Freitag, 19. März 2010 - 16:25 Uhr

TF: Herr Wohlers, das Klassenziel scheint erreicht. Sieben Punkte Abstand auf die Abstiegsränge. Dazu eine aktuell beachtliche Serie von Spielen ohne Niederlage zeugen von Stabilität und sportlicher Stärke.
Horst Wohlers: Zunächst einmal bleibt festzuhalten, dass erst zum Saisonende über Ziele, die man sich in der Saison gesetzt hat, abschließend geurteilt werden kann. Unser primäres Ziel ist es grundsätzlich immer, zunächst den Klassenerhalt zu realisieren. Dass unsere Mannschaft, die ja auch den Durchlass zur Lizenzspielermannschaft gewährleisten soll, in der Regionalliga spielt, ist eigentlich unabdingbar. Darüber hinaus ist es sicher unser Anliegen, am Ende auf einen einstelligen Tabellenplatz abzuschließen. Ohne die Sicherung des Klassenerhaltes aus den Augen zu verlieren bin ich zuversichtlich, dass wir unsere Ziele erreichen werden. Wir sind auf einem guten Weg.
TF: Das war im Saisonverlauf nicht immer so absehbar.
Horst Wohlers: Das ist richtig. Die Mannschaft, die ja in großen Teilen jährlich saisonübergreifend eine starke Fluktuation erfährt, musste erst einmal zueinander finden. Vergleicht man die Mannschaft, die im ersten Saisondrittel auf dem Platz stand mit der aktuellen Besetzung, dann haben diese zwei Mannschaften nur wenig gemeinsam. Jetzt haben wir durch eine fest eingespielte Abwehrkette mit Benjamin Baltes, Tim Heubach, Joel Damahou und Jan Lukas Pirschel die Sicherheit, die wir für unser Spiel brauchen. Das macht sich dann natürlich auch in der Anzahl der Gegentreffer bemerkbar. Dass wir zwischenzeitlich in das untere Tabellendrittel abgerutscht sind, hat uns nicht nervös gemacht. Die Findungsphase bedingt eben auch mal Schwächeperioden.
TF: Neben dem sportlichen Abschneiden der Mannschaft in der Liga, steht die individuelle Förderung der Spieler im Fokus. Welche Spieler haben sich denn, nicht zuletzt auch im Hinblick auf ihre Möglichkeiten im Profibereich, in der laufenden Saison entscheidend weiterentwickelt?
Horst Wohlers: Dennis Dowidat ist ein Klassefußballer. Er hatte das Pech, dass ihn gleich drei Mittelfußbrüche zurückgeworfen haben. Nun ist er wieder da und gleich in einer Art und Weise präsent, die mich beeindruckt. Er ist aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Seine Entwicklung ist sicher noch nicht abgeschlossen. Ein ganz wichtiger Spieler und unverzichtbarer Eckpfeiler der Mannschaft ist auch Joel Damahou, der uns leider zurzeit verletzungsbedingt fehlt. Wenn man bedenkt, dass er aus Paris als Nobody zu uns anreiste, sich als entfernter Verwandter von Steve Gohouri vorstellte und um ein Probetraining bat und wir ihm dieses mehr aus Höflichkeit, denn aus sportlicher Überzeugung gewährten, dann ist das schon eine tolle Entwicklung. Wäre ich Trainer eines Zweitligisten, würde ich diesen wertvollen Spieler mit Kusshand nehmen. Auch seine Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Schade ist natürlich die schwere Verletzung von Innenverteidiger Niklas Dams, der auf einem sehr guten Weg war.
TF: Trauen Sie diesen Spielern den Sprung in die Lizenzspielermannschaft zu?
Horst Wohlers: Natürlich, das ist gar keine Frage. Dabei muss dies nicht immer und unbedingt das Profiteam unseres Vereins sein. Mein Co-Trainer Andreas Brandts und ich sehen uns als Ausbilder junger Nachwuchskräfte mit dem Ziel, sie an den Profibereich heranzuführen. Wenn beispielsweise ein Oliver Stang beim VfL Osnabrück möglicherweise noch zu einem guten Zweitligaspieler reift, sehen wir auch diese Entwicklung als Bestätigung unserer Arbeit.
TF: Im Aufgabenkatalog steht auch die Integration der vom Profiteam zu Ihnen abgestellten Spieler.
Horst Wohlers: Das ist völlig unproblematisch. In der Regel sind es sehr junge Spieler, die bei uns zum Einsatz kommen. Das ist dann alles eine Generation. Die verstehen sich eigentlich durch die Bank alle bestens.
TF: Und sportlich helfen sie mitunter sicher auch weiter...
Horst Wohlers: Keine Frage. Ich bin natürlich nicht unglücklich, wenn zum Beispiel Fabian Bäcker oder Roman Neustädter für uns auflaufen. Gerade bei Roman Neustädter sieht man ja auch, wie wichtig die Spielpraxis für ihn ist. Bei uns holt er sich das Selbstbewusstsein und die Sicherheit, die er für sein Spiel braucht und die ihn letztlich befähigt, oben anzuklopfen. Fabian Bäcker nimmt ebenfalls eine sehr gute Entwicklung, obwohl ich glaube, dass er der U 23 noch eine Weile erhalten bleibt. Für beide gilt, dass sie auf einem sehr guten Weg sind. Schade ist es dann nur, wenn uns beispielsweise ein Patrick Hermann stetig ausfällt, weil er in den Profikader rückt. Doch die erste Mannschaft hat natürlich immer Vorrang, wenngleich auf der anderen Seite dem Jungen Spielpraxis gut tut.
TF: Wagen wir einen kleinen Blick über die Saison hinaus. Wie geht es personell über den Sommer hinaus mit der U23 weiter?
Horst Wohlers: Dazu ist es noch zu früh. Sicher haben wir unsere Vorstellungen, aber eine Zusammenarbeit hängt auch von den Spielerinteressen ab. Von den älteren Spielern werden Marcel Podszus und wohl auch Mirhudin Kacar bei uns bleiben. Benjamim Baltes fühlt sich bei uns pudelwohl und überzeugt sportlich. Natürlich sind wir an ihm auch über das Saisonende hinaus interessiert. Man wird sehen.