Sonntag, 24. Mai 2009 - 11:42 Uhr

Die Ausgangslage vor dem letzten Saisonspiel gegen Dortmund war ob der drei Punkte Vorsprung und des um vier Tore besseren Torverhältnisses gut, doch alles andere als sicher. »Das zeigte sich doch gleich zu Beginn«, sagte Hans Meyer. »Bielefeld geht ganz früh in Führung und ich will nicht wissen wie es gelaufen wäre, wenn Bailly bei den Riesenchancen von Valdez nicht zweimal fantastisch reagiert«.
Die Gladbacher Borussia bekam die Sache danach besser in den Griff und vor allem die Maßnahme, Tobias Levels auf Tamas Hajnal zu setzen, zog dem Dortmunder Kreativspiel den Zahn. »Mit dem Verhalten bei eigenem Ballbesitz war ich so unzufrieden nicht«, resümierte Meyer, sprach aber auch an, dass man sich am und im gegnerischen Strafraum eher naiv harmlos anstellte.
Die Meyer-Truppe machte es der Ausgangslage entsprechend ordentlich und spätestens der Kopfballtreffer von Dante stellte die Weichen. Da nutzte die Gladbacher Borussia den ersten richtigen Aussetzer einer ansonsten »unglaublich organisierten« Dortmunder Mannschaft, wie es Hans Meyer umschrieb. Vor dem Eckball von Baumjohann musste Dantes Bewacher Santana behandelt werden und die Dortmunder bekamen es nicht auf die Reihe, auf den gefährlichen Brasilianer einen Mann abzustellen. Und prompt bestrafte Dante diese Unzulänglichkeit der Schwarz-Gelben.
Den nächste Unzulänglichkeit leisteten sich die Dortmunder ausgerechnet im Anschluss an einen Fauxpas von Paul Stalteri. Der ebnete ‚Kuba‘ Blaszcykowski mit einem groben Fehler den Weg zum Ausgleich. Dortmund setzte ein paar Minuten nach, zog sich nach der Kunde des Remis der Frankfurter gegen den HSV jedoch zurück und spielte nur noch auf Sicherung des Punktes. Gut für Gladbach und dumm gelaufen für den BvB, weil der HSV in der Schlussminute durch ein Abseitstor doch noch siegte und Dortmund plötzlich als der große Verlierer dastand.
Die unterschiedlichen Marschrichtungen ließen Hans Meyer trotz des Unentschieden als Sieger gegenüber dem viel gepriesenen ‚Trainerüberflieger‘ Jürgen Klopp dastehen. Während Klopps Zaudern bestraft wurde, ging Meyers Vorhaben auf: »Wir wollten es in der eigenen Hand behalten, es selbst machen und nicht auf ein entsprechendes Resultat woanders angewiesen sein. Das haben wir erreicht«.
Beruhigt zurücklehnen konnte man sich allerdings auch nach dem 1:1 und dem vermeintlichen ‚Westfälischen Frieden‘ auf dem Platz nicht. »Im Fußball gibt es die kuriosesten Dinge. Erst beim Abpfiff war ich wirklich beruhigt«, drückte Sportdirektor Max Eberl seine Gefühlslage aus.
Doch nach dem Schlusspfiff konnten die Gladbacher ihrer Freude ungebremst freien Lauf lassen. Die Statements der Spieler waren beliebig austauschbar und enthielten vornehmlich die Worte »überglücklich, froh, zufrieden«. Und auch die Verantwortlichen klangen ähnlich: »Wir haben die Mission erfüllt«, atmete Max Eberl durch. »Wir haben das geschafft, was wir uns vorgenommen haben. Und das ist der entscheidende Fakt«.
»Ich persönlich bin sehr, sehr froh«, sagte auch Hans Meyer und erinnerte an den beschwerlichen Weg zum Ziel. »Aufgrund der katastrophalen Bilanz der Hinrunde mussten die Jungs die ganze Zeit mit der ständigen Drohung des Abstiegs leben. Wie sie damit fertig geworden sind, davor kann ich nur den Hut ziehen. Zwanzig Punkte in der Rückserie bei nur acht Heimspielen – das ist beachtlich«.
Borussia Mönchengladbach hat den Kopf also nochmals aus der Schlinge gezogen. Wie alles im Fußball, ist dies allerdings auch nur eine Momentaufnahme. Die neue Saison hat mit dem Schlusspfiff der alten bereits begonnen. So wird Borussia aus der Basiself definitiv Alex Baumjohann und Tomáš Galásek verlieren. Besonders letzterer wird nach nur einem halben Jahr eine riesige Lücke hinterlassen. »Ich bin dankbar, dass ein alter Mann wie Galásek sich bereit erklärt hat, uns zu helfen. Und wie er uns geholfen hat«, hob Meyer den Tschechen zum Abschied hervor. »Und das für einen Nasenpopel, so wenig hat er uns gekostet«.
Galásek wird aufhören, Marcel Meeuwis kommen und auch ansonsten stehen Veränderungen und Weiterentwicklungen an. »Jetzt können wir mit den Kandidaten definitiv sprechen und wir hoffen, dass wir da relativ zeitnah weiter kommen«, sagte Max Eberl im Hinblick auf weitere Neuzugänge.
Und das Abgänge folgen werden, ist ebenso klar. Im Falle Marko Marin wird wohl ebenfalls alsbald Vollzug gemeldet, auch wenn Max Eberl weiterhin alle Fragen abblocken muss. »Nach wie vor habe ich mit niemandem von einem anderen Verein gesprochen. Wir haben mit Marko die Vereinbarung, uns nach der Saison zusammen zu setzen und das werden wir einhalten. Für die Entwicklung von Marko halte ich es nach wie vor gut, wenn er in Mönchengladbach bleibt«.
Die Sache wird sich alsbald entscheiden, eine andere ebenfalls. Denn noch ist offen, ob Hans Meyer als Trainer in die neue Saison gehen wird. »Heute ist nicht der Tag, um darüber zu sprechen«, wiegelte er nach dem Spiel entsprechende Nachfragen ab. »Es steht noch nicht fest«, sagte der 66-Jährige lediglich.
Sportdirektor Max Eberl äußert sich klarer: »Wir planen die Mannschaft für die neue Saison schon die ganze Zeit zusammen und wir wissen voneinander, wo wir dran sind«.
Interessant werden die nächsten Tage und Wochen auf alle Fälle. Zum Glück nur Abseits des Platzes und nicht in den Relegationsspielen ...