Sonntag, 12. November 2006 - 10:56 Uhr
Mit seiner Vorlage zum Ausgleichstor ebnete David Degen der Borussia den Weg zum ersten Auswärtspunkt dieser Saison. Dennoch wirkte der 23-Jährige alles andere als glücklich, als er in die Katakomben der AOL-Arena stiefelte: »Ich bin mit meiner persönlichen Situation nicht zufrieden«, grantelte er. »Aber was will ich machen? Ich warte darauf, bis ich endlich von Anfang an spielen kann«.
Nur als Joker von der Bank – das entspricht nicht den Ansprüchen des David Degen. »Wir haben fünf Spiele hintereinander verloren. Ich bin Nationalspieler, habe im UEFA-Cup, in der Champions League gespielt. Ich habe genug Erfahrung dass ich weiß, wie ich der Mannschaft helfen könnte«.
Dennoch musste er in Hamburg bis zur 65. Minute auf seinen Einsatz warten. Was noch zum Stammspieler bei der Borussia fehlt, weiß Degen nicht. »Das ist für mich ein Rätsel. Ich bin neu hier her gekommen um die Mannschaft zu verstärken. Warum soll ich nicht von Anfang an spielen?«
Und einmal in Rage sprudelt es aus dem impulsiven Schweizer nur so heraus: »Ich bin hier her gekommen aus Basel, wo ich zusammen mit Delgado der Leistungsträger war, habe im UEFA-Cup vier, fünf Tore gemacht. Es kann nicht sein, dass ich nach Gladbach komme und da auf der Bank sitze«.
Also fordert Degen nachdrücklich mehr Einsatzzeiten: »Ich weiß was ich kann. Wenn ich drei, vier Spiele hintereinander von Anfang an mache, meine Leistung nicht bringe und auf die Bank muss, dann ist das eine logische Konsequenz. Aber ich bin mir sicher, dass wenn ich mal diese drei, vier Spiele bekommen, dann bringe ich der Mannschaft etwas«.
So bleibt ihm derzeit nichts anderes übrig, als sich über Kurzeinsätze zu empfehlen. »Aber das ist sehr schwierig«, sagt Degen und deshalb hofft er jetzt auf eine andere Bühne, um seine Fähigkeiten zu präsentieren – die Nationalmannschaft.
Die Schweizer spielen gegen Brasilien und Degen ist – auch für ihn überraschend – dabei. »Das hatte ich ehrlich gesagt nicht gedacht. Ohne ein Spiel für Gladbach von Anfang an habe ich eigentlich nicht das Anrecht in die Schweiz zu fahren und gegen Brasilien spielen zu dürfen. Dass ich trotzdem dabei bin, freut mich sehr und dafür muss ich natürlich dem Trainer danken. Wenn ich gegen Brasilien spiele, dann werde ich es sicherlich allen zeigen, dass ich zu Unrecht auf der Bank sitze. Das werde ich sicher machen um zu zeigen, dass sie mit mir einen Fehler machen«.
Deutliche Worte des Schweizers, der unmissverständlich seine Ansprüche formuliert: »Wenn ich zurückkomme ist klar, dass ich in Gladbach spielen und nicht auf der Bank hocken will«.
Ein eindeutiger Hinweis in Richtung Trainer Heynckes. Warum Degen nicht spielt, hat ihm der Coach bislang nicht mitgeteilt. »Der Trainer spricht schon ab und zu mit mir, aber er hat mir noch nie erklärt, wieso ich nur auf der Bank sitze«, sagt Degen. Nun will der Spieler den Dialog verstärkt suchen: »Es ist normal, dass es noch das ein oder andere Gespräch geben wird. Ich schätze den Trainer sehr und habe eigentlich ein sehr gutes Verhältnis zu ihm, aber ich hoffe schon, dass ich endlich mal von Anfang an spiele«.
Etwas Diplomatie wollte Degen dann aber doch walten lassen. »Ich freue mich mit der Mannschaft über den Punkt in Hamburg. Es ist klar, dass ich meine persönlichen Ansprüche hinten anstellen muss. Aber – ich weiß was ich der Mannschaft bringen kann ...«