Dienstag, 11. August 2009 - 07:42 Uhr

Christofer Heimeroth: War im ersten Durchgang nahezu beschäftigungslos, konnte allenfalls mit ein paar langen Abschlägen auf sich aufmerksam machen. Nach dem Wechsel stand er gut im direkten Duell mit Azaouagh, so dass dieser ihn anschoss. Bei den beiden Sonntagsschüssen machtlos und auch beim dritten Tor wohl ohne wirkliche Abwehrchance. Hielt seine Mannschaft mit zwei, drei guten Paraden im Spiel, wobei dies jeweils Bälle waren, die ein Keeper auch halten muss. In Sachen Körpersprache und Präsenz im Luftkampf muss der 28-Jährige dringend zulegen. Note 2,5.
Tobias Levels: Über weite Strecken eine konzentrierte und gute Leistung des Rechtsverteidigers. Hinten im ersten Durchgang ohne Probleme und nach vorne mit einigen guten Aktionen. Herausragend seine maßgeschneiderte Flanke zum Tor von Colautti, nachdem er sich mit einer Einzelaktion perfekt freigespielt hatte. Nach der Pause ein Opfer der zu weit auseinandergezogenen Mannschaftsteile. Mit zunehmender Spieldauer kam der 22-Jährige wieder besser in die Zweikämpfe und leitete mit einem guten Antritt und klugem Rückpass auf Arango fast sogar noch den Siegtreffer ein. Kämpferisch war der Kapitän ein Vorbild, auch fußballerisch wusste er durchaus zu gefallen. Note 2,5.
Roel Brouwers: Der Niederländer hatte zunächst weitestgehend alles im Griff, auch wenn er bereits im ersten Durchgang in Zusammenarbeit mit Dante das ein oder andere Kopfballduell verlor, was ohne Folgen blieb. Am Boden mit sauberen Grätschen und risikolosem Passspiel. War zur Stelle, um mit dem 3:0 für die vermeintliche Vorentscheidung zu sorgen. Nach der Pause geriet auch Brouwers kräftig ins Schwimmen, was jedoch hauptsächlich der fehlenden Ordnung im Mittelfeld geschuldet war. Beim Ausgleich fehlte ihm ein halber Schritt, so dass der kleinere Sestak zu seinem Kopfballtreffer kam. Note 3,5.
Dante: In der Abwehr über weite Strecken der ersten Halbzeit ohne größere Schwierigkeiten. Der Brasilianer versuchte einige Male mit aufzurücken, was jedoch zwei-, dreimal ziemlich schief ging. Die leichten Ballverluste bedeuteten ein unnötiges Risiko. Ärgerlich zudem die laschen Freistöße von hinten heraus. Wie seine Nebenleute zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht im Bilde und dann durch die Rote Karte frühzeitig ausgebremst. Eine sicherlich harte Entscheidung, doch eine Berührung lag fraglos vor. Note 4,0.
Jean-Sébastien Jaurès: Der Franzose wusste vor der Pause vor allem im Kombinationsspiel auf der linken Seite zu gefallen. Er harmonierte ausgezeichnet mit Arango und spielte technisch saubere und klare Bälle. Ging sogar bis ganz nach vorne mit, wobei seine ordentlichen Flanken letztlich keinen Abnehmer fanden. In der Defensive vor allem nach dem Wechsel mit einigen Schwierigkeiten im Zweikampf. Da wirkte der 31-Jährige nach wie vor etwas zögerlich. Die Probleme häuften sich für Jaurès, weil Freier für Belebung sorgte und zudem Arango immer mehr abbaute und defensiv keine Hilfe mehr war. Dass es nach der langen Pause noch an Abstimmung fehlt, zeigte u.a. die Szene, als Jaurès und Heimeroth sich nicht einigen konnten, was schließlich zu einer Ecke für Bochum führte. Note 3,5.
Thorben Marx: Vor der Abwehr in Zusammenarbeit mit Bradley zunächst ohne größere Probleme, selbst wenn das Timing zwischen den beiden nicht immer ideal war. Marx überzeugte mit einem riesigem Laufpensum und bissigen Zweikämpfen. Im Kombinationsspiel ordentlich, lief er vielleicht das ein oder andere Mal zu lange mit dem Ball am Fuß. In der zweiten Halbzeit mutierte das defensive Mittelfeld zur Problemzone. Es wurde nicht mehr ‚verdichtet‘, die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen waren riesig und die Bochumer drängten mehrfach in Überzahl fast ungehindert durch das Revier von Bradley und Marx. In dieser Phase verlor der 28-Jährige einige Male den Überblick. Mit der Hereinnahme von Jantschke klappte die Organisation in Unterzahl wieder besser. Note 3,5.
Michael Bradley: Der Amerikaner begann bissig, musste allerdings früh eine Gelbe Karte ‚schlucken‘. Im ersten Durchgang hatte der 22-Jährige einige gute Aktionen und startete zweimal im genau richtigen Moment in den Strafraum. Allerdings unterliefen ihm auch mehrere ‚verhungerte‘ Anspiele. Von der Organisation her hatte er weitestgehend alles im Griff und übernahm aufmerksam die Positionen, wenn sich z.B. Dante mit nach vorne einschaltete. Nach der Pause schlief er zunächst in der Entstehung des 1:3 als er einem Bochumer freien Durchgang durch die Mitte erlaubte und vor dem Schuss nicht energisch genug störte. Litt bei Wiederanpfiff dann weiter unter vorgezogenem Jetlag als er sich den Ball vom Fuß spitzeln ließ und verlor den entscheidenden Zweikampf vor dem Ausgleichstreffer. Note 4,5.
Karim Matmour: Sorgte auf der rechten Seite für eine Menge Wirbel, überlief ständig seinen Gegenspieler und leitete viele gefährliche Angriffe ein. Ging oft steil und war für die Bochumer kaum zu verteidigen. Nach hinten gewohnt aufmerksam und fleißig. Unmittelbar nach Wiederanpfiff verpasste er den Matchball, als er alleine aufs Bochumer Tor zulief und schwach abschloss. Mit zunehmender Spieldauer machte sich ein Kräfteverschleiß bemerkbar, so dass er zwanzig Minuten vor Schluss von Reus abgelöst wurde. Note 3,5.
Juan Arango: Obwohl er die ersten beiden Bälle verlor, entwickelte sich der Venezolaner wieder zum Dreh- und Angelpunkt und konnte seine starke Vorstellung aus dem Pokalspiel bestätigen. Er machte eiskalt das 1:0, schlug eine erstklassige Hereingabe von rechts zum dritten Tor. Dazu mehrere tolle Pässe, wenngleich nicht alles gelingen wollte. Auch im Spiel nach hinten zunächst auffällig, weil er öfter gut antizipierte und so scheinbar mühelos Bälle eroberte. Es war eine Galavorstellung des 29-Jährigen, der wirklich fußballerische Klasse ins Spiel der Borussen bringt. Nach dem Seitenwechsel wirkte Arango allerdings mehr als platt und ging, wenn überhaupt, nur halbherzig den Weg zurück. So entstanden über links große Lücken, die Bochum weidlich nutzte. In der Konstellation mit einem Mann weniger und angesichts des offensichtlichen Kräfteverschleiß war Arango eigentlich ein Kandidat für eine vorzeitige Auswechslung. Frontzeck ließ ihn durchspielen und wäre fast belohnt worden, als Arango zwei Minuten vor Schluss den Siegtreffer auf dem Fuß hatte. Note 2,5.
Roberto Colautti: Eine sehr ansprechende Vorstellung des gebürtigen Argentinier. Stabil im Zweikampf, gut im Kombinationsspiel und als Anspielstation immer zu gebrauchen. Ließ sich öfter fallen und verteilte die Bälle gut. Spielte den intelligenten Ball zum 1:0 auf Arango, köpfte das 2:0 in bester Stürmermanier selbst. Großes Glück hatte der 27-Jährige allerdings, als er vor dem dritten Tor wie ein Volleyballspieler mit der Hand nach dem Ball schlug, diesen verpasste und Brouwers so einköpfen konnte. Welcher Teufel Colautti da geritten hat? Nach dem Wechsel ging nach vorne nicht mehr viel, er arbeitete jedoch gut mit nach hinten und unterstützte seine Kollegen fleißig. Note 2,5.
Raúl Bobadilla: Das Pflichtspieldebüt des Neuzugangs aus Argentinien, um den im Vorfeld etwas viel ‚Hype‘ gemacht wurde. Entsprechend wirkte der 22-Jährige überdreht. Er wollte scheinbar alles auf einmal und machte zu viel ‚Zirkus‘, anstatt den einfachen Weg zu wählen und so vernünftig zum Abschluss zu kommen. So schenkte er eine Menge guter Szenen her. Dennoch zeigte Bobadilla mehr als vielversprechende Ansätze. Ganz stark in der Ballbehauptung und mit einer Wucht, die man im Gladbacher Offensivspiel bislang vergeblich suchte. Da ist viel Power und Potential, das in Bochum in zwei Aktionen auch effektiv genutzt wurde: Zum einen, als er sich bei der Vorbereitung des ersten Tores auf links durchtankte und zum anderen, als er mit energischem Einsatz und anschließendem gelungenen Pass Matmour auf die Reise zum vermeintlichen 0:4 schickte. Es wird wichtig sein, den ‚wilden Stier‘ Bobadilla ein bisschen zu zähmen und ihm zu helfen, dass er sich nicht selbst zu sehr unter Druck setzt. Wenn seine Power richtig kanalisiert werden kann, wird er der Schrecken der gegnerischen Abwehrreihen. Note 3,5.
Thomas Kleine: Mal wieder ‚kalt‘ ins Spiel geworfen. Dass er das kann, hat er schon gezeigt und auch in Bochum lieferte er für den vom Platz gestellten Dante eine konzentrierte Leistung ab. Solide, ohne groß aufzufallen und ohne gröberen Fehler. Wird sich durch die Sperre von Dante nun vermutlich mal von Anfang an präsentieren dürfen. Note 3,5.
Marco Reus: Bundesligadebüt für zwanzig Minuten. Ersetzte Matmour auf rechts und fügte sich gut ein. Unterstützte Levels hinten und trieb den Ball zu Entlastungsangriffen nach vorne. Spielte einen tollen Steckpass auf Levels vor der Chance von Arango zum 3:4. Ohne Note.
Tony Jantschke: Ersetzte Michael Bradley vor der Abwehr und machte seine Sache ordentlich. Aufmerksam und fleißig, spitzelte er hier und da einen Ball weg. Mit ihm kam wieder etwas mehr Stabilität ins defensive Mittelfeld. Ohne Note.