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Sonntag, 01. November 2009 - 17:30 Uhr

Fast bis in die Schlussphase der Partie beim Hamburger SV wähnten sich die Gladbacher Borussen in der verdammten Endlosschleife, die in fremden Stadion immer wieder aufgelegt wird: Ordentlich gestanden, gut Fußball gespielt, doch zum Schluss fehlen die Punkte.
Auch in Hamburg lief alles darauf hinaus. »Wir fangen vernünftig an, doch der HSV macht mit dem ersten Schuss aufs Tor das 1:0. Das war wieder ein Nackenschlag«, sagte Sportdirektor Max Eberl. »Wir haben trotzdem unser Spiel durchgezogen und es gab schon die ein oder andere Konterchance, die wir besser hätten ausspielen müssen«, ergänzte Thorben Marx.
Eine erste Belohnung folgte mit dem 1:1 durch Marco Reus noch vor dem Seitenwechsel. Ein tolles Tor und der Beweis, dass man nicht nur vom Fußball spielen redet, sondern es tatsächlich kann. Ein Ballgewinn von Bradley und dann gab es über die Stationen Bobadilla und Colautti ‚One-Touch-Football‘ der gehobenen Güte. »Erst hat ‚Boba‘ schön klatschen lassen, dann hat Roberto hervorragend rein gespielt«, schwärmte Torschütze Reus. Der sprintete im richtigen Moment in die Gasse und behielt vor dem routinierten Frank Rost eiskalt die Nerven. »Jedes Bundesligator ist überragend, ein richtig geiles Gefühl. Und das vor unseren fantastischen Fans hier – da fällt einem gar nichts mehr ein«.
Mit frischem Mut und Selbstvertrauen kamen die Borussen aus der Kabine, um nach nur zwei Minuten durch den Freistoßtreffer von Zé Roberto den nächsten Tiefschlag einstecken zu müssen. »Das 2:1 hat natürlich weh getan und auf der Bank waren wir schon etwas demoralisiert«, gab Max Eberl zu. »Doch die Mannschaft hat sich ein paar Minuten geschüttelt und dann das Herz in die Hand genommen«.
Tatsächlich war der VfL nun tonangebend und stellte den HSV mehrfach vor Probleme. »Gladbach hat uns vielleicht schon ein bisschen überrascht, dass sie so gut Fußball spielten«, musste Ex-Borusse Marcell Jansen anerkennen. »Vor allen Dingen haben sie nach vorne gedacht, ihre Konter waren immer gefährlich. Wir hatten sie viel defensiver erwartet, wirklich Hut ab! Vor allem weil sie letztes Jahr hier noch mit Fünferkette spielten, heute waren sie offensiv«.
In der ausverkauften Arena in Hamburg war es bis auf den letzten Platz spürbar, dass die Borussen Lunte gerochen hatten. »Wir haben nicht aufgesteckt und immer weiter den Weg nach vorne gesucht«, lobte Tobias Levels. »In der letzten Instanz waren wir entschlossener und gefährlicher als der HSV«.
Exemplarisch für die Gladbacher Entschlossenheit das Tor zum 2:2. Nach der eigentlich zu schnell ausgeführten kurzen Ecke von Bobadilla und Arango rauschte Dante von hinten mit einer derartigen Urgewalt heran, als ob er mit seinem Kopfball den ganzen Frust der Vorwochen torpedieren wollte. Der anschließende Jubel des Brasilianers zeigte, was sich in diesem Moment alles entlud.
Doch erst die nun folgende Reaktion des Teams war das eigentliche Highlight dieser Partie. »Es war sehr eindrucksvoll, wie wir nach dem 2:2 weitergespielt haben und den Sieg wollten«, brachte es Keeper Logan Bailly auf den Punkt. »Endlich ein Auswärtssieg und vor allem auf diese Art und Weise«.
Es war beeindruckend, dass sich die Gladbacher nach dem erneuten Ausgleich nicht zurückzogen um den Punkt zu sichern, sondern die Gelegenheit beim Schopf packten. »Das Tor von Dante gab noch mal einen Extraschub und wir haben uns mit Robs Tor zum 3:2 selbst belohnt«, freute sich Roel Brouwers.
Als der Schiedsrichter die Partie endlich abpfiff, waren Jubel und Erleichterung riesengroß. »Es tut gut und ist einfach ein schönes Gefühl«, atmete Max Eberl tief durch. »Wenn man beim HSV nach zweimaligem Rückstand zurück kommt und 3:2 gewinnt, dann ist das ein Zeichen«, so Eberl. »Es zeigt auch, dass der Weg, den wir gehen, keiner ist, auf dem wir vom Glück verfolgt sind, sondern der mit kontinuierlicher Arbeit bereitet und geebnet wird«.
Als einen Sensationssieg wollten die Borussen den Erfolg an der Elbe allerdings nicht einstufen. »Sensationell nicht, aber eine Überraschung«, so ordnete Thorben Marx den Sieg ein. »In der Vergangenheit haben wir schon ordentliche Spiele abgeliefert, doch da haben leider die Ergebnisse nicht gestimmt. Aber da haben wir auch schon gesagt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und auf dem sind wir geblieben«.
»Der Sieg hier in Hamburg gibt uns Auftrieb für die nächsten Wochen«, ist sich Marx sicher. »Ich hoffe, dass nun der Knoten geplatzt ist«, meinte Logan Bailly.
Klar ist, dass niemand ob des Überraschungscoup in Hamburg abheben wird. »Jetzt müssen wir nächste Woche gegen Stuttgart nachlegen«, forderte Thorben Marx, warnte jedoch gleichzeitig: »Wir sollten jetzt nicht irgendwie davon träumen, dass wir gerettet sind. Es wird ein schwieriges Heimspiel gegen Stuttgart. Wir sollten nicht vergessen, was in den vergangenen Wochen war, selbst wenn wir jetzt in Hamburg drei Punkte geholt haben«.
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