Dienstag, 02. Oktober 2012 - 06:45 Uhr

Nach nur einem einzigen Zähler aus den letzten sechs Spielen findet sich das Team von Trainer Sven Demandt nun vorerst da, wo es nun wirklich nicht hin wollte: auf einem Abstiegsplatz! Und bedenkt man dann, dass es in der laufenden Spielzeit sechs von 20 Mannschaften erwischen wird, ist das gegenwärtige Szenario durchaus bedrohlich.
In der Tat hat die aktuelle Lage vor allem mit Personen zu tun, die nicht mehr im Verein sind. Eine Parallele zu dem Profis drängt sich da geradezu auf. Wie wichtig Tim Heubach für den Defensivverbund der Mannschaft war, mag jetzt auch die Tatsache belegen, dass er sich beim ordentlich in die Saison gestarteten Zweitligisten FSV Frankfurt gleich in die Stammformation gespielt hat. Auch im Sturm hatte Borussia Spieler, die für Tore standen. In der Hinrunde traf Elias Kachunga elf Mal, in der zweiten Saisonhälfte kam der dann ausgeliehene Fabian Bäcker immerhin noch zu sieben Treffern. Jetzt steht Borussia nach zehn Spielen bei insgesamt gerade mal acht Treffern. Das ist ein erschreckend schwacher Wert, den nur Aufsteiger VfB Hüls noch unterbietet.
Doch wo liegen die Gründe beim aktuellen Personal? »Wir haben Probleme, die nötige Gefährlichkeit zu entwickeln und uns Chancen zu erspielen«, sagte Trainer Sven Demandt noch vor ein paar Wochen. Dann kam das Spiel in Duisburg, wo beim 0:0 einige gute Möglichkeiten ausgelassen wurden. Der gesamte Offensivverbund funktioniert noch nicht wie gewünscht. Der als Führungsspieler verpflichtete Giuseppe Pisano hat seine Form bisher nicht gefunden und seine Gefährlichkeit bestenfalls andeuten können. Der hoch gelobte Ridvan Balci ist ebenfalls noch nicht im Tritt, saß zwischenzeitlich nur auf der Tribüne und sonst meist auf der Bank. Von den aus der U19 kommenden Spielern hat sich noch keiner fest in die Mannschaft gespielt. Moritz Göttel kam im Angriff immer mal wieder zum Einsatz, machte zuletzt gegen Oberhausen sicher sein bisher bestes Spiel. Und waren dann mal Profis im Einsatz, war das auch nicht immer das „Gelbe vom Ei“. Lukas Rupp konnte zuletzt überzeugen, Amin Younes fällt auf, ist aber nicht immer effektiv. Und was Peniel Mlapa bei zwei Heimspielen zeigte, reicht so nicht einmal für die Regionalliga. »Ein gewisses Engagement muss man voraussetzen können. Und das war für mich so einfach nicht zu erkennen«, sagte Demandt etwa, als er Mlapa gegen Viktoria Köln nach 38 Minuten aus dem Spiel nahm.
Bei allem, was sich in den kommenden Wochen ändern muss, damit die U23 nicht dauerhaft in den Abstiegskampf gerät, gibt es aber durchaus auch positive Dinge zu bemerken. So hat Christopher Lenz, der gerade erst volljährig geworden ist und den Borussias eigentlich für die U19 von Hertha BSC verpflichtet hatte, bereits den Sprung in die U23 geschafft. Der Internatsschüler trat dabei von der ersten Minute an als linker Verteidiger so auf, als habe er schon immer gegen Senioren gespielt. Er agiert mit Ruhe und Übersicht, traut sich auch Vorstöße nach vorne zu. Ins Team rückte er, als Maik Odenthal wegen eines verpassten Termins für ein Spiel aus dem Kader gestrichen wurde. Als Odenthal zurück kam, rückte dieser auf die Position vor der Abwehr. Lenz bleib linker Verteidiger, und es gibt aktuell auch keinen Grund, daran etwas zu ändern. Der Junioren-Nationalspieler kann auch als Innenverteidiger spielen und wird seinen Weg machen, wenn er weiter so auftritt.
»Langsam müssen wir anfangen, wieder Spiele zu gewinnen«, hatte Sven Demandt nach dem kuriosen 2:5 gegen Oberhausen gesagt. Da hatte sein Team nach der Pause gar nicht schlecht gespielt, aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und war dann etwas kopflos weiter nach vorne marschiert, was zu Fehlern und drei weiteren Gegentoren führte. Die neuen Impulse setzten dabei Moritz Göttel und Ridvan Balci, die Demandt nach dem Seitenwechsel brachte. Es könnte also sein, dass diese beiden aus der jungen Fraktion gegen den VfL Bochum am Samstag auch wieder eine Chance von Beginn an bekommen. Dann hofft nicht nur Sven Demandt, dass seine Mannschaft Selbstvertrauen sammeln kann, anstatt sich wieder in eine Lage zu bringen, für deren Lösung bereits Selbstvertrauen benötigt wird. »In Duisburg hatten wir beim 0:0 in den letzten 20 Minuten Angst, doch noch zu verlieren. Das ist in einer solchen Lage aber ganz normal«, stellt Demandt fest. Und dass auch die Abwehr, in der Oliver Stang ebenfalls noch nach einer Form sucht, gegen Oberhausen auch oft überfordert wirkte, macht die Sache gegen die Bochumer sicher nicht leichter.