Donnerstag, 26. Januar 2012 - 19:25 Uhr

Mit 35 Punkten aus den ersten 18 Spielen ging Borussias U23 als Dritter in die Winterpause. Vier Punkte Rückstand auf die Spitze, das erinnert doch sehr an das Szenario vor genau einem Jahr, als die Mannschaft im ersten Trainerjahr von Sven Demandt im Winter ebenfalls Chancen auf den Aufstieg hatte. Doch man wird das Gefühl nicht los, dass die Wahrnehmung der Lage im Verein eine vollkommen andere geworden ist.
»Bei den Profis musste man vor einem Jahr mit dem Schlimmsten rechnen. Da ist es doch klar, dass sich niemand mit dem Gedanken groß befassen wollte, was vielleicht passiert, wenn wir sportlich wirklich aufsteigen sollten«, erklärt Demandt, der selbst vor einem Jahr das Wort Aufstieg noch nicht wirklich in den Mund nehmen wollte. Als Zielvorgabe wird man die Dritte Liga auch aktuell von keinem Verantwortlichen hören, doch Demandt stellt auch klar. »Wehren würden wir uns gegen einen Aufstieg nicht, und Angst hat die Mannschaft davor sicherlich auch nicht.«
Das hat sicherlich auch mit Erfahrungen aus dem Trainingslager im türkischen Belek zu tun, als der VfR Aalen, aktuell auf Platz drei in eben dieser dritten deutschen Profiliga, 3:0 besiegt wurde. »In diesem Spiel haben wir sogar unsere vier A-Jugendlichen eingesetzt, die mit im Trainingslager waren. Wenn man dann ein solches Ergebnis erzielt, dann ist das schon stark«, lobte der Coach diese 90 Testminuten.
Die vier U19-Spieler Christoph Zimmermann (Abwehr), Patrick Dertwinkel, Marius Müller (beide Mittelfeld) und Moritz Göttel (Sturm) sollten während des Trainingslagers schon einmal Senioren-Luft schnuppern, trainieren und spielen aber zunächst weiter bei der U19. Sollten sie während der Rückrunde in der U23 benötigt werden, fiele die Integration sicherlich leichter.
Gegen Jahn Regensburg, den Spitzenreiter der Dritten Liga, gab es derweil nach einem 0:0 zur Pause noch ein 0:4. »Natürlich kann man gegen Regensburg verlieren. Das war in dieser Form und Höhe aber dennoch ärgerlich«, verriet Demandt, dass ihm in der Vorbereitung auch nicht alles gefallen hat.
Das gilt auch für das 0:4 in Speldorf. Allerdings liefen da kaum Stammspieler auf. Wie schon im Trainingslager wurde jedoch auch dieser Eindruck durch ein starkes 3:1 bei der Zweitvertretung des PSV Eindhoven einen Tag später wieder revidiert. »Da haben wir eine ganz starke Leistung gezeigt. Eindhoven hatte eine ganz starke Mannschaft auf dem Platz. Da waren sogar zwei Spieler dabei, die schon in der Champions League zum Einsatz gekommen sind«, erläuterte Sven Demandt seine Begeisterung. Ein zwischenzeitlicher 4:1-Erfolg gegen Emmen sorgte dafür, dass auch die zahlenmäßige Bilanz am Ende der fünf Testspiele positiv war.
Insgesamt gibt es also kaum Anzeichen dafür, dass die Saison nicht so erfolgreich fortgesetzt werden sollte – sofern solche Prognosen überhaupt möglich sind. Personell hat sich nicht viel verändert. Christoph Kasak, der in der Hinrunde nur einmal in der 89. Minute eingewechselt wurde, zog es zum NRW-Ligisten Schwarz-Weiß Essen.
Wirklich von Bedeutung ist hingegen der Tausch im Sturm. Für Elias Kachunga, der nach zwölf Toren in der laufenden Saison für den Rest der Spielzeit an den VfL Osnabrück ausgeliehen wurde, wurde für den gleichen Zeitraum Fabian Bäcker auf Leihbasis von Alemannia Aachen geliehen.
Nach nur einem halben Jahr Abwesenheit entfällt natürlich die Eingewöhnung, die Mannschaft wird jedoch anders für Bäcker arbeiten müssen. »Elias hat auch in der Luft seine Stärken, verlor wenig Bälle bei hohen anspielen. Fabian weiß, dass er da Defizite hat. Doch er hat auch große Stärken, die wir kennen. Denn er ist unglaublich kalt vor dem Tor, hat eine gute Quote«, schildert Demandt.
Selbst sieht sich Bäcker noch nicht bei 100 Prozent. »Da ist sicher noch Luft, schließlich habe ich ein halbes Jahr kaum gespielt. Aber ich bin beiden Vereinen dankbar, dass sie sich so schnell geeinigt haben, dass ich schon im Trainingslager dabei sein konnte. Jetzt werde ich alles versuchen, die Rolle von Elias einzunehmen, der eine ganz starke Hinrunde gespielt hat.«
Nun startet am Samstag also der zweite Teil der Saison, in dem Borussia zumindest so lange wie möglich Kontakt zu den Sportfreunden Lotte und Eintracht Trier halten will. Nach dem Auftakt gegen Elversberg am Samstag geht es dann zunächst am 4. Februar (14 Uhr) bei der TuS Koblenz weiter, bevor dann am 8. Februar (19 Uhr) das kleine rheinische Derby beim 1. FC Köln nachgeholt wird.