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Einzelkritik: Hamburger SV - Borussia Mönchengladbach 2:3 (1:1)

Der ersehnte Coup

Redaktion TORfabrik.de

Dienstag, 03. November 2009 - 08:04 Uhr

Mit dem Sieg in Hamburg belohnten sich die Borussen nicht nur für eine gute Leistung an diesem Tag, sondern auch für die letzten Wochen. Die Ergebniskrise ist beendet und die Art und Weise des Erfolgs beim HSV sollte weiteres Selbstvertrauen geben.

Dante hat allen Grund zum Strahlen. Eine starke Leistung in der Defensive krönte er mit einem herausragenden Kopfballtor. (Foto: Olaf Kozany / TORfabrik.de)
Dante hat allen Grund zum Strahlen. Eine starke Leistung in der Defensive krönte er mit einem herausragenden Kopfballtor. (Foto: Olaf Kozany / TORfabrik.de)

Logan Bailly: Wurde in seinem orangefarbenen Trikot nur wenig geprüft, wohl aber oftmals ins Spiel eingebunden. Seine Fortsetzungen waren durchweg präzise und schnell. Beim 1:0 ohne Abwehrchance, der Freistoß zum 2:1 wirkte nicht ganz unhaltbar. Es hatte den Anschein, als ob Bailly etwas zu schnell ins Eck flog und der Ball etwas mittiger einschlug, als es der Belgier wohl erwartet hatte. Dennoch kein Vorwurf an den 23-Jährigen. Nicht glücklich seine Aktion im ersten Durchgang, als er einen Flatterball nach vorne boxte und Glück hatte, dass kein Abstauber da war. Dafür hielt er seine Mannschaft kurz vor dem 2:2 in der Partie, als er einen Schuss von Jarolim parierte. Note 3,5.

Tobias Levels: Kam gut in die Partie und machte vor allem zu Beginn vieles konstruktiv und gut nach vorne. So stieß er bei einem Konter gut mit durch, als er von Jarolim klar gefoult wurde, der Schiedsrichter jedoch unverständlicherweise andersherum entschied. Defensiv war der 22-Jährige gegen die vielen Dribbler – vor allem Elia – konzentriert und bissig. Zwar wurde er hin und wieder verladen, doch er behielt die Ruhe. Auch nach der Pause gelegentlich mit guten Vorwärtsaktionen, so z.B. eine perfekte Flanke auf Arango, der aufs Tornetz köpfte. Tief in der Nachspielzeit sorgte Levels noch mal kurzzeitig für Herzrasen, als er mit einem unnötigen Foul einen Freistoß an ‚lebensgefährlicher‘ Stelle verursachte. Note 3,0.

Roel Brouwers: Kam zunächst nicht immer optimal in die Zweikämpfe, behielt aber weitestgehend die Übersicht und passte einmal gut auf, als Pitroipa Gefahr heraufbeschwor. Im Spiel nach vorne mit einigen gelungenen Aktionen, so u.a. ein Steilpass auf Colautti. Beim ersten Gegentor im Verbund mit Dante zu zögerlich bei Pitroipa. Nach der Pause unterlief dem Niederländer das Foul gegen Zé Roberto (obwohl der mit gestrecktem Bein einstieg), in dessen Folge der Brasilianer den Freistoß ins Tor zirkelte. In der Schlussphase warf sich der 27-Jährige mit allem was er hat in die Bälle und half, den Sieg zu sichern. Note 3,5.

Dante: Nur beim ersten Tor der Hamburger erwischte er einen ungünstigen Moment, als er abseits reklamieren wollte, was ihm schließlich den Tick kostete, gegen Pitroipa nicht mehr eingreifen zu können. Wurde danach jedoch immer stärker. Fantastisch, wie oft er vor den Gegner sprintete, an den Ball kam und die Situation somit schon im Ansatz bereinigte. Der 26-Jährige war zweikampfstark, Herr der Lüfte, spritzig, athletisch und dazu ‚sauber‘ vom Kopf her – nicht nur deshalb, sondern auch weil er die Mitspieler richtig führte, darf man ihn getrost als Abwehrchef bezeichnen. Sein ungeheurer Wille wurde besonders beim Ausgleichstreffer deutlich, als er wie eine Rakete durch den Strafraum brach. Note 2,5.

Jean-Sébastien Jaurès: Hatte (zurecht) eine Menge Respekt vor den schnellen Hamburger Flügelspielern und war daher vor allem darauf bedacht, sich nicht in unnötige Laufduelle verwickeln zu lassen. Das löste der 32-Jährige mit Geschick und Routine, was allerdings zu Lasten seiner Offensivbemühungen ging. Der Franzose kam nur ganz selten über die Mittellinie. Im Passspiel zeigte er seine solide Technik. Hinten musste er beim 1:0 ins Kopfballduell gegen Berg, was er verlor. Ansonsten ohne große Nachlässigkeit und laut Statistik der zweikampfstärkste Borusse. Note 3,5.

Thorben Marx: Überzeugte auch in Hamburg mit einer Menge Einsatzwillen, kämpfte bis zum Schluss und machte eine Menge ‚Drecksarbeit‘. Mit unermüdlichem Elan lief er viele Löcher zu. Bei eigenem Ballbesitz vertändelte er allerdings einige gute Kontermöglichkeiten. Da fehlte dem 28-Jährigen manchmal der letzte Tick an Spritzigkeit. Für ein notwendiges (!) Foul, mit dem er einen Gegenangriff des HSV stoppte, sah er zurecht die Gelbe Karte. Note 3,5.

Michael Bradley: Der Amerikaner war zunächst vornehmlich in der Defensive gebunden und konnte sich nur selten ganz mit nach vorne einbringen. Dafür leitete er als ‚Schalterspieler‘ viele Gegenangriffe ein. Mit seiner Balleroberung und der schnellen Fortsetzung ebnete er den Weg zum 1:1. Als Marx für Friend vom Platz ging, spielte Bradley bis zum Ausgleich als alleiniger Sechser. Danach stand ihm Meeuwis zur Seite. In der Schlussphase fiel der 22-Jährige einmal negativ auf, als er zu leichtfertig das Leder verlor. Note 3,0.

Marco Reus: Flink und frech – so präsentierte sich der 20-Jährige auch in Hamburg. Obwohl er vor allem im ersten Durchgang defensiv ein paar Probleme hatte, war er doch immer dabei, mit nach hinten zu arbeiten und spitzelte so den ein oder anderen Ball weg. Die Offensivaktionen waren zunächst etwas stockend, doch in der entscheidenden Szene startete er im richtigen Moment in die Gasse und lupfte ganz abgezockt über Rost hinweg. Mit seinen Haken und vor allem der richtigen Absicht hinter den meisten Aktionen, war er für die Gegner schwer auszurechnen. Es gelang Reus zwar nicht alles, vor allem in der Schlussphase, als die Räume für Konter immer größer wurden, fehlte der finale Pass. Doch insgesamt nicht nur wegen des Tores eine vielversprechende Darbietung. Note 2,5.

Juan Arango: Kam nur schleppend in die Partie und im ersten Durchgang weitestgehend unsichtbar, weil er zu lange brauchte um abzuspielen. So entschuldigte er sich einmal bei einem verärgerten Frontzeck, nachdem er sich bei einem vielversprechenden Angriff verzettelte. Da hatte er zwei Abspielmöglichkeiten, doch er spielte den Ball schlampig zum Gegner. Seinen Wert sah man im zweiten Abschnitt. Zunächst der Fast-Ausgleich nach Kopfball-Bogenlampe, eine präzise Flanke auf Marx, Flanke nach kurzer Ecke zum 2:2 und der schöne Pass auf Friend zum 2:3. Wenn die Mitspieler in Bewegung und anspielbar sind, hat Arango das Auge und die Technik, sie punktgenau einzusetzen. Auch scheint er sich seine Kräfte nun besser einzuteilen. Jedenfalls konnte der 29-Jährige nach hinten heraus deutlich zulegen. Note 3,0.

Roberto Colautti: Überzeugte wieder als unauffälliger Kombinationsspieler, der meistens am Anfang einer Ballstafette stand oder ein ‚Zwischenrädchen‘ war. Er war immer unterwegs, um anspielbar zu sein. Ganz stark der Direktpass in den Lauf von Reus. Colautti hatte großen Anteil am kompakten Auftreten der Mannschaft, weil er unermüdlich an der Mittellinie die Räume zu lief. Allerdings blieb er auch in Hamburg ohne eigene Torgefahr. Als er – wie in der 2. Minute – mal geschickt wurde, musste er abbrechen, weil ihm Schnelligkeit und Explosivität fehlen. Dass noch so viele Fleißkärtchen einen Stürmer letztlich nicht zufrieden stellen, zeigte seine Frustaktion nach der Auswechslung. Note 3,5.

Raul Bobadilla: Konnte zu Beginn seine körperliche Präsenz nicht gewinnbringend einsetzen und strahlte allenfalls im Ansatz in vorderster Instanz Gefahr aus. Hier und da spielte er zu kompliziert, allerdings haben die ‚Zirkusnummern‘ deutlich nachgelassen, was sicher ein Schritt in die richtige Richtung ist. Stark, wie er vor dem 1:1 bei der One-Touch-Kombination Colautti anspielte. Bobadilla selbst gab einen eher harmlosen Schuss in die Hände von Rost ab und als er einmal über rechts frei gespielt wurde, traute er sich nicht direkt abzuschließen, zog nach innen und vertändelte dann. In dieser Szene zeigte sich das momentan fehlende Selbstvertrauen. Pech hatte der 22-Jährige kurz vor seiner Auswechslung, als Friend nach dem zu kurzen Rückpass dazwischen funkte und er schließlich an Rost scheiterte. Note 3,5.

Karim Matmour: Ersetzte Colautti und mit ihm kam mehr Schnelligkeit ins Spiel. Allerdings hielten sich die wirklich gelungenen Aktionen in Grenzen. Lediglich der öffnende Pass auf Arango vor dem 2:3 blieb nennenswert. Ansonsten etwas nachlässig in der Rückwärtsbewegung, was ihm in der Schlussphase einen deutlichen Rüffel von Dante eintrug. Ohne Note.

Rob Friend: Ein ganz starker (Kurz-)Auftritt des Kanadiers. Bis auf einen unnötigen Hackentrick am Ende, der einen Ballverlust zur Folge hatte, machte er alles richtig. Weiterleitungen, flüssige Doppelpässe, Abschirmen – alles passte. Dazu aufmerksam beim zu kurzen Rückpass auf Rost und mit dem Siegtreffer nach starker Ballannahme, selbst wenn der Schuss so nicht gewollt war. Beim 2:2 fegte ihm Hurrikan-Dante den Ball quasi vom Schädel weg. Ohne Note.

Marcel Meeuwis: Nach dem 2:2 wollte Frontzeck die Doppel-6 wieder herstellen und brachte den Niederländer. An seinem Geburtstag half Meeuwis mit seinem guten Stellungsspiel, die Organisation zu bewahren. Unnötig sein Foul in der Nachspielzeit an der Außenlinie. Ohne Note.

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