Donnerstag, 09. Juli 2009 - 20:58 Uhr

Dass Borussia Mönchengladbach während der Vorbereitungsphase auf eine Saison beim FC Wegberg-Beeck antritt, ist schon gute Tradition. So ging es auch in diesem Jahr wieder die wenigen Kilometer von Mönchengladbach ins Waldstadion nach Wegberg, wo sich die Borussia mit dem Verbandsligisten messen konnte.
Borussias Trainer Michael Frontzeck musste dabei auf Torwart Logan Bailly verzichten, der sich beim Tragen einer mobilen Klimaanlage als ‚Flutschfinger‘ erwies und einen Mittelfußbruch davontrug. Obwohl der Belgier auf unbestimmte Zeit fehlen wird, sieht man bei Borussia von der Verpflichtung eines neuen Keepers ab. Frontzeck sprach insoweit dem in der letzten Spielzeit degradierten Christofer Heimeroth das Vertrauen aus.
Verzichten musste Gladbachs neuer Coach in Wegberg zudem auf Roel Brouwers, der wegen einer Überreizung an der Patellasehne im linken Knie fehlte. Der Niederländer selbst gab jedoch Entwarnung. Er wird aktuell ein paar Tage geschont, seine Teilnahme an der weiteren Vorbereitung oder dem Trainingslager in Österreich seien nicht gefährdet.
Länger muss Michael Frontzeck noch auf Jan-Ingwer Callsen-Bracker (Sehnenentzündung unter dem Fuß), Rob Friend und Gal Alberman (Reha) warten. Das Aufgebot in Wegberg wurde daher durch Christian Schlösser, Tim Heubach und Matthias von der Weth aus der U23 komplettiert.
Letzterer stand dann auch in der Startelf. Allerdings nicht auf der Position des Stürmers, als der er eigentlich zur U23 geholt wurde, sondern als Rechtsverteidiger. Dort hatte er zum Ende der abgelaufenen Spielzeit schon bei der zweiten Mannschaft gespielt.
Im Tor der Borussen stand Christofer Heimeroth und die Viererkette der im grünen Trikot mit schwarz-grünen Ringelsocken aufgelaufenen Borussen bildeten neben erwähntem von der Weth Thomas Kleine, Filip Daems und Jean-Sébastien Jaurès. Vor der Abwehr positionierte sich Marcel Meeuwis, im rechten Mittelfeld Moses Lamidi, zentral Roman Neustädter und links Juan Arango bei seinem ersten Einsatz für den VfL. Den Zweiersturm bildeten Oldie Oliver Neuville und Youngster Fabian Bäcker.
Vor der Rekordkulisse von 4.800 Zuschauern im Waldstadion von Wegberg hatte der Bundesligist große Mühe, in die Partie zu finden. Der Verbandsligist spielte zunächst gut mit und konnte im ersten Durchgang sogar das Plus an guten Tormöglichkeiten zu verzeichnen.
Die Borussen taten sich schwer, auch wenn sie bereits in der 3. Minute eine erste Chance verbuchen konnten. Da flankte von der Weth auf den am ersten Pfosten auftauchenden Bäcker. Dessen Schuss aufs kurze Eck parierte Wegbergs Torsteher.
Doch schon kurz darauf musste sein Gegenüber Christofer Heimeroth zweimal eingreifen. Zunächst eilte der Ex-Schalker im richtigen Moment aus seinem Kasten und verhinderte eine Einschussmöglichkeit (9.), dann blieb er nach Flanke vom ehemaligen Gladbacher Dennis Puhl und einer Abnahme von Sasse Sieger (10.).
Beim VfL blieb vieles Stückwerk. So auch der erste Torschuss von Juan Arango, der in der 13. Minute über das Tor und sogar das Fangnetz zielte.
Wegberg blieb seinerseits gefährlich und verpasste nach einem Ballverlust von Jaurès eine weitere gute Möglichkeit (24.).
Fast im Gegenzug hätte der VfL allerdings zwingend in Führung gehen müssen. Lamidi setzte sich auf rechts durch, Neuville schoss aus kurzer Distanz den Torwart an und Bäcker fiel der Rebound vor die Füße. Doch der zuletzt so treffsichere Nachwuchsstürmer brachte das Kunststück fertig, die Kugel freistehend in Richtung Parkplatz zu jagen.
Ansonsten sorgte nur noch Arango mit einem Freistoß aus 30 Metern für echte Gefahr, wobei Wegbergs Keeper rechtzeitig im bedrohten Eck war (33.). Die Gastgeber hatten dagegen noch zwei hochkarätige Möglichkeiten zu einer nicht unverdienten Führung. Christofer Heimeroth behielt allerdings zunächst im Duell gegen den alleine auf ihn zu stürmenden Meven die Oberhand (27.) und hatte dann etwas Glück, dass ein Kopfball Regn nur am Außenpfosten landete, nachdem Lamidi nicht aufgepasst hatte (34.).
So wurden mit einem torlosen Remis die Seiten gewechselt. Michael Frontzeck wechselte wie angekündigt fast komplett durch, einzig Christofer Heimeroth durfte über die volle Distanz mitwirken. Dies war der Verletzung von Bailly geschuldet, damit Heimeroth Spielpraxis sammeln kann.
Die Abwerkette wurde nun von Tobias Levels, Tim Heubach, Dante und Christian Dorda gebildet. Vor der Abwehr stand Tony Jantschke, unterstützt im Mittelfeld von Christian Schlösser (rechts), Thorben Marx (zentral) und Marco Reus (links). Im Sturm feierte Raúl Bobadilla seine Premiere, neben ihm spielte Roberto Colautti.
Pünktlich mit dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit kam der Regen und irgendwie brachen damit auch beim tapferen Verbandsligisten die Dämme. Jedenfalls gelang dem VfL in der 48. Minute der Führungstreffer. Jantschke hatte den Ball auf rechts zu Schlösser gespielt, dessen Hereingabe wurde zunächst abgeblockt, doch Reus kam durch Zufall an die Kugel. Aus knapp zwanzig Metern hielt er einfach drauf und markierte so das 1:0.
In der Folge verpassten Colautti freistehend (55.) und Reus (59.) nach einem Dribbling im Stile von Marko Marin den zweiten Treffer. Der gelang dann Christian Schlösser nach einer Stunde. Colautti spielte mit Bobadilla Doppelpass und seine Hereingabe verwertete Schlösser mit dem linken Fuß.
Nur drei Minuten später erhöhte Marco Reus nach einem halben Eigentor der zusehends abbauenden Gastgeber per Abstauber auf 3:0. Schlösser traf alsdann nach starker Vorarbeit von Reus mit einem abgefälschten Schuss nur die Latte (72.), Colautti rutschte nach einem gelungenen Doppelpass zwischen Schlösser und Reus nur ganz knapp an der Hereingabe von Reus vorbei (80.).
Für den nunmehr deutlich überlegenen Bundesligisten markierte Dante dann den vierten Treffer. Nach einer Ecke von Schlösser – bei der U23 bekannt wegen seiner guten Standards – stieg der Brasilianer am höchsten und wuchtete die Kugel per Kopf in die Maschen (83.).
Fast wäre es wie in den letzten Jahren beim Standardergebnis von 4:0 für die Borussen in Wegberg geblieben, doch eine Minute vor Schluss kam der Verbandsligist mit seiner ersten echten Möglichkeit nach der Pause zum verdienten Ehrentreffer. Bischoff zog aus der Distanz ab und ließ Heimeroth keine Abwehrchance.
So blieb es letztlich bei einem standesgemäßen Erfolg für Borussia Mönchengladbach. Nicht zu übersehen waren jedoch noch einige Unstimmigkeiten im spielerischen Bereich, was angesichts der Trainingsinhalte in den bisherigen Wochen kein Wunder ist. Der notwendige Feinschliff wird noch erfolgen.
Erfreulich, dass die beiden Südamerikaner Raúl Bobadilla und Juan Arango ihr Debüt geben konnten. Arango wirkte noch sehr zurückhaltend, was nach knapp 4 Tagen im Kreis seiner neuen Mannschaft nicht überraschte. Raúl Bobadilla wirkte kämpferisch sehr engagiert, auch wenn ihm längst nicht alles gelingen wollte. Für die beiden Neuzugänge wie für den Rest der Borussen gilt: Es gibt noch viel zu tun ...
Kurzstatistik zum Spiel:
Borussia Mönchengladbach: Heimeroth – von der Weth (46. Levels), Kleine (46. Heubach), Daems (46. Dante), Jaurès (46. Dorda) – Meeuwis (46. Jantschke) – Lamidi (46. Schlösser), Neustädter (46. Marx), Arango (46. Reus) – Bäcker (46. Bobadilla), Neuville (46. Colautti)
Tore: 0:1 Reus (48.), 0:2 Schlösser (60.), 0:3 Reus (63.), 0:4 Dante (83.), 1:4 Bischoff (89.)
Zuschauer: 4.800 im Waldstadion Wegberg