Freitag, 11. Juli 2008 - 20:08 Uhr
Nur wenige Zuschauer säumten den Sportplatz des Borussia-Parks, auf dem vor gut zwölf Monaten noch Wesley Sonck, David Degen und Zé António zusammen mit den Amateuren trainierten. Der belgischen Nationalstürmer missbrauchte das Grün nach der Trainingseinheit sogar als Break-Dance-Untergrund und sorgte dabei für viel Beifall auf Seiten seiner neuen Teamkollegen.
Ein Jahr später sind zumindest Wesley Sonck und Zé António Geschichte. Vorbereitungszeit ist angesagt und so staunte der verletzte Mannschaftskapitän Lars Schuchardt nicht schlecht, als vor allem Neuzugang Matthias von der Weth über die gesamte Partie eine eindrucksvolle Leistung an den Tag legte. Neben dem vakanten Kapitän Schuchardt gesellte sich auch Cengiz Can als Zuschauer, genauso wie der verletzte, letztjährige U19-Akteur Dennis Vogel, welcher mit Krücken bewaffnet bei den Zuschauern Rede und Antwort stand, wenn es darum ging, welcher Spieler hinter den verschiedenen Rückennummern steckt.
Überhaupt sorgten die Rückennummern für viel Diskussionsstoff, schließlich entledigte sich der ehemalige Junioren-Innenverteidiger Tim Rubink seiner Nr. 5 und streift sich in Zukunft die 2 über die Schultern. Christian Dorda, bisher eher im linken Mittelfeld zu finden, schnappte sich die Nr. 3 und Tim Heubach tauschte die 12 gegen die 5. Damit freunden sich Rubink und Dorda mit den Außenpositionen an, während Tim Heubach nun von der linken Außenverteidigerposition entgültig zum Innenverteidiger umgeschult wird.
Trainer Horst Wohlers formierte in der ersten Spielhälfte bis auf Matthias von der Weth und Schlussmann Julian Jansen seine letztjährigen Akteure zu einer ersten Elf. Jansen im Tor, in der Abwehr verteidigte das Duo Stang/Kniat in der Innenverteidigung, unterstützt von den Außen Rubink (rechts) und Dorda (links). Im defensiven Mittelfeld organisierte Kacar (mit der neuen Nummer 6), flankiert von Demir (rechts) und Keseroglou (links). Hinter den beiden Spitzen von der Weth/Karabulut postierte sich in Rösler-manier alte Profierfahrung: Seidel.
Die Partie war kaum angepfiffen, da gingen die Gastgeber durch einen flotten Angriff gleich in Führung. Sören Seidel fackelte in den ersten sechzig Sekunden nicht lange und traf von der Strafraumkante ins rechte, untere Eck zur 1:0-Führung.
Da die Düsseldorfer den Borussen das Spiel leicht machten, klingelte es in der achten Spielminute erneut. Diesmal traf Borussias „Zwanziger“ – Abdulla Keseroglu. Der Ex-Kölner brachte mit einem satten Schuss den VfL mit 2:0 in Front.
Mit dieser Führung im Rücken ließen die Gastgeber es etwas gemächlicher angehen. Diese Temporeduzierung bestraften die Düsseldorfer per Kopfball in der 14. Minute mit einem Lattentreffer. Wachgerüttelt nahm die Wohlers-Elf das Heft erneut in die Hand und es gesellte sich auf beiden Seiten eine Portion ungesunden Ehrgeizes hinzu.
Nickligkeiten, Fouls und Beschimpfungen unter den Spielern standen für kurze Zeit im Vordergrund und sorgten für Heiterkeit unter den Schaulustigen. Dies irritierte den Schiedsrichterassistenten auf der Defensivseite der Gäste anscheinend so sehr, dass er gleich mehrfach falsche Abseitsentscheidungen traf.
Gewinner dieser Unachtsamkeit war Borussias Neuzugang Matthias von der Weth. Der ehemalige Stürmer des 1. FC Magdeburg traf zweifach nach Zuspiel aus der Tiefe. Zuerst in der 20. Spielminute, dann acht Minuten später in gleicher Art und Weise. Jeweils alleine auf den gegnerischen Torhüter stürmend, zog er von der Strafraumgrenze ab und netzte doppelt ein.
Davon so irritiert, legten die Landeshauptstädter das Ei in der 30. Minute gleich selbst ins Netz. Per Kopf bugsierte ein Spieler des SC Düsseldorf West den Ball unhaltbar zur 5:0-Führung der Borussia ins Netz.
Mit dieser komfortablen Führung ging es in die Pause, die beide Teams auf dem Rasen verbrachten. Coach Wohlers nutzte die Zeit, um eine neue Truppe auf die letzten 45 Minuten einzustimmen. Lediglich Torhüter Jansen, Linksverteidiger Dorda (er rückte ins linke Mittelfeld) und Angreifer von der Weth blieben auf dem Rasen, den Rest tauschte der Trainer komplett aus.
Somit kam der Australier Peter Cvetanovski auf der rechten Außenverteidigerposition zu seinem Debüt bei der Borussia, unterstützt in der Innenverteidigung durch Jochen Schumacher (halbrechts) und Kapitän des zweiten Spielabschnitts, Tim Heubach (halblinks), sowie dem ehemaligen TuRU Düsseldorfer Stefan Wannek auf der linken Abwehrseite.
Hinzu gesellten sich im Mittelfeld Patrick Schaaf (zentral, defensiv), Christian Schlösser (rechtes Mittelfeld) und Jan-Lukas Pirschel (offensives Mittelfeld). Im Sturm probierte sich Bünyamin Aksoy neben den zweifachen Torschützen des ersten Durchgangs.
Das Spiel blieb aus Gladbacher Sicht überlegen – Chancen dagegen Mangelware. Die neuformierte Borussia agierte bemüht, allerdings wenig zwingend. Etwas zu verspielt, zuviel klein-klein. Die beste Chance verzeichnete in der 70. Minute Matthias von der Weth nach einem Kopfball, den Düsseldorfs Keeper rechtzeitig zur Ecke lenkte.
Aufregung dann eine Viertelstunde vor Spielende – Bünyamin Aksoy fiel unsanft gebremst im gegnerischen Strafraum zu Boden und der Unparteiische entschied zu recht auf Elfmeter. Neuzugang Schlösser nahm sich den Ball und schoss wenig scharf, flach auf halblinks. Düsseldorfs Keeper tauchte mit dem richtigen Riecher rechtzeitig ab und entschärfte bravourös den Elfer.
Die Freude dauerte nicht lange an, denn mit den Schlussminuten entschwand auch die Kondition der Gäste. Der VfL zeigte sich frischer und wacher. Besonders die letzten vier Minuten taten den Düsseldorfern mächtig weg. Zuerst traf Matthias von der Weth zum dritten Mal (86.), dann feierte Borussias Spielmacher des zweiten Durchgangs, Jan-Lukas Pirschel, in der 89. Minute seinen Einstand standesgemäß mit einem Treffer und stellte den 7:0-Endstand her.
Ein gelungenes Testspiel – ohne Verletzte und mit vielen Toren. Borussia zeigt sich wenige Tage nach dem Trainingsauftakt auch im Nachwuchsbereich frisch und engagiert. Herausragend agierte dabei Matthias von der Weth, der mit ein wenig mehr Konzentration seine Trefferquote vielleicht hätte erhöhen können. Ihm wird es nach dem bescheidenen Jahr in Magdeburg letztendlich egal sein. Jetzt muss er seine Form mit in die neue Saison bringen und Horst Wohlers hat seinen Andersen-Ersatz schon adäquat und ein wenig torgefährlicher ersetzt.
Die Kurzstatistik zum Spiel:
Borussia Mönchengladbach II: Jansen – Rubink (46. Cvetanovski), Stang (46. Schumacher), Kniat (46. Heubach), Dorda – Kacar (46. Schaaf) – Demir (46. Schlösser), Seidel (46. Pirschel), Keseroglou (46. Wannek) – von der Weth, Karabulut (46. Aksoy)
Tore: 1:0 Seidel (1.), 2:0 Keseroglu (8.), 3:0 von der Weth (20.), 4:0 von der Weth (28.), 5:0 Eigentor (30.), 6:0 von der Weth (86.), 7:0 Pirschel (89.)
Zuschauer: ca. 100