Donnerstag, 08. März 2012 - 20:22 Uhr

Kurz nach dem Spiel wusste Borussias U23-Coach Sven Demandt nicht einmal ganz genau, wie viele Spiele bis zum Saisonende noch ausstehen. »Daran können Sie sehen, dass mich die Tabelle wirklich nicht so sehr interessiert«, sagte er dazu weiter. Möglich geworden war die Übernahme der 'Pole Position', weil die Sportfreunde Lotte beim 0:2 bei Borussia Dortmund II zeitgleich ihre erst zweite Saisonniederlage kassierten.
In der Tat sind es noch 13 Spiele, die Borussias U23 vor sich hat, um vielleicht das große Ziel zu erreichen, das zumindest bei den Spielern natürlich ein wenig offener ausgesprochen wird. Es ist gut, dass der Verein die Spieler offen träumen lässt, doch es ist ebenso geschickt, es dabei auch zu belassen. Insgesamt hat der Beobachter dennoch den Eindruck, dass bei Borussia in dieser Saison auf allen Ebenen Dinge einfach besser laufen, als man das lange gewohnt war.
So lieferte Fabian Bäcker nach seiner Rückkehr gegen den VfL Bochum eine bärenstarke Leistung ab, schoss gleich zwei Tore, verletzte sich aber zehn Minuten vor dem Spielende. Als Ersatz für ihn stürmte in Essen dann der gegen Bochum nach seiner Einwechslung noch ein wenig glücklose Marcel Podszus – und erzielte in Essen gleich alle vier Tore. Bäcker zog sich einen Bänderanriss am Fuß zu, der ihn wohl für ein paar Spiele außer Gefecht setzt. »Es freut mich total für Marcel Podszus, dass er diese vier Tore geschossen hat. Aber sein Wert für die Mannschaft ist unabhängig von Toren oder Einsatzzeiten sehr groß. Sieht man, wie Fabian Bäcker gegen Bochum gespielt hat, ist das für uns aber dennoch ein Verlust«, sagte Demandt am Morgen nach dem Spiel in Essen.
Bäcker wird wohl für mindestens zwei weitere Spiele nicht zur Verfügung stehen. Schade ist das auch deshalb, weil Lucien Favre in der Bundesliga ein wenig die offensiven Alternativen fehlen und Bäcker – hätte er noch zwei oder drei weitere Spiele dieser Güteklasse absolviert – auch oben ein Thema hätte werden können. »Wenn er diese Leistung stabil abrufen kann, wüsste ich nicht, warum er keine Chance bekommen sollte«, hatte Demandt jüngst zu diesem Thema gesagt. Neben der Tatsache, dass eine Serie mit sieben Siegen in Folge eine Mannschaft wie Borussias U23 an die Spitze der Liga gespült hat, sind natürlich auch andere Spieler wieder verstärkt in den Fokus gerückt, haben sich für höhere Aufgaben empfohlen.
Viel Potenzial hat natürlich der bereits mit einem Profivertrag ausgestattete Amin Younes, der in einigen Medien schon als mögliche Sofort-Lösung für den Herrmann-Ersatz in der Bundesliga gehandelt wird. Nach einer kurzen Verletzungspause spielte er gegen Bochum II wieder von Beginn an und ging nur nach 55 Minuten vom Feld, weil er nach Absprache mit den Profis nicht länger hatte spielen sollen. »Er hat es sehr gut gemacht«, lobte auch Demandt.
Mit der kleinen Einschränkung, in manchen Szenen noch ein wenig die Entschlossenheit vermissen zu lassen, galt das Lob auch für dessen offensiven Mittelfeld-Partner Alexander Bieler. »Wenn er mit dem Ball am Fuß loszieht, dann ist das schon ganz stark. Man darf dabei vor allem nicht vergessen, wo Alex herkommt. In dem starken 92er-Jahrgang war er in der Jugend Reservist, und inzwischen hat er schon einige der hoch gelobten Talente hinter sich gelassen«, erläuterte Demandt, dem man prinzipiell schon die Freude am Spiel Bielers anmerkt.
So ist der 19-jährige Bieler einer der Spieler, die eine starke Entwicklung unter Demandt gemacht haben. Wer die Spieler sind, die letztlich zu festen Größen im Bundesliga-Kader werden, lässt sich wie immer schwer sagen. Doch auch in der aktuellen Hochphase fiel wieder auf, wie stark Julian Korb ist, über welche Möglichkeiten er verfügt. Gegen Bochum II spielte er als linker Verteidiger, was bereits mindestens die vierte taktische Aufgabe innerhalb der U23 war. Damit ist er eigentlich der Prototyp des 'polyvalenten' Spielers, den sich Lucien Favre wünscht. Fragt man bei dem Schweizer nach, so bekommt man meist zu hören, dass Korb »noch« nicht so weit sei. Seine Fehlerquote ist auf allen Positionen, auf denen er gespielt hat, jedoch schon jetzt so niedrig, dass er irgendwann ein Thema werden muss.
Im März stehen nun noch einige Aufgaben an, die den Weg der U23 in dieser Saison weisen werden. Beginnend mit dem Spiel beim Wuppertaler SV Borussia am Samstag stehen noch fünf weitere Aufgaben bis zum 31. März an, darunter drei Heimspiele gegen Kaiserslautern II, Verl - und zum Abschluss gegen die Sportfreunde Lotte. Möglicherweise gibt dieses Spiel schon weitgehendere Erkenntnisse darüber, was in die dieser Saison wirklich möglich ist, ob Borussia diesen einen Aufstiegsplatz in die Dritte Liga wirklich auch am Ende belegen kann.