Sonntag, 25. Mai 2008 - 18:25 Uhr
Nach einer langen Saison denkt man unweigerlich über den wichtigsten Moment der Spielzeit nach. Für mich persönlich war es die Entscheidung, zur Borussia zu wechseln. Ich hatte von Beginn an das Gefühl, die richtige Wahl getroffen zu haben. Doch so ganz sicher kann man sich im Fußball nie sein.
In der Vorbereitungsphase wurde nicht nur Wert auf die fußballerischen Dinge gelegt, sondern es galt eine Atmosphäre innerhalb des Kaders zu kreieren. Man merkte sofort, dass da einige gute Charaktere bei sind. Jungs die gerne feiern, aber sich gleichzeitig bewusst sind, dass es Ziele gibt, die zu verwirklichen sind. Man konnte schon in der Vorbereitung sehen, dass wir rechtzeitig umschalten und uns aufs Wesentliche konzentrieren konnten, wenn dies erforderlich war.
Beim Training war jeder stets voll da. Zwischendurch haben wir einige Ausflüge zusammen unternommen. Die waren im Nachhinein gesehen sehr wichtig. Wir lernten einander besser kennen und wuchsen zusammen. Ganz speziell gefreut habe ich mich über die Raftingtour in Österreich. Ich bin eh eine Wasserratte und konnte dort meine Spezialität, den Salto, zeigen. Den mache ich immer, wenn ich im Schwimmbad oder im Urlaub am Meer bin. Es ist eigentlich das einzige, was ich beherrsche. Sogar in meinem Alter noch ...
Die Vorbereitung auf die Saison lief also ganz ordentlich und wir fieberten dem ersten Pflichtspiel entgegen.
1. Runde DFB Pokal | Osnabrück – Borussia 0:1
Es lag eine Menge Druck und Spannung auf dieser Partie. Ich weiß noch, dass ich leicht angeschlagen ins Spiel ging. Es stand lange 0:0, doch das lag nicht unbedingt an der Stärke von Osnabrück. Wir konnten diese Partie einfach nicht verlieren. Als Marko dann den entscheidenden Treffer erzielte, war das für uns alle eine Riesenerleichterung. Zumal die Borussia ja seit langem auswärts erfolglos war. Nach dem Spiel rief ich sofort meinen Vater an und teilte ihm mit, dass der erste Sieg unter Dach und Fach sei. Dass wir eine Runde weiter kamen, war nicht nur für uns, sondern auch für die Fans ein wichtiges Erfolgserlebnis.
1. Spieltag | Kaiserslautern – Borussia 1:1
Weil Steve Gohouri wegen einer Entzündung krank daheim blieb, spielte ich auf dessen Position in der Viererkette. Wir waren immer noch auf der Suche nach der richtigen Formation. Es waren viele neue Spieler da und noch nicht so ganz klar, welche Qualitäten auf welchen Positionen am besten eingesetzt werden konnten. Das machte sich in Kaiserslautern noch ein wenig bemerkbar. Eine wichtige Eigenschaft unserer Truppe wurde dagegen schon in diesem Spiel deutlich: Unsere Wehrhaftigkeit. Im Stadion am Betzenberg gegen Kaiserslautern mit den Fans im Rücken noch einen Rückstand kurz vor Schluss auszugleichen zeigte, dass wir nicht von der Rolle gerieten.
2. Spieltag | Borussia – Hoffenheim 0:0
Wieder eine Partie, bei der wir gehörig unter Druck standen. Das erste Heimspiel der Saison und das Publikum erwartet was von dir. Wir versuchten alles, probierten ein gutes Spiel hinzulegen, doch es war viel Stückwerk. Es fehlte noch an der richtigen Abstimmung, Rob und Oli spielten noch nicht von Anfang an. Insgesamt agierten wir vielleicht etwas zu vorsichtig. Immerhin waren wir nach dem torlosen Remis noch ungeschlagen, das war ein Vorteil. So ein Spiel kannst du auch verlieren ...
3. Spieltag | Mainz – Borussia 4:1
Eine bittere Niederlage, die jedoch passieren kann. Der FSV verfügte über eine starke Mannschaft, wir waren noch ein Team auf der Suche nach Automatismen. Das zeigte sich in diesem Spiel. Die Räume waren viel zu groß, wir haben mit ziemlich viel Risiko gespielt. Weil wir alles versuchten, wurden wir böse ausgekontert und fingen uns unglückliche und unnötige Gegentore. Mein erstes Tor in der zweiten Bundesliga war nur eine Randnotiz und half nicht mehr.
4. Spieltag | Borussia – Osnabrück 2:1
An das Spiel selbst habe ich eigentlich nur noch wenig detaillierte Erinnerungen. Ich weiß nur, dass wir unbedingt gewinnen mussten, weil der öffentliche Druck enorm zunahm. Wichtig waren nur die drei Punkte und es war egal, ob wir schönen Fußball spielen oder nicht. Die Aufstellung passte insgesamt besser, Oli und Rob standen erstmals zusammen in der Anfangself. Der Sieg gegen Osnabrück durch die zwei Tore von Oli war die Wende.
5. Spieltag | Erzgebirge Aue – Borussia 2:3
Erzgebirge Aue – von diesem Verein hatte ich noch nie gehört. Unfassbar, was sich an diesem Abend alles abspielte. Ich stand wieder in der Innenverteidigung und wir legten eine phantastische erste Halbzeit auf die Matte. Wir schickten die Auer von Pontius zu Pilatus. Es stand schon 2:0 für uns, als Oli kurz vor der Pause einen Elfmeter verschoss und Sascha ein überflüssiges Foul an der Seite unterlief. Von da an war das Publikum aufgeheizt und Aue fand ins Spiel hinein. Bei uns lief nach dem Wechsel einiges schief und innerhalb kürzester Zeit fingen wir uns den Ausgleich, weil wir keine Kontrolle über unser Spiel hatten. Dann kommt Roel mit seinem unglaublichen Kopfball zum Siegtreffer, das Tor des Monats. Nachher gab es einen riesigen Freudenausbruch. Der erste Auswärtssieg in der Meisterschaft. Im Nachhinein war es wohl gut, dass wir diese Partie nicht auf eine einfache Art und Weise mit 3:0 oder 4:0 gewannen. Nach diesem Spiel wusste man, dass jetzt die richtige Mentalität in der Truppe ist.
6. Spieltag | Borussia – Augsburg 4:2
Der Sieg in Aue brachte uns vollends in die Spur. Beim nächsten Heimspiel gegen Augsburg konnten wir nachlegen, was sehr wichtig war. Der dritte Sieg in Folge brachte uns langsam aber sicher in die angestrebten Tabellenregionen. Der Sieg war relativ ungefährdet, ich erinnere mich noch, dass Oli zwei Tore machte.
7. Spieltag | St. Pauli – Borussia 0:3
Ebenfalls eine sehr gute und souveräne Partie unsererseits, obwohl es uns noch einfacher gemacht wurde, als ein Hamburger nach etwa einer halben Stunde des Feldes verwiesen wurde. Ich weiß noch, dass ich persönlich eine gute Leistung hinlegte und wir dank einer geschlossenen Mannschaftsleistung in keiner Phase des Spiels in Probleme gerieten. Ein herrlicher 3:0-Sieg für uns, doch die St. Pauli-Fans sangen einfach weiter. Ein besonderes Stadion, wobei die Umkleidekabinen am Millerntor noch so gerade dem Niveau der Landesliga entsprechen. Nach dem Spiel wollte ich unbedingt ein St.Pauli-Trikot haben, welches war mir egal. Über den Gesichtsausdruck von Marcel Eger beim Trikotausch muss ich noch heute herzhaft lachen. Er wusste nicht wie ihm geschah, schaute mich ganz komisch an. Er kannte mich überhaupt nicht und schien zu denken, 'was will der Holländer von mir?'. Ich wollte dieses braune Trikot, nicht mehr und nicht weniger.
Bildergalerie Teil 1:
Saisonrückblick 2007/2008 in Bildern - Teil 1 (56 Fotos)
aufgezeichnet von Jan van Leeuwen
Lest in Kürze den zweiten Teil: Patrick Paauwe über den Ausbau der Serie und das Erreichen der Herbstmeisterschaft.