Dienstag, 12. Februar 2013 - 19:22 Uhr

Bestes Beispiel dafür ist Sven Michel. Der Angreifer kam allerdings auch mit der besten Voraussetzung, die ein Winter-Transfer mitbringen kann. Denn mit den 14 Treffern, die er bei den Sportfreunden Siegen in der Hinrunde erzielte, führte er die Torjägerliste der Regionalliga West an. Und gleich im ersten Spiel gegen Hüls war sein 15. Saisontor das entscheidende zum 3:2 im Spiel gegen den direkten Abstiegsrivalen. »Ich bin stolz auf die Jungs, dass wir das Spiel noch umgebogen haben. So ein Sieg zum Auftakt nach einer Vorbereitung ist natürlich immer besonders wichtig«, sagte Michel, der nicht sich, sondern die Mannschaft in den Vordergrund stellte.
Sein Trainer Sven Demandt weiß natürlich auch, dass er nicht viel zu Michels Qualitäten sagen muss, wenn das Gegenüber bereits das Vergnügen hatte, ein Spiel des schnellen Angreifers zu sehen. Er weist zwar darauf hin, dass auch der 22-Jährige noch viel zu lernen habe, doch die Kernaussage lässt schon aufhorchen. »Der letzte Stürmer, den ich gesehen habe, der mit einem solchen Selbstvertrauen einfach mal den Ball auf den Kasten haut, war ich selbst vor 30 Jahren«, scherzt er und weist seine Aussage auch gleich als einen Spaß aus. Dennoch ist Michel genau das, was diese Mannschaft gebraucht hat: ein Angreifer, der schlicht an seine Qualitäten glaubt und nicht zu viel über sie nachdenkt. Auch bei Bayer Leverkusens U21 gab es am Samstag in der Regionalliga einen 1:0-Sieg, und wieder war es Michel, der mit seinem 16. Saisontor den Sieg sicherstellte.
Nach der Verletztenmisere im Sturm der Profis könnte der Linksfuß Michel, der ohnehin mit einem Profivertrag ausgestattet ist, vielleicht doch eher seine Chance »oben« erhalten, als das alle im Umfeld gedacht hatten. Bereit dafür scheint der Angreifer zu sein. Zwar hatte jüngst eine Boulevardzeitung noch groß berichtet, dass Lucien Favre gar nicht wisse, wer Sven Michel sei. Doch ganz so soll sich der Wortwechsel dem Vernehmen nach wohl doch nicht abgespielt haben. Denn das ließe auch auf mangelnde Professionalität des Schweizers schließen, was dessen Berufsauffassung wohl kaum entspricht.
Nicht minder wichtig für die Mannschaft ist aber die Rückkehr von Dennis Dowidat, der nach einem halben Jahr in Münster wieder Borusse ist. Bei ihm wusste die sportliche Führung nach Jahren der Vereinszugehörigkeit natürlich genau, was sie erwartet. Dowidat sorgt für Ordnung in Mittelfeld, erhöht die Qualität des letzten, entscheidenden Passes, strahlt selbst Torgefahr aus. Vor allem aber sind alle Standards, egal ob als Eckball oder als Freistoß, von der gewohnten Präzision und werden dadurch auch oft gefährlich. Gegen Hüls leitete einer seiner Eckbälle die 1:0-Führung durch Niklas Dams ein, und es hätte auch vorher schon zur Führung reichen können, wären Dowidats Hereingaben besser verwertet worden. Das belegt die Aussagen vor der Saison, dass die Mannschaft nur schwer zu ersetzende sportliche Klasse verloren hatte. Da ist Dowidat sicher das Musterbeispiel schlechthin.
Dritter und letzter im Bunde der Neulinge ist Benjamin Barg, der Routinier mit Drittliga-Erfahrung, dem nicht zuletzt Demandt noch Zeit geben wollte. Doch schneller als vielleicht vom einen oder anderen erwartet hat sich auch Barg Verdienste um die U23 erworben, mit einem tollen, langen Pass in Leverkusen Sven Michel bei seinem goldenen Tor mustergültig eingesetzt. Seine Passgenauigkeit und Ruhe am Ball tut der Mannschaft vor allem in kritischen Situationen gut. Gegen Hüls drehte die U23 erstmals in dieser Saison einen Rückstand in einen Sieg um, in Leverkusen hielt die Demandt-Elf in der Schlussphase unter Druck die drei Punkte fest. Letztlich zeigt dies insgesamt auch, dass die Qualität der Mannschaft zumindest gut genug war, um mit drei Korrekturen im Kader eine Menge zu bewegen.
In der kommenden Woche hat die U23 nun die Möglichkeit, sich mit weiteren Erfolgen vielleicht schon vorentscheidend von der Abstiegszone abzusetzen. Denn am Samstag steht im Rheydter Grenzlandstadion die Partie gegen den FC Kray an, der auf dem vorletzten Platz der Tabelle steht. Und am Donnerstag folgt dann das Nachholspiel gegen das Schlusslicht Fortuna Düsseldorf - ebenfalls daheim. Sollte es da noch einmal sechs oder zumindest vier Zähler für die Borussen geben, so ließe sich die dann folgende Aufgabe beim Spitzenteam des FC Schalke 04 wohl ohne großen Druck ganz locker angehen. Und jeder, der sich im Fußball auskennt, der weiß, dass dann auch in solchen Spielen etwas möglich ist.
Gegen Kray muss Demandt allerdings auf Sven Michel verzichten. Denn der brachte aus Siegen nicht nur seine 14 Tore, sondern auch vier Gelbe Karten mit. Und in Leverkusen bekam er dann die fünfte hinzu.