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Samstag, 02. Juni 2007 - 16:58 Uhr
»Erst Pfiffe, dann Beifall«, schrieb die offizielle Homepage der Borussia einen Tag nach der Mitglieder Hauptversammlung so schön.
Richtig, es gestaltete sich genau so. Präsident Rolf Königs schaffte es zusammen mit seinem Team dank einer – vorsichtig ausgedrückt – ungewöhnlich emotionalen Rede, die anfänglich skeptischen Mitglieder von sich und seinem Wirken zu überzeugen und auf seine Seite zu bringen. Ziel erreicht.
Vor dem Ziel stand ein steiniger Weg, gepflastert mit pfiffigen Unterschlagungen und cleveren Effekthaschereien. Der Treibstoff: Die Vergangenheit – allerdings eine stark verdrehte Vergangenheit. So rückten in erster Linie die Sportdirektoren in den Mittelpunkt, um von den aktuellen Hauptdarstellern, die diese schließlich beaufsichtigen, abzulenken.
»Bei Hans Meyers Aufstieg hatten wir keinen Sportdirektor, Meyer machte das alles alleine. Später haben wir ihm einen sportlichen Assistenten hinzu gegeben.«
Legt sich Rolf Königs auf die Definition »Sportdirektor« fest, mag er sogar recht behalten. Nur vergaß er zu erwähnen, dass es nach dem erfolglosen Trainer Rainer Bonhof ausgerechnet sein Sportkoordinator Christian Hochstätter war, der zusammen mit dem damaligen Präsidenten Wilfried Jacobs den neuen Trainer Hans Meyer installierte. Ferner bedankte sich Hans Meyer wenig später vor der Medienlandschaft ausdrücklich bei seinem Partner Christian Hochstätter für die Verpflichtung des Dänen Peter Nielsen. Einem Strategen, der später als Chef der Mannschaft auszumachen war.
Vielleicht unterschlug Präsident Rolf Königs diese Details im Affekt – ohne seinem ehemaligen Sportdirektor dabei Böses unterstellen zu wollen. Nur bröckelt seine emotionale Podiumspräsenz spätestens zu dem Zeitpunkt, an dem der jetzige Macher der Marke Borussia das plötzliche und unerwartete Aus des jetzigen Nürnberger DFB-Pokalsiegers beschreibt.
»1999 besaßen wir das große Glück, einen Trainer zu finden, der zur Borussia passte: Hans Meyer«
Der Präsident verdeutlichte anschließend die Abläufe im Falle Markus Münch, bei denen er zugab, dass er Münch lieber weiter im Team behalten hätte und erst nach langen Diskussionen mit Hans Meyer doch aus dem Dienste entließ.
»Das große Glück« fand Ex-Präsident Jacobs zusammen mit Hochstätter – »das große Glück« untermauerte Borussias damaliges Präsidium unter der Leitung des verstorbenen Dr. Jordans am 19. Spieltag (19.02.2003) der Saison 2002/2003. Das Nachholspiel gegen den VfL Wolfsburg gestaltete sich als Geldregen für den Chefcoach Hans Meyer. Mit einer Ausstiegsklausel zum jeweiligen Saisonende ausgestattet, geriet dies zur Planungsunsicherheit und dementsprechend reagierte der Klub. Hans Meyer wog diese Klausel mit einer Einmalzahlung auf und verabschiedete sich davon.
Nur zwei Wochen später, es war der 1. März, stellte ein Boulevard-Journalist dem Gladbacher Glück nach dem 2:2-Unentschieden gegen Schalke 04 die Frage, was er von Ewald Lienen als seinen Nachfolger und dessen morgiger Vorstellung hielte. Wenige Stunden weiter war es geschehen, Hans Meyers offizielle Version des Zurücktretens machte die Runde.
Die Zusammenarbeit mit Hans Meyer habe sich »anders entwickelt« und gut 4 Jahre später kramte Rolf Königs Plattitüden vom Rosenzüchten hervor. Plattitüden, die Hans Meyer nicht nur einmal widerlegte.
Die Geschichte ist bekannt – Rolf Königs gestaltete sie am letzten Mittwoch neu. Ein Sportassistent, der erst nach dem Hans Meyers Aufstieg an dessen Seite gestellt, eine Entlassung die Wochen vorher noch mit viel Geld gänzlich in eine andere Richtung gelenkt wurde – all dies wirft ein schwaches Licht auf Borussias Mann im Mittelpunkt.
Der nächste und bei der Mitgliederversammlung nicht anwesende Sportdirektor Peter Pander wurde hart von Königs kritisiert - von einem Präsidenten, der auf Ehrenmänner steht. Wenig ehrenhaft, auf Personen einzudreschen, die sich erstens (als noch Angestellte) nicht verteidigen können und zweitens ausgerechnet vom ursprünglichen Wunschkandidaten auf diesen Posten empfohlen wurden. Fehler seien im Verein getätigt worden, auch von seiner Person, er würde dafür in der Verantwortung stehen.
Leere, halbwahre Phrasen. Phrasen, die er nach den Misserfolgen der letzten Jahre nicht anders verkaufen kann und darf. Die Konsequenz – er setzt auf einen Sportdirektor, der bis zum März als B-Jugendtrainer fungierte und dabei kaum bis keine Kontakte zur aktuellen Profi-Welt bastelte. Hinzu auf einen Coach, der laut Königs Aussage auf »Vorschlag, Bitte und Forderung« dieses jetzigen Sportdirektor kam. Erste Parallelen zur Verknüpfung des Schicksals von Christian Hochstätter mit dem Erfolg Holger Fachs waren deutlich zu hören.
Damit klammert sich der Präsident geschickt wieder aus und gestaltet die Zukunft wie die Vergangenheit gewohnt offen - von einem Team an der Spitze ist wieder einmal nichts zu spüren. Der Präsident verknüpft allenfalls andere Schicksale miteinander und lässt sein eigenes dabei außen vor. Sehen wir in die Blicke von Jos Luhukay und Christian Ziege an diesem Abend, so stellen wir sie uns gerne bei der nächsten Hauptversammlung wieder vor – wenn sie ihre Arbeit durch den Präsidenten betrachtet sehen, der eine andere Vergangenheit in die Öffentlichkeit trällert. Eine Vergangenheit, die verzerrt und verdreht ist, wie sie kaum ein anderer sehen kann - »Borussia‘s History customized by Mr. President«.
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