Freitag, 20. Juli 2012 - 22:30 Uhr

In der Saisonvorbereitung von Borussias U23 läuft derzeit fast alles so erschreckend rund, dass man es für erfunden halte müsste, hätte man einige Auftritte nicht mit eigenen Augen gesehen. Innerhalb von fünf Tagen bekam zunächst der FSV Mainz 05 II, in der abgelaufenen Saison noch Liga-Gegner und jetzt in der Regionalliga Südwest, ein 6:1 verpasst. Es folgte ein 7:0-Sieg beim Oberligisten TuRU Düsseldorf, bevor die Mannschaft von Trainer Sven Demandt ins Trainingslager nach Goch aufbrach. Dort wurde dann im ersten Testspiel auch der türkische Erstliga-Aufsteiger Elazigspor 2:1 besiegt.
Bei der Partie, die auf dem Vereinsgelände von Vitesse Arnheim über die Bühne ging, wurde erneut offensichtlich, über welche Möglichkeiten Demandt in der neuen Spielzeit verfügen könnte, wenn er alle Mann an Bord hat und zudem die Youngster aus dem Profikader noch hinzustoßen. Oliver Stang hat als Abwehrchef alle Möglichkeiten, Abgang Tim Heubach nahtlos zu ersetzen. Stang hat bei seinen Stationen in Osnabrück und Trier in den vergangenen drei Jahren viel dazu gelernt, gibt auf dem Platz viel mehr Kommandos und fiel auch mit einigen guten Diagonalpässen aus der Zone vor dem eigenen Strafraum auf.
Generell ist aber die Zahl der Spieler, die auf dem Platz zu hören sind, spürbar angestiegen. Das betrifft auch die Nachrücker aus der eigenen Jugend, wie etwa Angreifer Moritz Göttel. »Wir waren zuletzt eher etwas stiller, das ist sicher richtig. Aber es ist natürlich nicht nur entscheidend, dass etwas gesagt wird, sondern auch was«, betont Demandt allerdings. Beim einen oder anderen der »Teenager« wird es ihn noch Arbeit kosten, unnötige Diskussionen mit den Unparteiischen abzustellen. Im Angriff soll Giuseppe Pisano die Rolle des Routiniers übernehmen, wie Stang ein alter Bekannter in Borussias Zweitvertretung. Pisano ist eher ein stiller Leader, hat aber in den Testspielen bereits gezeigt, dass er wieder für eine ordentliche Torquote gut sein könnte.
Insgesamt hob Demandt die Qualität der Spieler aus der eigenen A-Jugend hervor, die sich für ihn bereits deutlich gezeigt habe. Ridvan Balci, der aus der Schalker A-Jugend kommt, reiht sich da nahtlos ein. »Zwar merkt man ihm an, dass er nach der Meisterschaft mit Schalke bei uns zwei Wochen später eingestiegen ist, aber dennoch sieht alles bei ihm sehr homogen aus«, findet der Coach. Und dann ist da noch ein Neuling, der eigentlich gar keiner ist. »Jesse Weißenfels war im letzten Jahr immer wieder verletzt, ist jetzt endlich fit. Oft sieht es bei ihm aus, als sei er langsam, aber in Wahrheit ist er höllisch schnell«, bemerkt Demandt treffend. Das zeigte er auch gegen den türkischen Erstligisten, wo er an vielen Offensivaktionen beteiligt war.
Odenthal noch vielseitiger einsetzbar
Die wohl größten Entwicklungsmöglichkeiten könnten aber in Maik Odenthal stecken. Als offensiver Mittelfeldspieler kam er vor einem Jahr vom Bonner SC aus der A-Jugend, wurde dann in Windeseile von Sven Demandt zum linken Verteidiger umfunktioniert und spielte dort auf, als habe er nie etwas anderes getan. Gegen Elazigspor agierte er nun als »Sechser« zentral vor der Abwehr. »Auch das hat er tadellos gespielt«, lobte Sven Demandt. Und die Krönung dabei war, dass er auch noch mustergültig zur 1:0-Führung traf. Odenthal ist also so vielseitig, dass es spannend werden dürfte, auf welcher Position Demandt ihn künftig spielen lässt. Sicher scheint nur zu sein, dass er im Regelfall spielen wird.
Zum Abschluss des Trainingslagers, bei dem der Coach seine Schützlinge an einem Team-Building-Nachmittag zum Bogenschießen, Bowling und Luftgewehrschießen antreten ließ, gab es dann doch noch die erste Niederlage der Vorbereitung. Gegen den niederländischen Zweitligisten SC Cambuur Leeuwarden verlor Demandts Team 1:3, geriet dabei durch einen unglücklichen Handelfmeter schon nach drei Minuten in Rückstand. Nach dem 0:3 dokumentierte Jesse Weißenfels seine gute Frühform aber immerhin noch durch einen sehenswerten Treffer. Die Niederlage änderte aber nichts daran, dass Demandt mit dem Trainingslager und der Vorbereitung insgesamt mehr als zufrieden war. Und sie kam vielleicht zu rechten Zeitpunkt, um nicht alles zu selbstverständlich erscheinen zu lassen.
Zwei Testspiele stehen nun noch an, bevor die U23 in den Pflichtspielbetrieb startet. Am Mittwoch, 25. Juli, kommt die U21 des PSV Eindhoven in den Borussia-Park. Drei Tage später ist die Zweitvertretung des 1. FC Köln dann der letzte Testgegner, gespielt wird dann in Ratheim. Am Samstag, 4. August, geht es dann bei Fortuna Düsseldorf II in der Liga los. Und dann wird sich zeigen, ob der vorsichtig von den Borussen avisierte Mittelfeldplatz realistisch war oder doch nur ein wenig Understatement.