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Trainer Sven Demandt geht mit seiner Mannschaft hart ins Gericht

Eine Frage der Qualität

Sascha Köppen

Freitag, 09. November 2012 - 18:35 Uhr

Nach zwei Siegen in Folge sah es kurz so aus, als könne sich Borussias U23 mit Trainer Sven Demandt doch zumindest in Richtung des sicheren Mittelfeldplatzes in der Regionalliga West begeben, den die sportliche Leistung vor der Saison nach dem Umbruch als Zielstellung ausgegeben hatte.

Giuseppe Pisano präsentierte sich zuletzt in aufsteigender Form bei der U23 seine Torgefahr hält sich aber weiter in Grenzen (Foto: Sascha Köppen für TORfabrik.de)
Giuseppe Pisano präsentierte sich zuletzt in aufsteigender Form bei der U23 seine Torgefahr hält sich aber weiter in Grenzen (Foto: Sascha Köppen für TORfabrik.de)

Dann folgte die etwas unglückliche Niederlage gegen Lotte, und spätestens nach dem 0:4 bei den Sportfreunden Siegen am Samstag dürfte auch dem letzten klar sein, dass es wohl langer und intensiver Anstrengungen bedarf, um angesichts von sechs drohenden Absteigern den Sturz in die Oberliga Niederrhein zu vermeiden.

Dabei stellt sich nach 14 absolvierten Spielen durchaus auch allmählich die Frage nach der Qualität des Kaders. »Man darf nicht vergessen, welche Qualität unser Kader in den beiden vergangenen Jahren verloren hat. Es ist natürlich schon so, dass das nicht immer von unten in gleicher Weise so nachkommen kann«, erklärt Trainer Sven Demandt, der sich natürlich mehr als nur einmal gefragt hat, wo die Gründe des mangelnden Erfolges in dieser Spielzeit zu suchen sind. Letztlich liegt die Antwort auf die Frage wohl in der Erkenntnis, dass es zwei verschiedene Arten von Qualität gibt. Die eine ist die objektiv sportliche Güte, die fast alle Spieler, auch die aus der A-Jugend dazu gekommenen, bereits unter Beweis gestellt haben, denn in der Vorbereitung waren Ergebnisse und die Leistungen meist so positiv, dass die Zielstellung fast ein wenig nach Tiefstapelei klang. Doch auf dem Platz Spiele zu gewinnen, wenn es wirklich um Punkte geht, setzt mentale Qualitäten voraus. »Denn das alles hilft einem nicht, wenn man die Leistung nicht auf den Platz bekommt. Ich war früher als Spieler immer eher besser, wenn es wirklich um etwas ging«, fügt Demandt an.

Positiv ist daran ohne Zweifel, dass sich bei einem Mangel an fußballerischer Qualität wohl in diesem Alter der nachgerückten Spieler nur noch bedingt etwas ändern ließe. Doch Demandts Aussage macht deutlich, was er in den kommenden Wochen von seinen Spielern einfordert. »Wir hatten bei uns zuletzt  immer Spieler, die sich für den Profibereich empfohlen haben. Die Jungs wollen ja alle etwas erreichen, aber ich bin mir beim einen oder anderen da aktuell nicht sicher, ob es dafür reicht«, sagt der Coach, wohl auch um den einen oder anderen Spieler etwas zu kitzeln. Viele Spieler müssen sich aber auch erst an die Situation gewöhnen, mal mehr als ein Spiel in Folge zu verlieren. Das kennen sie aus Borussias Jugend kaum, und noch schwerer ist es etwa für Ridvan Balci, der sich als Deutscher A-Jugend-Meister mit einer gänzlich anderen Gemengelage konfrontiert sieht.

Die eingesetzten Profis zeigten zuletzt ansteigende Form, wobei in erster Linie Matthias Zimmermann zu nennen ist, der sich sukzessive mehr zutraute und auch bereit war, sich für die Mannschaft zu quälen. Die Situation bietet nun gerade ihm auch die Möglichkeit zu zeigen, dass er auch vorneweg marschieren kann, wenn es einmal nicht so läuft.

Neben der Qualität gab es jedoch im bisherigen Saisonverlauf auch andere Probleme. Denn durch häufige Wechsel, bedingt durch Einsätze von Profis und Verletzungen der U23-Spieler, fehlte der Mannschaft im ersten Viertel der Saison auch ein wenig die Struktur, die natürlich fast komplett neu entstehen muss. Bedenklich darf da durchaus stimmen, dass die beiden jüngsten Niederlagen in einer Phase zustande kamen, als die Mannschaft eben gerade dieses Manko durch eine konstante Startformation einmal außen vor zu lassen schien. Allerdings scheint das Gefüge dennoch fragil, denn in den beiden letzten Spielen standen weder Maik Odenthal (gesperrt) noch Christopher Lenz (verletzt) als linke Verteidiger-Optionen zur Verfügung. Offenbar reicht das nach zwei Spielen ohne Gegentor, um die Defensive wieder aus dem Takt zu bringen.

Im Grenzlandstadion kommt es nun am Sonntag zu einem Spiel, in dem die jungen Spieler, aber auch die als Routiniers eingeplanten Oliver Stang und Giuseppe Pisano dem Trainer beweisen können, mit einer solch schwierigen Situation doch zurecht kommen zu können. Soll der Kontakt zu den ruhigen Regionen der Liga nicht verloren gehen, sollte gegen Rot-Weiss Essen ein Dreier eingefahren werden. Allerdings ist der Gegner unter ähnlichem Zugzwang, soll nicht der Kontakt nach oben noch vor der Winterpause entscheidend leiden. Auch in der Vorsaison traten die Borussen zum Regionalliga-Heimspiel gegen das Team von der Hafenstraße bereits im Borussia-Park an, gewannen das Spiel gegen die Mannschaft von Trainer Waldemar Wrobel damals deutlich 4:0. Dreifacher Torschütze war da Elias Kachunga, und auch ein solcher „Knipser“ fehlt den Borussen bisher. Denn in den ersten 14 Partien erzielten Demandts Schützlinge gerade einmal elf Tore, was gemeinsam mit dem SV Bergisch Gladbach die schwächste Offensive der Liga bedeutet. Giuseppe Pisano, der bisher nicht die gewünschte Torgefahr ausgestrahlt hat, zeigte sich zuletzt jedoch erheblich engagierter als zu Beginn der Saison. Ändert sich an der Ausbeute in der Offensive nichts, so wird es ganz schwer, sich in sichere Gefilde der Liga zu schieben. Gegenwind von den Essener Fans ist auf jeden Fall zu erwarten. Rund 1.000 Gästefans werden von Borussia erwartet.

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