zu und ließ den Gegenspielern nur wenig Raum. Jaurès verzeichnete einige richtig starke Balleroberungen mit prima Fortsetzungen. Am Ball geriet er nie in Panik und suchte spielerische Lösungen. Er schob sich in den richtigen Momenten nach vorne und war für Friends Ableger anspielbar. Diesmal kombinierte und spielte er offensiv viel mit und schlug ein paar ordentliche Flanken. Nach der Pause knallte er einen Distanzschuss mit Riesenanlauf knapp vorbei. Erschwerend ist für den 32-Jährigen, dass sich Vordermann Arango manchmal seine Auszeit nimmt und er dann doppelt aufmerksam sein muss. Note 3,0.
Thorben Marx: Auch gegen Stuttgart mit einer engagierten Darbietung. Er lief ungemein viel und ihm war kein Weg zu weit, um einem Mitspieler zu helfen. Marx schuftete mit vollem Einsatz und griff im richtigen Moment zu taktischen Fouls. Das machte er auch gegen Stuttgart so geschickt, dass er ohne Verwarnungskarte blieb. In einigen Situationen drehte er sich mit dem Ball am Fuß aus der Bedrängnis gut weg, spielte dann jedoch oft ungenau. So passte er Friend einmal in die Hacken, statt in den Lauf. Der 28-Jährige trat diesmal auch mit unterschiedlichem Resultat als Eckenschütze in Erscheinung. Note 3,5.
Michael Bradley: Wie Nebenmann Marx mit hohem läuferischen Aufwand. Viele abfallende Bälle landeten wie vom Magnet gezogen bei Bradley, der sich dann auf den Weg ‚from Box to Box‘ machte. Und auch ohne Ball war der 22-Jährige immer unterwegs. Pech hatte er im Anschluss nach einem Kopfball von Brouwers, als er aus kurzer Distanz am zweiten Pfosten nicht mehr ans Leder kam. Einige Male ließ sich Bradley zu einfach per Doppelpass ausspielen und als Flankenverhinderer fehlt ihm die Galligkeit, die ihn sonst so auszeichnet. Note 3,0.
Marco Reus: Knüpfte an die gute Darbietung in Hamburg an und spielte rotzfrech, als hätte er schon viele Jahre Bundesliga auf dem Buckel. Man spürt, dass er vom Trainer die ‚Lizenz zum Versuchen‘ erhalten hat. Da war keine Angst vor möglichen Fehlern oder misslungenen Aktionen zu sehen. Nach seiner Blessur am Knöchel schon fast draußen, biss er nach einem gelungenen Solo auf die Zähne und hielt durch. Wie ein heißes Messer durch weiche Butter schnitt er mit seinen Soli durch die Stuttgarter Reihen. Da er immer zielgerichtet vorging, beschwor er mit fast jeder Szene Gefahr herauf. Das einzige Manko: Bei der finalen Aktion fehlte der letzte Tick Präzision. Wenn er sich hier noch verbessert, ist Reus eine echte Waffe. Note 2,0.
Juan Arango: Kombinierte in der ersten Halbzeit zeitweise flott mit, so richtig zwingend wurde er nicht. Gelungene Szenen wechselten sich mit leichten Abspielfehlern ab. Nach der Pause drehte er dann auf und ließ seine fußballerische Klasse aufblitzten. So bei der Direktvorlage zur Chance von Reus, oder als er sich den Ball erlief, als Bradley im Abseits stand und Arango anschließend Friend am zweiten Pfosten mit einer butterweichen Flanke erreichte. Dazu gelang ihm ein flacher, aber gefährlicher Freistoß. Der 29-Jährige nahm sich allerdings seine Pausen und tauchte phasenweise völlig ab. Arango ist keiner, der 90 Minuten marschiert. Doch er hat das gewisse Etwas, um den entscheidenden Ball zu spielen. In Hamburg gelang es, gegen Stuttgart blieben die von Arango vorbereiteten Großchancen ungenutzt. Note 3,5.
Karim Matmour: Als zweite Spitze nominiert, sollte der Algerier um Rob Friend herum wirbeln und seine Schnelligkeit ausspielen. In der Theorie eine gute Lösung, in der Praxis eher weniger. Matmour war zwar viel unterwegs und kippte immer wieder ab, um defensiv auszuhelfen, doch vorne trat der 24-Jährige überhaupt nicht nennenswert in Erscheinung. Wenn er am Ball war, wirkte er ziel- und planlos. Die Auswechslung zwanzig Minuten vor Schluss war daher folgerichtig. Note 4,5.
Rob Friend: Zeigte, dass er besser Fußball spielen kann, als viele annehmen. Er forderte die Bälle, legte geschickt ab und zeigte ein gutes Auge für die mitlaufenden Kollegen. Sehr gut seine Brustannahmen, energisch seine Kopfballduelle und gewohnt fleißig bei der Arbeit gegen den Ball. Der Kanadier hatte eine gute Chance per Kopf, die von Lehmann noch vor der Linie zunichte gemacht wurde. Etwas unaufmerksam war der 28-Jährige in Bezug auf das Abseitsspiel. Da tappte er zu oft in die Falle der Stuttgarter. Note 3,0.
Oliver Neuville: Rutschte nach seiner Einwechslung ein paar Mal aus und fand auch sonst zunächst nicht richtig ins Spiel. Einmal setzte er sich gut über links durch und bediente Bradley an der Strafraumgrenze. Wurde fast zum Joker-Held, als er an der richtige Stelle auftauchte, die Hereingabe von Reus jedoch nicht im Tor unterbringen konnte, weil der Ball etwas zu weit zurück gespielt wurde. Ohne Note.