Sonntag, 10. Mai 2009 - 18:53 Uhr
Borussias Trainer Hans Meyer wartete beim Aufeinandertreffen mit Schalke 04 in der Aufstellung mit einer Überraschung auf. Johannes van den Bergh stand erstmals seit dem Rückrundenauftakt gegen den VfB Stuttgart wieder auf dem Platz und übernahm die Position des Linksaußen bzw. im linken Mittelfeld.
Hintergrund für die Berufung van den Berghs war der Brasilianer Rafinha auf Schalkes rechter Seite. Johannes van den Bergh sollte den Außenverteidiger beschäftigen und seine gefährlichen Vorstöße bremsen. Gegenüber der Vorwoche in München blieben Patrick Paauwe, Tobias Levels und Jan-Ingwer Callsen-Bracker draußen, Marko Marin und der zuletzt gesperrte Alex Baumjohann kehrten zurück.
Die Borussen waren vor ausverkauftem Haus deutlich nervös und kamen nur schwer in die Partie. Schalke war von Beginn an das aktivere und bessere Team. Die Gladbacher, die besonders vor den Standards der Gäste gewarnt waren, ließen gerade in der Anfangsphase einige davon zu. So in der 3. Minute, als es nach einer ersten Ecke der Schalker gehörige Verwirrung im Strafraum des VfL gab. Bailly irrte orientierungslos am kurzen Pfosten umher und hatte Glück, dass er nicht früh hinter sich greifen musste.
In der 8. Minute lief Sanchez Stalteri weg und Bailly fischte die anschließende Flanke im letzten Moment von Kuranyis Kopf. Und auch die nächste gute Möglichkeit hatten die überlegenen Gelsenkirchener zu verzeichnen: Sanchez traf aus günstiger Position nur ans Torgestänge (18.).
Bei den Borussen lief derweil kaum etwas zusammen. Nach vorne stockte das Spiel gehörig, in der Rückwärtsbewegung ließ man den Gästen zu viel Raum und kam nicht richtig in die Zweikämpfe.
Umso erstaunlicher, dass der Borussia in der 23. Minute der Führungstreffer auf dem Silbertablett präsentiert wurde. Nach einem langen Ball wurde Baumjohann am Strafraumeck von Rafinha zu Fall gebracht. Schiedsrichter Sippel entschied auf Strafstoß für den VfL. Eine etwas umstrittene Entscheidung, doch die Borussen wussten den Vorteil nicht zu nutzen. Marko Marin, der bis dahin nicht eine gelungene Aktion zu verzeichnen hatte, trat an und scheiterte mit einem schwachen Schuss an Manuel Neuer.
Borussia ließ also die große Möglichkeit zu einer – wenn auch unverdienten – Führung aus. In der Folgezeit gelang ihr nur noch ein einziger halbwegs gefährlicher Schuss in Richtung des Schalker Tores: Matmour versuchte sich von der Strafraumkante (27.).
Auf der anderen Seite hatten nun auch die Schalker ihre Probleme, so dass die Partie von ungenauen Aktionen geprägt war. Bereits in der 38. Minute wechselte Hans Meyer zum ersten Mal aus. Johannes van den Bergh, der bereits verwarnt war und sich ein weiteres Foul leistete, wurde durch Roberto Colautti ersetzt. Der Israeli ging in die Spitze, während Matmour nun auf die linke Seite auswich.
Bis zum Pausenpfiff hatte Schalke weiter ein leichtes Übergewicht, konnte sich aber nicht entscheidend vor Bailly zeigen. So ging es mit einem torlosen Remis in die Kabinen.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit konnten die Borussen das Spiel zunächst deutlich in die Schalker Hälfte verlagern und zeigten sich einige Male gefährlich am und im Strafraum der Gäste. Eine echte Torchance kam allerdings dabei nicht heraus. So wechselte Meyer in der 62. Minute zum zweiten Mal aus und brachte Neuville für Baumjohann. Neuville ging auf die rechte Seite, während Matmour die Position von Baumjohann übernahm.
Da nun auch Schalke das Risiko erhöhte, entwickelte sich in dieser Phase ein offener Schlagabtausch. Die besseren Chancen waren dabei den Gästen vorbehalten: So lenkte Bailly einen Schuss von Altintop ans Außennetz (63.), dann klärte Dante per Kopf auf der Linie gegen einen Heber von Kuranyi, als Bailly bereits geschlagen war (71.).
Doch die Borussen ließen sich nicht hängen und versuchten weiter alles im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Nach einem Ballgewinn von Marin passte dieser auf Colautti, der schön abzog, aber Neuer parierte hervorragend (76.). Nachdem Daems in der 84. Minute einen indirekten Freistoß flach in die Mauer der Schalker schoss und die Gäste zudem immer wieder mit gefährlichen Kontern nach vorne spielten, schien ein Sieg der Borussen immer unwahrscheinlicher.
Aber es folgte noch die 90. Minute und entgegen der sonstigen Gepflogenheiten schlug das Pendel endlich einmal in die richtige Richtung aus. Nach einem langen Pass aus der eigenen Hälfte von Galásek lief Oliver Neuville über die rechte Seite und passte im richtigen Moment in den Lauf von Colautti. Der behielt 12 Meter vor dem Tor die Nerven und versenkte den Ball mit dem rechten Fuß flach im Eck.
Der Borussia-Park erbebte wie lange nicht mehr. Als kurz darauf Schluss war, konnten es die Borussen kaum fassen: Durch diesen Last-Minute-Sieg stehen sie in diesem irren Abstiegskampf auf Tabellenplatz 15. Da ist es völlig egal, dass der Sieg gegen Schalke unter dem Strich als glücklich bezeichnet werden muss ...
Kurzstatistik zum Spiel:
Borussia Mönchengladbach: Bailly – Stalteri, Brouwers (84. Callsen-Bracker), Dante, Daems – Bradley, Galásek, Baumjohann (62. Neuville) – Marin, Matmour, van den Bergh (38. Colautti)
weiter im Kader: Heimeroth (ETW), Kleine, Paauwe, Levels
Schalke 04: Neuer - Rafinha, Westermann, Krstajic, Pander (16. Kobiashvili (58. Höwedes)) - Jones, Engelaar – Farfan (89. Asamoah), Halil Altintop, Sanchez - Kuranyi
Tore: 1:0 Colautti (90.)
Gelbe Karten: van den Bergh, Marin – Rafinha, Kuranyi
Schiedsrichter: Peter Sippel
Zuschauer: 54.067 (ausverkauft)