Dienstag, 01. Mai 2012 - 22:43 Uhr

In einem Punkt war Borussias sonst so souveräner Präsident Rolf Königs bei der Jahreshauptversammlung des VfL nicht ganz auf dem neuesten Stand. Er wähnte Borussias U23 noch im Aufstiegskampf der Regionalliga West. Nur in diesem Punkt musste ihn Sportdirektor Max Eberl wenig später berichtigen und stellte klar, dass der Aufstieg inzwischen verpasst sei. Zwar wäre er rechnerisch noch denkbar, aber die Realität sieht seit dem 0:1 bei Borussia Dortmund am Samstag wohl so aus, dass die Sportfreunde Lotte und die Zweitvertretung des BVB den künftigen Drittligisten unter sich ausmachen werden, wobei der BVB aktuell alles in der eigenen Hand hat.
In einem Punkt waren sich die Verantwortlichen im Borussia-Park dann aber doch einig. Das Regionalliga-Team des VfL hat eine beachtliche Saison gespielt, und dementsprechend ging der Dank des Vereins an Sven Demandt und seinen Assistenten Adrian Spyrka. Betrachtet man die Entwicklung in den vergangenen vier Wochen, so ist es fast ein wenig tragisch, dass ausgerechnet nach dem Spiel in Dortmund keine realistische Chance auf den Aufstieg mehr besteht. Denn in diesem Spitzenspiel rief die Mannschaft wie eine Woche zuvor gegen Schalke II eine starke Leistung ab, die in den Wochen zuvor immer wieder schmerzlich vermisst wurde. In Spielen wie in Idar-Oberstein, in Trier oder gegen Wiedenbrück, als Borussia zuvor insgesamt aus drei Spielen nur einen Punkt mitnahm, wäre mit einer solchen Leistung mehr drin gewesen. »Druck vom Verein gab es eigentlich nie, aber natürlich machen die Jungs sich selbst Druck«, erklärte auch Trainer Sven Demandt, der in dieser Phase schon so seine Zweifel hatte, ob alle Spieler auch die Qualität mitbringen, in den wichtigen Spielen ihre Möglichkeiten abzurufen. Deutlich zeigte sich jedoch insgesamt, dass Ausfälle wie der des Langzeit-Verletzten Tim Heubach (Schlüsselbeinbruch) oder auch von Julian Korb und Amin Younes, die zeitweise im Profikader standen, für die U23 in der zentralen Phase nicht zu ersetzen waren.
Fest steht, dass es einen massiven Umbruch geben wird. »Und der wird sicherlich bei einem Verbleib in der Regionalliga noch deutlicher ausfallen, als das bei einem Aufstieg der Fall wäre«, hatte Amateurdirektor Roland Virkus schon vor dem Dortmund-Spiel verraten. Noch ist nicht alles endgültig entschieden, aber ein Verbleib von Stützen wie eben Tim Heubach oder auch Dennis Dowidat wäre wohl nur bei einem Aufstieg wirklich denkbar gewesen. Auch für Marcel Podszus, der sich auch beruflich orientieren will, wird es in der U23 nicht weiter gehen. Damit ginge der Mannschaft nicht nur eine Achse, sondern auch Führungspotenzial verloren. Demnach hat Virkus schon durchblicken lassen, dass es anders als ein Jahr zuvor wohl auch drei oder vier externe Zugänge geben wird, die die neuen, aus der A-Jugend kommenden, eigenen Kräfte »an die Hand« nehmen sollen. Konkret werden demnächst Mario Hesse, Christoph Zimmermann, Moritz Göttel, Marcel Ewertz und Marius Müller der U23 angehören, zudem haben Leonel Kadiata und Patrick Dertwinkel Angebote erhalten.
Bei so vielen neuen Spielern ist klar, dass eine ähnlich große Zahl von Akteuren ihren Platz wird räumen müssen, weil sich die Kadergröße als vernünftig erwiesen hat. Neben den erwähnten Spielern wird es also auch für Eric Schaaf, Jochen Schumacher, Christopher Mandiangu, Avdo Iljazovic und Joachim Ball keine Zukunft geben. Zudem saß Muhittin Bastürk gegen Schalke nicht einmal auf der Bank. Auch wenn er in Dortmund wieder spielte, so scheint sich auch hier eher eine Trennung anzubahnen. Nach einem solchen Umbruch hat Roland Virkus zuletzt im Interview bereits angedeutet, dass es nicht seriös sei, im kommenden Jahr den Aufstieg als Ziel auszugeben. Denn dieser wird künftig dadurch noch zusätzlich erschwert, dass die Meister der dann fünf Regionalligen die drei Aufsteiger in einer Aufstiegsrunde ermitteln.
In den drei noch ausstehenden Spielen geht es also für die Jungs von Sven Demandt darum, eine wirklich starke Spielzeit ordentlich zu beenden und in zwei noch zu spielenden Heimauftritten dem Gladbacher Publikum noch etwas zu bieten. Am Samstag (14 Uhr) ist zum Derby zunächst Fortuna Düsseldorfs Zweitvertretung zu Gast. Ein wichtiges Ziel sollte zudem noch sein, sich nicht von Eintracht Trier den dritten Platz noch abjagen zu lassen. Denn dieser macht die Steigerung nach Platz fünf im Vorjahr mehr als gut sichtbar. Zwar haben die Vereine aufgrund der 19 Teilnehmer in diesem Jahr auch zwei Spiele mehr zu absolvieren, doch die Punktzahl der Vorsaison ist bereits drei Spiele vor dem Saisonende um vier Zähler übertroffen.