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Einzelkritik: Bayern München - Borussia Mönchengladbach 5:1 (2:1)

Kollektiv mangelhaft

Redaktion TORfabrik.de

Montag, 16. April 2018 - 22:38 Uhr

Borussia Mönchengladbach enttäuschte in München nach ordentlichem Beginn auf ganzer Linie. Ohne gegenseitige Hilfestellung gingen die Gladbacher bei den Bayern unter.

Yann Sommer: Wartete bis zum zweiten Gegentor mit einer ansprechenden Vorstellung auf. Der Goalie pflückte mehrere hohe Bälle, strahlte Sicherheit aus und gefiel in der Spieleröffnung. Beim ersten Bayern-Tor konnte er nichts ausrichten, beim zweiten sah er ganz schlecht aus. Der Kopfball von Wagner hatte keinen Druck und Sommer hätte den Ball eigentlich locker halten können - stattdessen ließ er die Kugel durchrutschen. Vor dem 1:3 reagierte er noch gut gegen Wagner aus kurzer Distanz, beim Rebound von Thiago war er machtlos. Dem Alaba-Schuss konnte er nur hinterherschauen, bei Lewandowskis Treffer bekam er lediglich die Fingerspitzen ans Leder. Note 4,5.

Nico Elvedi: Bereite mit einer Kopfballverlängerung zu Hofmann den Führungstreffer mit vor, verrichtete in der Folgezeit jedoch nur noch Schwerstarbeit in der Abwehr. Zunächst klappte das mit Unterstützung von Hofmann gegen Alaba und Bernat noch ganz ordentlich. Mit zunehmendem Druck der Bayern geriet Elvedi - vor allem nach der Pause, als weder Hofmann noch später Hazard vernünftig mit verteidigten - immer mehr ins Schwimmen. Die Verunsicherung führte zu einer Vielzahl einfacher Abspielfehler. Nicht nur beim Lewandowski-Tor wirkte der Schweizer orientierungslos. Note 5,0.

Jannik Vestergaard: Anfänglich sah es so aus, als ob Vestergaard sich mit Wagner auf Augenhöhe duellieren könnte. Doch als die Bayern das Tempo erhöhten, ging einiges zu schnell für den Dänen. In der Spieleröffnung zunächst noch ordentlich, doch nach einem Ballverlust, den Wendt bereinigte, ging die Linie verloren. Allen Spielern in der Viererkette muss man zugutehalten, dass sie von den Vorderleuten im Stich gelassen wurden. Andererseits muss Vestergaard als vermeintlicher Abwehrchef auch mehr Einfluss nehmen. Note 5,0.

Matthias Ginter: Was für Nebenmann Vestergaard gilt, kann auch für Ginter übernommen werden: Als Bayern aufzog, verlor der Nationalspieler immer mehr den Überblick. Unglückliches Stellungsspiel führte dazu, dass er kaum in Zweikämpfe kam. Bei mehreren Gegentoren wusste er nicht, was um ihn herum passierte. Auch hier gibt es in gewisser Weise Verständnis aufgrund der Gemengelage, doch als Spieler mit seiner Reputation hätte auch von ihm mehr kommen müssen, um die Ordnung wiederherzustellen. Note 5,0.

Oscar Wendt: Führte Borussia als Kapitän aufs Feld, es unterlief ihm nur ein Fehlpass (bei allerdings auch nur 22 Pässen insgesamt), einmal bereinigte er einen Vestergaard-Fehler und schließlich konnte er zu Beginn der zweiten Halbzeit in einer Situation überzeugend gegen Kimmich klären. Ansonsten war der Schwede jedoch meist auf verlorenem Posten. Er lief nur hinterher, bekam keinen Zugriff auf Kimmich oder später Tolisso. Die ersten drei Bayern-Tore sowie der finale Treffer fielen über Gladbachs linke Seite, Wendt sah dabei jeweils nicht gut aus. Tobias Strobl bezeichnete die Außenverteidiger zwar zurecht als »arme Schweine«, doch auch von Wendt hätte - gerade als Kapitän - mehr Widerstand kommen müssen. Note 5,0.

Christoph Kramer: Brachte seine Laufstärke ein und konnte mit mehreren Sicherheitspässen zumindest ansatzweise mal für Ruhe sorgen. Als Gestalter und Einfädler blieb Kramer jedoch ab der 10. Minute komplett wirkungslos. In der Arbeit gegen den Ball fleißig, aber eben auch ohne den nötigen Zugriff. Irgendwann musste ihm schwindelig geworden sein, weil er ständig im Kreis hinter einem Münchener herlief. Auch wenn man Fouls grundsätzlich nicht gutheißen sollte - mit seinem harten und zurecht mit Gelb geahndeten Einsteigen gegen Tolisso gab Kramer in der 77. Minute zumindest mal ein Signal, sich wehren zu wollen. Doch da war es längst zu spät. Note 5,0.

Denis Zakaria: Kam im Spielaufbau nicht über Ansätze hinaus und konnte kaum mal einen seiner Antritte mit raumgreifenden Schritten starten. Als die Bayern zwei Gänge hochschalteten, wurde Zakaria von den Angriffswellen mit weggespült. Er versuchte zwar, irgendwie dagegenzuhalten, kam jedoch auch kaum - wie beim 1:2 - wirklich in die Zweikämpfe. Machte in den letzten zehn Minuten Platz für Strobl. Note 5,0.

Jonas Hofmann: Startete auffällig gut in die Partie, war sehr aktiv und bereitete mit seinem Zuspiel auf Drmić den Führungstreffer vor. Etwas später spielte er einen weiteren gescheiten Pass auf Hazard, der jedoch die anschließende Flanke verzog. Als Bayern dominant wurde, half Hofmann zunächst noch laufstark mit, die Räume zu schließen. Vor dem 1:2 bekam er den Ball im eigenen Strafraum nicht geklärt. Im Ausweichen von Zweikämpfen ist Hofmann ohnehin Experte, nach der Pause ließ er dann auch vermehrt Elvedi im Stich. In der 65. Minute wurde er gegen Grifo ausgewechselt. Note 5,0.

Thorgan Hazard: In der Anfangsphase offensiv durchaus munter, doch nachdem er in der zwölften Minute den letzten Torschuss der Gladbacher im gesamten Spiel abgegeben hatte, ging es mit seiner Leistung rapide bergab. Erst verdribbelte er sich ein paar Mal unglücklich, später verdaddelte er eine der ganz wenigen Kontergelegenheiten mit einem unkonzentrierten Abspiel. Im Offensivzweikampf ließ er sich wie ein Schuljunge von Süle abkochen, sogar im Laufduell war ihm der schwerfällige Bayern-Verteidiger überlegen. Defensiv eher lustlos und keine Hilfe für Hintermann Wendt. Suspekt sein Verhalten vor dem 1:3 und später auf der rechten Seite, als er Alaba bei dessen Treffer nur Begleitschutz gab. Note 5,0.

Raffael: Zu Beginn griffig und bissig in den Zweikämpfen. So eroberte er einmal beherzt den Ball, ein weiteres Mal ging er erfolgreich mit einer Grätsche zu Werke. Raffael war zwar sicher im Passspiel, konnte sich jedoch nicht nachhaltig durchsetzen. Vor allem konnte er - trotz großem läuferischen Aufwand - kaum mal für Entlastung sorgen und die Bayern defensiv beschäftigen. Vom Typ her ist Raffael auch niemand, der das Heft des Handelns in die Hand nehmen und die Mitspieler auf Linie bringen kann. Erstaunlich, dass er die 90 Minuten durchspielte. Note 5,0.

Josip Drmić: Erzielte ein sehenswertes Tor, als er Süle ins Leere laufen ließ, mit etwas Glück den Ball kontrollierte und dann überlegt ins Eck traf. Danach allerdings kein Faktor mehr - im Gegenteil. Er konnte kaum einen Ball festmachen oder sich in Laufduellen behaupten. Mit einem schlimmen Fehlpass eröffnete er Müller eine Chance, etwas später ließ er sich von Hummels sehr einfach abkochen. Natürlich war es undankbar für den Stürmer, ständig weit nach hinten laufen zu müssen. Er wirkte schon vor dem Seitenwechsel konditionell am Limit, in der 65. Minute kam Cuisance für ihn. Note 5,0.

Michael Cuisance: Kam für Drmić und übernahm zunächst dessen Rolle, später rückte er für den defensiv überforderten Hazard auf die rechte Seite. Hatte nur acht Ballkontakte und konnte nichts bewegen - in einer Situation verpasste der junge Franzose den Zeitpunkt für ein Abspiel. Ohne Note.

Vincenzo Grifo: Ersetzte Hofmann in der 65. Minute und spielte auf der linken Seite. Fiel nur auf, als er sich in einer Situation den Ball sehr einfach abluchsen ließ. Auch Grifo kam nur auf acht Ballkontakte, einen Zweikampf bestritt er nicht. Ohne Note.

Tobias Strobl: Wird wohl der einzige Borusse gewesen sein, der an diesem Abend gerne auf dem Platz stand - nach mehr als 250 Tagen Ausfallzeit nach Kreuzbandriss gab er sein Comeback. Immerhin traute sich Strobl, seine Mitspieler lautstark anzufahren, als sie mal wieder nur lasch verteidigten. Ohne Note.

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