Montag, 25. Mai 2009 - 12:42 Uhr
Roman Neustädter ist das Hintertürtalent – in der zweiten Bundesliga beim FSV Mainz 05 nur teilweise als Stammkraft etabliert, schnupperte der U20-Nationalspieler erst in der abgelaufenen Saison echte Profiluft. Teileinsätze in der zweiten Liga, hinzu unter anderem der Auftritt im DFB-Pokal gegen Bayer 04 Leverkusen – die Scouts mussten schon genauer hinschauen, um auf Roman Neustädter aufmerksam zu werden. Als der 21-Jährige dann in der 2. Bundesliga spielte, wurde schnell klar, welches Talent in ihm schlummert.
»Roman ist ein ballsicherer, laufstarker Mittelfeldspieler, dessen sehr positive Entwicklung wir seit längerem verfolgen«, so Borussias Sportdirektor Max Eberl.
Die Presse hat den gebürtigen Russlanddeutschen aus Kirgisistan schon länger im Visier. Allen voran die sportliche Führung des FSV Mainz 05 beklagte die schrecklich langwierigen Vertragsverhandlungen mit Roman Neustädter öffentlich in den Printmedien.
Während Mainz Manager Christian Heidel den Sündenbock im Beraterstab suchte, ließ Roman Neustädter seinen Wechsel zu seinem neuen Arbeitgeber wesentlich nüchterner klingen.
»Ich bin jetzt 15 Jahre bei Mainz 05 und habe diesem Klub meine gesamte bisherige Karriere zu verdanken. Mir liegt sehr, sehr viel an diesem Verein. Aber ich bin jetzt 21 Jahre alt und möchte mal etwas anderes erleben - raus aus Mainz. Ich will diesen Schritt jetzt wagen.«
Sehr offen gab sich der Neu-Borusse bei einem Interview mit dem Mainzer Magazin Kigges und ließ eine wohlüberlegte Entscheidung als wahren Grund heraus. Ganz im Gegensatz zu seinem bisherigen Manager Christian Heidel, der andere Motive sieht.
»Ein Berater rief bei mir an, weil er über wirtschaftliche Fragen reden wollte. Dabei hat er Zahlen aufgerufen, die Roman zu einem Spitzenverdiener gemacht hätten.«
Ging es Roman Neustädter bei seinem Wechsel nur um das Finanzielle? Die Worte des 21-jährigen Nachwuchskickers klingen anders.
»Vater und Mutter haben mir dazu geraten, in Mainz zu bleiben, weil ich hier am ehesten die Chance hätte zu spielen.«
Dabei sei angemerkt, dass Neustädters Vater beim FSV Mainz 05 als Trainer der zweiten Mannschaft fungiert und seinen Schützling bis zum Profiteam heranbrachte. Und während der Mainzer Manager Heidel die Gefahr sieht, Roman Neustädter würde eher Reservist werden, als Stammspieler, entgegnet der junge Kicker selbstbewusst:
»Natürlich muss ich spielen, um mich weiterzuentwickeln. Aber jetzt will ich mich woanders durchsetzen.«
Auf die negativen Äußerungen von Manager Heidel über Neustädters Berater reagierte der defensive Mittelfeldspieler gelassen.
»Mein Berater sagte mir, dass es ihm egal sei, wie ich mich entscheiden würde. Er muss jetzt kein Geld mit mir verdienen. Ich lasse mir auch gar nichts einreden und treffe meine Entscheidungen selbst. Lediglich die formalen Dinge wickelt mein Berater für mich ab. Zu welchem Klub ich tendiere - das ist meine Sache. Ich höre mir Meinungen an, aber entscheide mich ganz alleine. Mein Berater setzt um, was ich entscheide.«
Und entschieden hat sich Roman Neustädter für Borussia Mönchengladbach. Sicherlich eine gute perspektivische Wahl …