Sonntag, 01. April 2012 - 23:45 Uhr

Vor dem Spiel des Jahres war die Ausgangslage für Borussias U23 in Sachen Aufstiegskampf mehr als günstig. Das Team von Sven Demandt hatte zuletzt auch die nicht vollends überzeugenden Spiele gewonnen, während sich die Sportfreunde Lotte den einen oder anderen Patzer erlaubten, zuletzt ein 1:1 im Nachholspiel gegen das Schlusslicht Idar-Oberstein. So lag Borussia vor dem direkten Spitzenspiel zwei Zähler vor den Tecklenburgern.
Nach dem Spiel jubelten jedoch nur die Gäste, die im Grenzlandstadion 2:0 gewannen und jetzt einen Zähler vor dem VfL liegen. Allerdings hat Lotte nur noch ein Restprogramm von sieben Partien, während Gladbach noch achtmal punkten kann. Es ist also klar, dass es weiter sehr spannend bleiben wird, zumal auch Dortmund II von hinten immer näher kommt.
Kurz nach der Pause leitete Lotte den Sieg ein
Gleich in der ersten Spielminute war Fabian Bäcker erstmals auf dem Weg zum Lotter Torhüter David Buchholz, scheiterte mit dem frühen Versuch jedoch. Nach dem stürmischen Auftakt waren es jedoch zunächst die Gäste, die bis zur 15. Minute das Spiel diktierten und Borussia gestattete es der Mannschaft von Trainer Maik Walpurgis, sich bis zur 10. Minute gleich sechs Standardsituationen (drei davon Eckstöße) in Strafraumnähe zu erspielen, bei denen Janis Blaswich jedoch schon deshalb keine Mühe hatte, weil der Ball erst gar nicht in Richtung Tor gebracht wurde. Hinten standen die Borussen in dieser Phase auch mit Bernhard Janeczek für den am Schlüsselbein operierten Tim Heubach sicher, allerdings gelang es ihnen in dieser Phase kaum, die eigene Hälfte in Ballbesitz zu verlassen.
Bei einer Flanke von Alexander Bieler in der 15. Minute war dann zu beobachten, dass die Abwehr der Lotter und auch der Schlussmann David Buchholz durchaus unter Druck zu setzen sind, allerdings passierte das zu viel zu selten. Die beiden besten Möglichkeiten vor der Pause hatte die U23 gleich in direkter Aufeinanderfolge, als Buchholz zunächst bei einem Bieler-Freistoß und beim Nachschuss von Julian Korb sein ganzes Können aufbieten musste (25.), und bei der nachfolgenden Ecke auch noch einen Schuss aus ganz spitzem Winkel von Dennis Dowidat parierte. Zehn Minuten später verlor dann Fabian Bäcker ein Laufduell knapp gegen den Lotter Schlussmann, damit ist die Geschichte der Borussen-Chancen vor dem Wechsel auch schon erzählt. Janis Blaswich musste kurz vor dem Pausenpfiff einen der wenigen Lotter Torschüsse parieren, das Spiel ging ohne Tore in die Pause. Allerdings hatten die Lotter im Mittelfeld bereits drei Gelbe Karten kassiert, um mögliche Konter des VfL im Keim zu ersticken.
Zur Pause stellte Sven Demandt sein Team um, zog Julian Korb aus dem Mittelfeld in die Abwehrkette, brachte Sascha Tobor und nahm Matthias Zimmermann aus dem Spiel. Ein Wechsel, der sich zunächst nicht bezahlt machen sollte, kamen die Gäste doch über die rechte Gladbacher Abwehrseite zu ihrer ersten Chance, die gleich zum 0:1 führte. Simon Engelmann setzte sich über den Flügel durch und schoss an Blaswich vorbei zum ersten Tor des Tages ein.
Nun erhöhte Borussia merklich den Druck. Alexander Bieler setzte sich bis in den Strafraum gegen drei Gegenspieler durch, scheiterte erst kurz vor dem Abschluss (57.). Die zahlreichen Ecken und Freistöße erarbeitete sich jetzt Borussia, leider allerdings mit vergleichbarer Effektivität wie die Gäste vor dem Wechsel. Zwar hatte Fabian Bäcker nach 70 Minuten noch eine Einschussmöglichkeit, doch wenig später war das Spitzenspiel zugunsten der Gäste entschieden. Eine Flanke des ersten Torschützen Engelmann segelte zwar noch am kurz zuvor eingewechselten Aleksandar Kotuljac vorbei, nicht aber an Julian Loose, der mit einem satten Volleyschuss aus zehn Metern das 2:0 erzielte. In einem Spiel, das eigentlich nie die hohen Erwartungen erfüllen könnte, die es im Vorfeld gab, brachte die U23 nach dem Zwei-Tore-Rückstand verständlicherweise nicht mehr den Mumm auf, noch einmal zumindest auf das Anschlusstor zu spielen.
Für Demandt ist »noch nichts passiert«
»Unsere Absicht war es schon, dass wir auf die zweiten Bälle gehen wollten. Aber nebenbei wollten wir schon auch Fußball spielen, und das ist uns heute viel zu selten gelungen«, erklärte Sven Demandt nach der Niederlage, die nun mit aller Ruhe verarbeitet werden muss. Immerhin ließ sich der Trainer auch erstmals eine Aussage zum Thema Aufstieg entlocken, als er anfügte, dass man die Nerven behalten müsse, da ja immer noch eigentlich nichts passiert sei. Denn bedenkt man die Tatsache, dass Lotte am drittletzten Spieltag aussetzen muss, hat Borussias Zweitvertretung den Aufstieg in die Dritte Liga nach wie vor selbst in der Hand.
Der bisher insgesamt erfolgreiche Saisonverlauf hat natürlich auch das eine oder andere Opfer zur Folge. So musste etwa Angreifer Marcel Platzek wie auch gegen Lotte oft auch nach guten Spielen wieder zurück auf die Bank, weil ein Angreifer aus dem Profikader Spielpraxis sammeln sollte. Diesmal bekam Marcel Podszus den Vorzug, dem allerdings wenig gelang. Eine ähnliche Situation hatte auch Sascha Tobor, der gegen Lotte zur Pause kam, oft zu verkraften. „Sascha ist ein Spieler, der leistungsmäßig oft verdient gehabt hätte, in der Startelf zu stehen, den ich dann aber enttäuschen musste“, sagte Demandt jüngst. Die Situation wurde natürlich zudem dadurch verschärft, dass sich kaum Spieler langfristig verletzt haben. Da heißt es aus Borussen-Sicht also, vor Beginn der Saison-Schlussphase noch einmal kräftig auf Holz zu klopfen. »Muskelverletzungen hatten wir eigentlich gar nicht, was in der Tat natürlich nicht nur mit Glück zu tun hat«, sagt Demandt. Folglich gibt es auch keinen Grund, warum sich das jetzt bis zum Mai ändern sollte.