Montag, 21. Mai 2012 - 23:55 Uhr

Mit offenen Worten zog Borussias Amateur- und Jugenddirektor Roland Virkus ein Resümee einer starken Saison von Borussias U23, die den Anhängern im Grenzlandstadion oft Freude bereitet hat. »Natürlich waren bei uns einige auch ein wenig enttäuscht, das gilt auch für mich. Aber man darf dabei nicht vergessen, dass wir dennoch eine tolle Saison gespielt haben. Unser Ziel war es ja, Platz fünf der Vorsaison zu bestätigen«, erklärte er vor dem letzten Saisonspiel gegen Mainz II. In diesem gewann Borussia noch einmal 3:0 und schloss die Saison somit als bestes Heimteam vor den Sportfreunden Lotte ab, die mit einem Punkt Rückstand auf Borussia Dortmunds Zweitvertretung weit knapper am Aufstieg scheiterten als der Gladbacher Nachwuchs. Platz drei in der Abschlusstabelle der Regionalliga West stand für den VfL dagegen bereits vor dem Spiel fest.
In der Rückbetrachtung stellt sich gewöhnlich die Frage, welche Spieler im Laufe der Spielzeit die positivste Entwicklung genommen haben. Amin Younes hat es aus der Saison heraus zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz gebracht, was ohne weitere Kommentierungen der denkbar beste Entwicklungsnachweis ist. Auch der Status von Julian Korb, der mit den Profis trainiert und Woche für Woche in der U23 auf verschiedensten Positionen tadellose Leistungen abliefert, hat im Prinzip längst unter Beweis gestellt, dass er das Zeug zu einem mehr als durchschnittlichen Fußball-Profi hat. Allenfalls könnte ihm eben dieses Verschiebespiel, wodurch er sich auf keiner Position konstant empfehlen kann, ein wenig zum Problem werden.
Es gibt jedoch auch andere Gewinner, und zwar die, für die ein Stammplatz im Regionalliga-Team schon ein großer Erfolg war. Dazu gehört ohne Zweifel Maik Odenthal, der vor einem Jahr aus der A-Jugend des Bonner SC zur Mannschaft von Sven Demandt stieß. »Er hat sich in der Rückrunde endgültig den Platz auf der linken Abwehrseite erkämpft. Und das auf einer Position, die er vorher gar nicht gespielt hat. Natürlich muss er im defensiven Bereich noch etwas dazu lernen, aber für die kurze Zeit macht er es wirklich schon richtig gut«, lobte Demandt, der auch bei der Nennung von Alexander Bieler im Reigen der Saison-Gewinner nicht widersprechen wollte. Allerdings wird Demandt beim Mittelfeld-Akteur nicht müde zu betonen, dass Bieler aus seinen Möglichkeiten im Abschluss noch mehr machen muss. Auch Sascha Tobor könnte künftig eine noch bessere Rolle spielen, musste er doch oft nur draußen bleiben, weil Profi-Leihgaben ihm den Platz blockierten.
Angreifer Marcel Platzek hat in seinem dritten Jahr bei der U23 wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Sollte seine Entwicklung so weiter gehen, so könnte er mit Guiseppe Pisano, einem der vier externen Zugänge des VfL für die neue Regionalliga-Saison, in einen Konkurrenzkampf treten, selbst wenn ein Stürmer aus dem Profi-Bereich eingesetzt werden sollte. Dennoch ist Pisano natürlich eine der »Korsettstangen« der neuen U23, so wie auch der zweite Rückkehrer Oliver Stang, der Tim Heubach als Abwehrchef ersetzen soll. Als dritter Neuling kommt mit Ridvan Balci ein linker Offensivspieler aus der U19 von Schalke 04, den die Königsblauen wohl gerne für ihre U23 behalten hätten. Kevin Birk, ein 20-jähriger Schlussmann von der TuS Koblenz, komplettiert das Quartett der Neulinge, die mit den bereits vermeldeten Kickern aus der eigenen U19 um die Stammplätze kämpfen werden. Denn neben dem Verlust von Heubach gilt es auch, Kapitän Dennis Dowidat zu ersetzen.
Abgeschlossen wurden die Personalplanungen vorerst aber mit einer Vertragsverlängerung aus den eigenen Reihen. Muhittin Bastürk, bei dem es zunächst wohl nicht unbedingt nach einer Verlängerung des Vertrages aussah, wurde noch einmal für ein Jahr an den Verein gebunden. »Damit sollten wir eigentlich durch sein. Jetzt würden wir Spieler nur noch eins zu eins ersetzten, wenn uns jemand verlassen würde«, erklärte Virkus.
Ziel für die neue Saison kann nach dem Umbruch nach Ansicht der Verantwortlichen nur ein Platz im gesicherten Mittelfeld sein. Die neue Regionalliga West dürfte zudem mit Mannschaften gespickt sein, die sich vor einem Jahr finanziell aufgrund der fehlenden Abstiegsgefahr zurückgehalten haben und jetzt mehr Risiko eingehen. Gut vier Wochen dürfen sich die Spieler jetzt ausruhen, bevor am 20. Juni die Vorbereitung auf die neue Spielzeit startet. Balci dürfte dann allerdings noch fehlen. Denn bis weit in den Juni hinein spielt er noch um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft – und kommt vielleicht mit einem Titel zum VfL.