Montag, 02. November 2009 - 08:34 Uhr

Im Fußball geht es bekanntlich rasend schnell. Der Depp von gestern ist der Held von heute, umgekehrt geht es genauso fix. Entsprechend nüchtern reagierte Michael Frontzeck auf den Dreier beim Hamburger SV. »Ich freue mich schon, bin erleichtert. Man ist immer froh und glücklich, wenn man die Linie konsequent fortführt und die Mannschaft einem folgt und versucht, es auf dem Platz umzusetzen. Dass man dann gerade bei einem so ambitionierten Gegner wie dem HSV mit drei Punkten belohnt wird, ist umso schöner. Aber es verklärt mir nicht meinen Blick für die Zukunft«.
»Wichtig ist, dass die Mannschaft sieht, dass sie auf dem richtigen Weg ist nach all den Rückschlägen der letzten Wochen. Sie ist nicht kopflos geworden, immer stabil geblieben. Wenn das Spiel 2:1 für den HSV ausgeht, erzähle ich das selbe, aber es kommt dann halt anders rüber«.
»Insgesamt bin ich von dem, was die Mannschaft über die gesamte Spieldauer abgeliefert hat, sehr beeindruckt. Die Jungs haben doch selbst gespürt, dass hier was drin ist. Wichtig war, gerade nach dem 2:1 nicht voll aufzumachen, sondern zu warten. Wir hatten dann wirklich ein Übergewicht, doch wir bauten Druck auf, ohne dass wir den Kopf verloren und hinten auf machten«.
Für Frontzeck ist der Erfolg auch ein kleiner Triumph über das etwas selbstgefällige Hamburger Umfeld. »Ich habe von ‚grauen Mäusen‘ lesen müssen, was absolut respektlos ist. Einen Klub, der fünfmal Deutscher Meister war und international für Furore gesorgt hat, dessen Titel – wie beim HSV – zwar schon etwas länger her sind, mit einer grauen Maus zu vergleichen, ist respektlos. Ich habe auch gelesen, dass wir destruktiv seien. Ich kann mich an kein Spiel erinnern, wo wir auswärts destruktiv gespielt haben. Von daher, und ich klammere Bruno Labbadia absolut aus, denn er wusste, was auf den HSV zukommen kann, freut es mich umso mehr, dass wir hier gewonnen haben«.
Destruktiv war es fraglos nicht, was die Borussen in Hamburg zeigten. Vor allem das Tor von Marco Reus war ein absoluter Leckerbissen. »Wir hatten schon vor dem 1:1 ein, zwei Situationen, als wir aus dem Zentrum kontern, dann aber zu holperig gespielt wurde und wir das Tempo verloren haben. Das Tor von Marco war sehr schön, als er in die Schnittstelle reingeht und es sehr gut macht. Der Pass von Colautti war natürlich fast perfekt gespielt. Es ist gut für uns, dass so ein gestochenes Zuspiel gelingt, wo wir eine solche Kombinationsform relativ häufig trainieren«.
Abheben wird in Mönchengladbach niemand, Michael Frontzeck schon gar nicht. »Es ist nach wie vor alles harte Arbeit. Wir haben elf Punkte aus elf Spielen. Das ist kein Grund, jetzt jubelnd durch Gladbach zu laufen. Wir haben jetzt vier Punkte geholt und die Serie mit Sieglos-Spielen gestoppt. Nicht mehr«.
Und so richtete der Coach seinen Blick bereits auf die nächste Woche. »Der Sieg in Hamburg ist schon ein bisschen befreiend. Doch das heißt nicht, dass wir am Samstag über Stuttgart so drüber rollen. Das wird ein ganz anderes und kompliziertes Spiel, auf das wir uns jetzt jedoch mit viel mehr Selbstvertrauen im Nacken vorbereiten können«.