Samstag, 12. September 2009 - 17:24 Uhr

Borussias Trainer Michael Frontzeck ließ in Nürnberg die Mannschaft beginnen, die am letzten Spieltag gegen den FSV Mainz 05 den zweiten Saisonsieg eingefahren hatte. Also auch mit Juan Arango, der erst am Freitag von seiner Länderspielreise zurückgekehrt war.
Wieder im Kader stand Michael Bradley, für ihn musste Roman Neustädter aus dem Aufgebot weichen. Erstmals saß zudem Nachwuchskeeper Marc-André ter Stegen auf der Ersatzbank, nachdem Frederic Löhe gesperrt fehlte.
Borussia startete gut in die Partie und gab bereits nach 22 Sekunden den ersten Torschuss ab. Arango versuchte sich aus zwanzig Metern, Torhüter Schäfer war schnell genug im Eck und konnte abwehren. In den nächsten Minuten waren die Spielanteile verteilt, wobei Nürnberg keinesfalls echten Druck entwickelte. Allerdings gingen die Franken in dieser Phase im Mittelefeld deutlich aggressiver zu Werke als die Gäste.
Dass ihnen in der 6. Minute der Führungstreffer gelang, lag allerdings nicht in der Luft. Vorausgegangen war ein Ballverlust von Bobadilla, der das Spielgerät am gegnerischen Strafraum vertändelte. Es folgte ein langer Ball auf Eigler, während die Gladbacher vergeblich auf Abseits spielten. Der Nürnberger Angreifer kam über Borussias rechte Seite und Dante musste aus dem Zentrum raus rücken. Der Brasilianer verhinderte Eiglers Flanke nicht und in der Mitte kam Peer Kluge mit der Fußspitze eher an den Ball als Jaurès und drückte ihn ins Eck – Heimeroth blieb ohne Abwehrchance.
Ausgerechnet Peer Kluge brachte also die Nürnberger in Front, denen das frühe Tor natürlich in die Karten spielte. Sie zogen sich zurück und konzentrierten sich darauf, das Spiel im Mittelfeld eng zu machen. Den Borussen fiel nicht sonderlich viel ein, so dass es über weite Zeit ein sehr überschaubares Treiben auf dem Rasen war.
Erst in den letzten zehn Minuten des ersten Durchgangs wurden die Borussen etwas klarer und zwingender in ihren Aktionen, auch weil nun verstärkt über die Außen gespielt wurde. Es gab mehrere Halbchancen für den VfL, zudem vergab Colautti nach Jaurès-Flanke eine gute Kopfballgelegenheit aus kurzer Distanz (41.).
Borussia hatte mit über 61% deutlich mehr Ballbesitz, blieb jedoch am und im Strafraum zu harmlos. Dennoch sagte Borussias Trainer Hans Meyer in der Pause auf der Tribüne, dass er nicht damit rechne, dass Nürnberg die Gladbacher im zweiten Durchgang auskontern würde. »Ich denke, es geht 1:1 aus«, sagte Meyer.
Dass sich der Ex-Coach täuschte, lag auch an Raúl Bobadilla, der unmittelbar nach Wiederanpfiff die Riesengelegenheit liegen ließ. Nach einem gegen Colautti abgeblockten Ball ließ Bobadilla seinen Gegenspieler ins leere rutschen und hatte aus elf Metern freie Bahn. Doch der Argentinier vergab den Freischuss und setzte die Kugel haarscharf neben das Gehäuse.
Wie schon in der ersten Halbzeit blieb Borussia die klar spielbestimmende Mannschaft. Nürnberg machte nichts anderes, als das Ergebnis zu halten, während die Gladbacher nach vorne drängten. Allerdings fehlte in fast allen Aktionen der letzte Tick: Entweder man spielte zu ungenau oder aber zu kompliziert. Unzählige Hackentricks und umständliche Drehungen, anstatt zielstrebig den Weg zum Tor zu gehen.
So konnte man sich am Ende trotz 60% Ballbesitz und als besseres Team nichts kaufen. Zumal an diesem Tag alles zusammen kam, denn auch der Schiedsrichter entpuppte sich nicht unbedingt als Freund der Borussen. So wurde Matmour kurz vor der Grundlinie im Strafraum eindeutig umgesenst, Schiedsrichter Gagelmann entschied jedoch auf Abstoß.
Bei den Borussen war nun Marco Reus für Colautti im Spiel, später kamen noch Rob Friend und Oliver Neuville für Arango und Bobadilla.
Trotz drückender Überlegenheit und geballter Offensivpower schafften es die Gladbacher nicht wirklich, sich gefährlich vor Schäfer in Szene zu setzen. Auf der Gegenseite vergab der eingewechselte Broich (83.) genauso wie Charisteas (86.) die Entscheidung.
In der Schlussminuten vergab Marco Reus die Gelegenheit zum Ausgleich, der nach Pass von Friend an dem aus seinem Tor stürzenden Schäfer scheiterte. Dann wertete Gagelmann ein Rückspiel eines Nürnbergers auf Schäfer nicht als solches und in der Nachspielzeit – Brouwers spielte schon sein Minuten vorne drin – scheiterte Marx zweimal von der Strafraumgrenze an Schäfer.
Am Ende musste die Borussia eine äußerst dumme Niederlage gegen eine eigentlich deutlich unterlegene Nürnberger Mannschaft hinnehmen. Es war wohl selten einfacher, aus Franken etwas Zählbares mitzunehmen ...
Kurzstatistik zum Spiel:
1. FC Nürnberg: R. Schäfer - Diekmeier, Maroh, Pinola, J. Judt - Risse, Kluge (54. Broich), Nordtveit, Vidosic (63. Choupo-Moting) - Mintal – Eigler (78. Charisteas)
Borussia Mönchengladbach: Heimeroth – Levels, Brouwers, Dante, Jaurès – Meeuwis, Marx – Matmour, Arango(77. Friend) – Bobadilla (82. Neuville), Colautti (61. Reus)
weiter im Kader: ter Stegen (ETW), Stalteri, Kleine, Bradley
Tore: 1:0 Kluge (6.)
Gelbe Karten: Eigler -
Schiedsrichter: Peter Gagelmann
Zuschauer: 46.780 (ausverkauft)