Donnerstag, 18. Oktober 2012 - 07:00 Uhr

Das Aufatmen in der Reihen der U23 war nach dem Nachholspiel gegen den VfL Bochum am Dienstag natürlich groß. Das 1:0 war der erste Sieg nach einer schwarzen Serie, die die Borussen bis auf einen Abstiegsplatz geführt hatte, also in die Zone, mit der die Mannschaft trotz des massiven Umbruchs eigentlich nichts zu tun haben wollte.
Dabei hatte Maik Odenthal unmittelbar nach einem Foulspiel an Alexander Bieler, das im Strafraum der Bochumer ungeahndet blieb, nach 74 Minuten die Rote Karte gesehen. Trainer Sven Demandt musste im Anschluss nach einem Wutausbruch auf die Tribüne, und Amateur- und Jugenddirektor Roland Virkus hatte sich auch am folgenden Morgen noch nicht vollends beruhigt. »Ich bin ein Gerechtigkeits-Fanatiker, und solche Szenen regen mich eben auf. Wichtig ist aber, dass die Mannschaft bis zum Ende gekämpft hat und wir das 1:0 über die Zeit gebracht haben«, sagte er und stellte die wichtigste Botschaft des Vorabends in den Mittelpunkt. Dennoch haben die Borussen derzeit mit den Unparteiischen kein Glück, was keine Ausrede ist, aber erwähnt werden muss. »Gegen Oberhausen war ich mir vom Rand gleich danach noch nicht ganz sicher, ob es ein Handspiel auf der Linie war. Im Video sah man aber dann ganz klar, dass der Oberhausener den Ball regelrecht aus dem Tor schlägt«, erinnert Demandt. Da stand es 2:2, nach einem Elfmeter hätte Borussia das Spiel gegen zehn Rot-Weiße mit hoher Wahrscheinlichkeit gewonnen statt verloren.
In den Vorwochen hatten nicht selten die eingesetzten Profis besonders im Fokus gestanden. Vor allem Peniel Mlapa, dessen bislang letzter Arbeitstag in der U23 nach 38 Minuten von Demandt beendet wurde, musste besonders einstecken. »Da muss ich gerade Peniel Mlapa auch mal in Schutz nehmen. Niemand spielt absichtlich schlecht. Wir wissen genau, über welche fußballerischen Möglichkeiten er verfügt. Er kommt in eine Mannschaft, die er nicht kennt und in der es zudem schon vorher nicht rund lief«, sagt Virkus zu dieser Diskussion und verweist zurecht darauf, dass Eindrücke, die auf Körpersprache zurückzuführen sind, immer einen hohen Grad an Subjektivität mit sich bringen. »Auch die anderen Profis, über die wir reden, sind ja Jungprofis. Und im Vorjahr ist noch überall gelobt worden, über welche Perspektiven wir da verfügen.«
Gerade auch in diesem Punkt sah gegen Bochum vieles bereits erheblich besser aus. Und die Tatsache, dass diese Erkenntnis für durchweg alle Spieler auf dem Platz gilt, macht klar, wie wenig letztlich Einzelne in einem nicht funktionierenden Gefüge ausrichten können. Matthias Zimmermann, der gestern wieder als rechter Verteidiger spielte, stellte sich uneingeschränkt in den Dienst der Mannschaft und setzte zehn Minuten vor dem Ende zu einem Spurt an, als ein solcher ohne Frage schon richtig weh tat. Julian Korb bringt seine Leistung zwar auch an schwächeren Tagen, kann diese aber natürlich besser zur Geltung bringen, wenn sein Team funktioniert. Und Alexander Bieler hätte vielleicht kurz vor der Roten Karte gegen Odenthal das 2:0 erzielt, wäre er nicht von seinem Gegenspieler regelwidrig daran gehindert worden.
»Der Sieg war schon auch glücklich. Wir können derzeit nur Spiele gewinnen, wenn wir defensiv gut arbeiten. Wir haben heute gut verteidigt, und das wollten wir auch«, erklärte der Coach nach dem bitter nötigen Erfolg. Dieser lässt sich wie erwähnt ebenso gut an den Leistungssteigerungen der übrigen Spieler fest machen. Marcel Platzek, der zuletzt verletzt gefehlt hatte, nutzte gleich seine erste Chance zum Tor des Tages, und vor allem sein Sturmpartner Giuseppe Pisano zeigte sich deutlich verbessert. Hätte er noch eine seiner drei guten Möglichkeiten zum zweiten Treffer genutzt, es hätte an seiner Leistung gar nichts auszusetzen gegeben. Und da auch Oliver Stang endlich wieder der Abwehrchef war, der er normalerweise immer ist, verdiente sich die Mannschaft den Sieg, wenn auch noch nicht mit dem Glanz, den es in der Vorsaison oft zu bestaunen gab.
Doch in diesem Punkt ist auch sicherlich angeraten, die sprichwörtliche Kirche im Dorf zu lassen. Denn mit Dennis Dowidat, Tim Heubach und Marcel Podszus, der vor allem auch neben dem Platz eine Leitfigur war, hat die Mannschaft viel verloren. Und dass das zumindest Zeit erforderlich macht, sieht man gerade drei Etagen weiter oben auch bei den eigenen Profis.