Samstag, 31. Oktober 2009 - 17:38 Uhr

Wie erwartet ließ Borussias Trainer Michael Frontzeck seine Mannschaft in Hamburg gegenüber dem torlosen Remis vor einer Woche im rheinischen Derby gegen den 1. FC Köln unverändert. Die einzige Änderung im Aufgebot war die Nominierung von Tony Jantschke, der für Moses Lamidi auf der Bank saß.
Die Gladbacher kamen gut in die Partie und konnten das Geschehen in der Anfangsphase ausgeglichen gestalten. Man stand hinten sicher, ließ den Ball teilweise ansprechend und vor allem sicher durch die eigenen Reihen zirkulieren und versuchte sich einige Male über die Flügel nach vorne zu kombinieren. Zwingend wurde man allerdings nicht, genauso wenig wie der HSV auf der anderen Seite.
Dass die Gastgeber in der 13. Minute in Führung gingen, lag nun wirklich nicht in der Luft. Es passt zur Lage der Borussen, dass sie mit der ersten gefährlichen Aktion des HSV den Gegentreffer ‚fressen‘ mussten. Eine Hereingabe verlängerte Berg per Kopf – er setzte sich gegen Jaurès durch – auf Pitroipa. Der ehemalige Freiburger stand zumindest an der Grenze zum Abseits, doch die Fahne des Linienrichters blieb unten. Dante und Brouwers reagierten einen Tick zu spät, Pitroipa legte den Ball an die Strafraumgrenze zurück, wo Trochowski völlig frei stand. Der Nationalspieler zog ab, der Ball rutschte ihm über den Außenrist und drehte sich ins Eck – Bailly streckte sich vergeblich.
Die Borussen waren in der Folgezeit bemüht, sich trotz des Rückstands nicht aus dem Konzept bringen zu lassen und das klappte zumindest defensiv ordentlich. Im Spiel nach vorne allerdings baute man gegenüber der Anfangsphase deutlich ab. Man kam kaum mal über die Mittellinie – meistens war der Ball sofort Beute der Hamburger. Die wiederum gingen mit der Führung im Rücken kein Risiko und so entwickelte sich ein tempoarmes Spiel ohne Torchancen.
Erst gegen Ende des ersten Durchgangs nahm das Geschehen an Fahrt auf. Beginnend mit einem Konter der Borussen, als Bobadilla den Ball auf Levels passte. Borussias Kapitän wurde von Jarolim am Strafraum umgerissen, doch anstatt Freistoß für den VfL und eine mögliche Diskussion über eine Notbremse von Jarolim entschied Schiedsrichter Aytekin völlig unverständlich auf Freistoß für den HSV.
Die Borussen waren sauer und gingen nun aggressiver auf Ball und Gegner – mit Erfolg. Nur zwei Minuten später eroberten die Borussen am Mittelkreis das Leder und dann ging es schnell. Über Bradley und Bobadilla gelangte der Ball zu Colautti, der mit einem mustergültigen Steilpass Reus schickte. Der Youngster lief zentral auf das Tor zu, behielt vor Rost die Nerven und überlupfte den Hamburger Torwart.
Beide Teams erhöhten bis zum Halbzeitpfiff das Tempo deutlich, wobei Borussia noch zweimal im Ansatz gefährlich wurde. Der HSV schaffte dies durch einen Freistoß von Trochowski aus dreißig Metern, den Bailly nach vorne abklatschen ließ. Zum Glück war niemand zum Rebound da, so dass es mit dem Remis in die Kabinen ging.
Zur zweiten Halbzeit kamen beide Teams in unveränderter Formation zurück und die Borussen mussten gleich einen bitteren Tiefschlag hinnehmen. Zé Roberto kam im Duell mit Brouwers zu Fall und zirkelte alsdann den folgenden Freistoß aus zwanzig Metern genau unter die Latte zum 2:1 für den HSV (47.).
Ganz ärgerlich für die Borussen, die nun wieder einem Rückstand hinterher laufen mussten. Zunächst schien der Schock des erneuten Gegentors nicht so einfach abzuschütteln zu sein. Der HSV hatte alles im Griff, machte jedoch nicht mehr als nötig.
Nach und nach kamen die Gladbacher besser auf und nach einer Stunde nahmen sie das Heft in Hamburg vollends in die Hand. Beginnend mit einer ausgezeichneten Chance für Arango, der nach einer gut getimten Flanke von Levels auf das Tornetz köpfte (62.). Diese Szene machte den Borussen deutlich, dass an diesem Tag etwas drin war und fortan spielte man mutiger nach vorne.
Der HSV versuchte weiterhin, nur das Ergebnis zu verwalten. Chancen hatte der Tabellenzweite nur wenige – die größte vergab Jarolim, der an Bailly scheiterte (72.). Borussias Trainer Michael Frontzeck hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Matmour für Colautti gebracht, nun setzte er vollends auf die Karte Offensive und brachte Rob Friend für Thorben Marx.
Eine Maßnahme, die sich auszahlen sollte. Während der HSV noch einem nicht erfolgten Elfmeterpfiff nachtrauerte – zwischen Bradley und Pitroipa hatte es einen Kontakt gegeben (74.) - gelang den Borussen der verdiente Ausgleich.
Bobadilla und Arango führten eine Ecke kurz aus, Arango flankte an den langen Pfosten, wo sich die Hamburger Abwehrspieler auf Rob Friend konzentrierten. Nicht im Auge hatten die Hanseaten Dante, der von hinten heranrauschte und den Ball wuchtig ins Tor köpfte (76.).
Die Hamburger waren angeschlagen, die Gladbacher hatten nun endgültig Blut geleckt. Friend lief in eine zu kurze Rückgabe von Boateng auf Rost, der Ball kam zu Bobadilla, dessen Versuch im letzten Moment abgeblockt wurde (78.).
Frontzeck sorgte mit seinem dritten Wechsel wieder für Stabilität, indem er Meeuwis für Bobadilla brachte. Doch anstatt nur den Punkt zu sichern, suchten die Gladbacher weiter das Heil in der Offensive. Mit Erfolg. Einen tollen Crosspass von Arango nahm Friend am langen Pfosten mit der Brust an, traf den Ball nicht voll, doch er ging leicht abgefälscht am regungslosen Rost vorbei zum 3:2 für den VfL ins Netz (82.).
Unglaublich aber wahr – die Borussen drehten bei einem Topteam der Bundesliga das Spiel. Und mit einer Menge Herz retteten sie den ersten Auswärtssieg über die Zeit. Der HSV versuchte alles, doch bis auf einen Schuss des eingewechselten Marcell Jansen, der knapp über das Tor strich (89.), wurden sie nicht mehr wirklich gefährlich.
Nach einer nervenaufreibenden und vom Schiedsrichter noch unnötig verlängerten Nachspielzeit konnten die Borussen schließlich jubeln: Nun ist der Bock umgestoßen. Endlich.
Kurzstatistik zum Spiel:
Hamburger SV: Rost – Demel, J. Boateng (84. Arslan), Mathijsen, Aogo – Jarolim, Zé Roberto – Trochowski (76.), Elia - M. Berg, Pitroipa (85. Torun)
Borussia Mönchengladbach: Bailly – Levels, Brouwers, Dante, Jaurès – Marx (73. Friend), Bradley – Reus, Arango – Colautti (63. Matmour), Bobadilla (79. Meeuwis)
weiter im Kader: Heimeroth (ETW), Kleine, Jantschke, Neuville
Tore: 1:0 Trochowski (13.), 1:1 Reus (39.). 2:1 Zé Roberto (47.), 2:2 Dante (76.), 2:3 Friend (82.)
Gelbe Karten: Trochowski, Aogo – Marx, Arango
Schiedsrichter: Deniz Aytekin
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)