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Nachdreher aus Wolfsburg

Alles wie immer in Wolfsburg

von Marc Basten und Jan van Leeuwen

Montag, 04. Dezember 2017 - 06:07 Uhr

Borussia Mönchengladbach fährt in der Autostadt die fast schon obligatorische Niederlage ein. Der Lieblingsgegner der Wolfsburger verteilte am ersten Adventssonntag artig Geschenke und stand am Ende ziemlich bedröppelt da.

Der erste Adventssonntag, Schnee und diese zwischen heimelig und peinlich pendelnde ›Lightshow‹ in der mäßig besuchten Volkswagen-Arena hatten offensichtlich dafür gesorgt, dass die Gladbacher Borussen das Motto ›erstmal gut stehen‹ etwas sehr wörtlich nahmen. Jedenfalls ging die Fohlenelf das Spiel in Wolfsburg arg verhalten an, was den Gastgebern in die Karten spielte.

»Heute wollten wir raus, ein bisschen böse sein und drauf los«, sagte Wolfsburgs Trainer Martin Schmidt später. »Das haben die Jungs sehr gut umgesetzt.« Unterstützt durch die Trägheit der Gladbacher gehörte Wolfsburg ganz klar die Anfangsphase. »Es war offensichtlich, dass wir die ersten Minuten viel zu passiv gespielt haben«, monierte Dieter Hecking. »Das hat Wolfsburg reichlich genutzt.«

»Die ersten 25 Minuten haben wir definitiv verschlafen und die Wolfsburger mehr begleitet, als dass wir zugegriffen haben«, sagte Sportdirektor Max Eberl. »Dementsprechend waren es zwei einfache Tore«. Borussia gestattete Malli bereits nach vier Minuten den Führungstreffer, Didavi stellte in der 25. Minute nach starker Vorarbeit von Malli - und der unterstützenden Tatenlosigkeit der Gladbacher - auf 2:0.

»Danach war es dann fast schon zu spät«

»Danach war es dann fast schon zu spät«, sagte Hecking. Sein Team fing sich, was auch mit der Einwechslung von Cuisance für den verletzten Jantschke zu tun hatte. Zudem konnte Matthias Ginter, an dem als Sechser Spiel und Gegenspieler bis dahin komplett vorbeigelaufen waren, wieder in die Innenverteidigung. Daraufhin hatten die Borussen gegen nun gar nicht mehr so bissige Wölfe eigentlich so gut wie alles im Griff.

»Wir hatten dann eine hohe Anzahl an Torchancen von großer Qualität«, sagte Eberl. Doch zwei Treffer wurden aufgrund knapper Abseitsentscheidungen zurecht nicht gegeben und Hazard verballerte mit dem Pausenpfiff die Riesenmöglichkeit. »Das war ärgerlich, weil wir mit einem Anschlusstreffer die Sache nochmal richtig scharf gemacht hätten.«

Wolfsburg wirkte tatsächlich alles andere als gefestigt. »Wir haben mit großem Aufwand gespielt und Möglichkeiten kreiert«, sagte Hecking. Aber es blieb dabei - die Borussen waren im Abschluss zu harmlos. »Wir hätten wohl noch stundenlang spielen können, ohne ein Tor zu erzielen«, unkte Eberl.

»Die Hypothek nach dem Rückstand war einfach zu groß«

»Die Hypothek nach dem Rückstand war einfach zu groß«, musste Eberl eingestehen. Als das 3:0 fiel, passenderweise wurde der Ball entscheidend von Zakaria abgefälscht, »war der Deckel drauf«, wie es Hecking ausdrückte. »Bis dahin kannst du der Mannschaft eigentlich keinen Vorwurf machen«, sagte Eberl. »Sie haben es versucht und gut gespielt - so wie wir uns das von Anfang an vorgestellt haben.«

Am Ende standen die Borussen reichlich bedröppelt auf dem Rasen der Arena und haderten weniger über den verpassten Sprung auf Platz 2, als mit der mysteriösen Anfangsphase. »In der ersten halben Stunde haben wir gar nichts von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben«, sagte Matthias Ginter. »Es ist bitter, weil wir den nächsten Schritt machen wollten.«

Die Gunst der Stunde nicht genutzt

Den Schwung des Bayern-Siegs hatten die Gladbacher jedenfalls in der Kabine oder sonst wo gelassen. »Uns hat es eher gehemmt, als dass wir beflügelt waren«, sagte Ginter. »Es ist schwierig zu erklären, aber vielleicht haben wir zu viel darüber gesprochen.«

Die Gunst der Stunde haben die Borussen wahrlich nicht genutzt. So war es eigentlich wie immer, als in der Arena in Wolfsburg am späten Sonntagabend die Lichter ausgingen. Joris van Hout, Arie van Lent und Jonas Kolkka bleiben für ein weiteres Jahr die Helden, die Borussia zum einzigen Sieg in diesem Stadion geschossen haben. Unvergessen auch, weil sie an jenem 22. November 2003 eine zwanzig (!) Monate währende Auswärtsmisere beendeten. Da macht es die heutige Generation auswärts doch viel besser - nur eben nicht in Wolfsburg.

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