Dienstag, 15. September 2009 - 07:39 Uhr

Christofer Heimeroth: Erlebte in seinem möglicherweise zunächst letzten Spiel einen ruhigen Nachmittag, wenn man die Kontersituationen der Nürnberger in der Schlussphase ausklammert. Beim Gegentreffer war der 28-Jährige machtlos, ansonsten bis auf einen fast zu kurz geratenen Roller bei den Spielfortsetzungen tadellos. Der Ex-Schalker stand öfters weit vor dem Tor um rechtzeitig einzugreifen, was gelang. Note 3,0.
Tobias Levels: Wenn man Kampf- und Einsatzwillen als Maßstab nimmt, so kann man dem Kapitän wieder einmal eine ordentliche Leistung attestieren. In einer Partie wie dieser, in der diese Primärtugenden eher weniger gefragt waren, wurden die fußballerischen Defizite des 22-Jährigen deutlich. Im Kombinationsspiel dauerte es oft zu lange, insgesamt gelang ihm nur eine gute Flanke. Zwar machte Levels nach der Pause viel Dampf, doch unter dem Strich ‚arbeitet‘ er zuviel, anstatt Fußball zu spielen. Note 4,0.
Roel Brouwers: Aufgrund der nicht existenten Nürnberger Offensive ohne wirkliche Schwierigkeiten im Abwehrzentrum. Beim Gegentor reklamierte Brouwers vergeblich Abseits, verließ sich dann auf Dante im Duell gegen Eigler. Im Zweikampf war der Niederländer gewohnt konzentriert, im Spielaufbau streute er dagegen den einen oder anderen Fehlpass ein. Diese fehlerhaften Anspiele blieben jedoch letztlich folgenlos. In der Schlussphase als ‚Brechstange‘ ganz nach vorne beordert, was hinten zwangsläufig bei Kontern des Clubs zu Problemen führte. Note 3,5.
Dante: Rückte beim Gegentor auf die rechte Seite, um Eigler zu stellen. Hier hätte er sicherlich etwas energischer zu Werke gehen müssen, um die Flanke zu blocken. Ansonsten ließ der Brasilianer fast nichts zu und wusste im Zweikampfverhalten zu gefallen. Im Aufbauspiel könnte es hier und da etwas schneller gehen. Er sucht noch zu lange, selbst wenn der schnelle Pass ins Mittelfeld möglich ist. In der ersten Halbzeit misslangen ein paar lange Bälle, später wurden die Versuche kontrollierter und präziser. Lobenswert sein Mut zum Crosspass, selbst wenn der einmal zu hoch für Matmour geriet. Note 3,5.
Jean-Sébastien Jaurès: Selbst wenn Peer Kluge bei seinem Tor des Tages eine Menge Glück hatte, so wäre der Treffer doch zu verhindern gewesen, wenn Jaurès nicht zu langsam reagiert hätte. So kam er – wie schon gegen Mainz – den berühmten Tick zu spät, was diesmal entscheidende Folgen hatte. In vielen Situationen ging der 31-Jährige zwar energisch hin, griff dann aber gar nicht ein. Das, was Pendant Levels auf der anderen Seite an Aggressivität und Willen im Überfluss hat, geht dem Franzosen ab. Fußballerisch ist er nicht schlecht, sein Kurzpassspiel ist in Ordnung, wenn auch insgesamt zu locker. Vorne nur auffällig, als er eine präzise Flanke zu Colauttis Kopfballchance schlug. Note 4,0.
Thorben Marx: Wird immer mehr zum Motor des Mittelfeldes. Der 28-Jährige eroberte viele Bälle und trieb sie oftmals im Alleingang nach vorne. So holte er viele Freistöße heraus und verschaffte der Mannschaft Raumgewinn. Stark die Abstimmung mit Nebenmann Meeuwis. Beide kommen sich so gut wie nie in die Quere. In vorderster Front tauchte Marx einige Male auf, wobei hier auch bei ihm die letzte Zielstrebigkeit fehlte. Schade, dass sein Schuss in der Nachspielzeit vom Torwart pariert werden konnte. Note 3,0.
Marcel Meeuwis: War zunächst im Vergleich zu Marx zurückhaltender und blieb über weite Strecken der ersten Halbzeit eher in der Zuschauerrolle. Als er etwas aufrückte, kam er zwei-, dreimal nicht in den Zweikampf und wurde überlaufen. Nach der Pause war der Niederländer deutlich präsenter und erkämpfte sich eine Vielzahl an Bällen. Er trieb das Spiel nach vorne, tauchte einige Male selbst auf links auf und gewann viele wichtige kleine Duelle. Der 28-Jährige erkennt mit hervorragendem Auge viele Situationen bereits in der Entstehung. Am Ball kaum Fehler und mit dem schon gewohnten immensen Laufpensum. Note 3.0.
Karim Matmour: Der Algerier hatte seine besten Szenen, wenn er sich fallen ließ und dann aus der Tiefe antrat. Leider gelang ihm auch in Nürnberg weder ein richtig guter Abschluss, noch das entscheidende Anspiel. Der 24-Jährige stellte die Gegenspieler zwar vor einige Probleme, doch unter dem Strich passte das Verhältnis von Aufwand und Ertrag nicht. Er rannte sich zu oft fest und verpasste den Zeitpunkt für das Abspiel, so wie bei einem vielv ersprechenden Angriff im zweiten Durchgang, als er den mitgelaufenen Meeuwis übersah. Pech für Matmour, dass der Schiedsrichter ihm einen klaren Strafstoß verweigerte. Note 4,0.
Juan Arango: Trotz Jetlag meldete er sich spielfit und verzeichnete schon nach wenigen Sekunden einen Torschuss. Insgesamt merkte man dem Venezolaner jedoch die Strapazen an. Es fehlte der letzte Tick an Spritizigkeit und Konzentration. Letzteres machte sich vor allem bei den Standards bemerkbar, die sämtlich nicht die Klasse der Vorwochen hatten. Besonders ärgerlich, dass die zahlreichen ruhenden Bälle gegen einen solch destruktiven Gegner nicht besser genutzt wurden. Nach der Einwechslung von Reus ging der 29-Jährige mit vorne rein. Nach einem Zuspiel von Reus fehlte ihm die Kraft zu Abschluss. Note 4,0.
Roberto Colautti: Blieb deutlich hinter seiner Leistung aus dem Mainz-Spiel zurück. Der gebürtige Argentinier wurde viel zu wenig ins Kombinationsspiel einbezogen, er bot sich allerdings auch zu wenig an. Wenn er am Ball war, fehlte ihm die Power. Einmal wurde er steil geschickt, doch hier machte sich die fehlende Explosivität bemerkbar. Der 27-Jährige hatte vor der Pause die Kopfballchance zum Ausgleich, als er das Leder aus kurzer Distanz nicht mehr richtig drücken konnte. Direkt nach Wiederanpfiff mit der unfreiwilligen Vorarbeit zu Bobadillas Großchance, danach tauchte er immer mehr ab. Note 4,5.
Raul Bobadilla: Der Argentinier vergab unmittelbar nach dem Seitenwechsel die Riesenmöglichkeit zum Ausgleich, als er eigentlich alles richtig machte, seinen Gegenspieler schön ins Leere rutschen ließ, dann aber ungenau zielte und das Tor knapp verfehlte. Zwei, drei weitere Gelegenheiten verzeichnete der 22-Jährige, doch der Abschluss war jeweils zu lasch. Eine Flanke nach vorherigem guten Körpereinsatz geriet zu halbherzig. Bobadilla mühte sich und beschäftigte öfter drei Nürnberger gleichzeitig, doch letztlich blieb alles brotlose Kunst. Fast jeden Ball nahm er mit der Sohle an, er drehte unzählige Pirouetten und am Ende war die Kugel futsch. Aus solch einer Situation entstand auch der Gegentreffer, als Bobadilla vorne den Ball vertändelte. Der Argentinier muss begreifen, dass er einfacher und zielstrebiger spielen muss. Bundesliga ist kein Zirkus. Note 4,5.
Marco Reus: Brachte nach seiner Einwechslung Schwung, von ihm ging eine gewisse Drohung aus. Zwar gelang nicht alles – so lief er sich ein paar Mal fest oder übersah den Kollegen -, doch er spielte zumindest mal den Pass in die Tiefe. Hatte bei seiner Chance Pech, dass Schäfer im richtigen Moment aus dem Tor kam und den Schuss blocken konnte. Ohne Note.
Rob Friend: Comeback des langen Kanadiers in der Schlussphase. Sorgte mit seiner körperlichen Präsenz für einige Unruhe im Nürnberger Strafraum. Er kam zwar nicht zum Abschluss, legte jedoch einige Male gut ab. Ohne Note.
Oliver Neuville: Stürzte sich in den letzten Minuten mit ins Getümmel, hatte jedoch keine nennenswerte Aktion zu verzeichnen. Ohne Note.