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Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - Eintracht Frankfurt 0:1

In fast allen Belangen zu wenig

Redaktion TORfabrik.de

Dienstag, 12. September 2017 - 06:08 Uhr

Borussia Mönchengladbach enttäuschte bei der Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt in fast allen Belangen. Der Mannschaft fehlte Esprit, Durchsetzungsvermögen und Standfestigkeit. Das spiegelt sich auch in der Einzelkritik wider.

Yann Sommer: Hatte schon nach wenigen Sekunden Glück, dass Boateng den ganz frühen Frankfurter Führungstreffer zunichtemachte. Beim Abseitstor sah Sommer ein wenig hilflos aus. Beim 0:1 wurde er aus relativ kurzer Distanz überwunden, da gab es kaum eine Abwehrchance. Einen gefährlichen Distanzschuss lenkte er mit den Fingerspitzen über das Tor, gegen Gacinovic rettete der Schweizer stark. Im Spielaufbau fand er nicht immer den eigenen Mann. In der Nachspielzeit ging er bei zwei Ecken mit nach vorne, kam aber nicht an den Ball. Note 3,5.

Nico Elvedi: Hatte zu Beginn zwei, drei gute und konkrete Balleroberungen und suchte den Weg nach vorne. Doch es häuften sich Stockfehler und Unsauberkeiten, die zu gefährlichen Situationen führten. Bis zur Pause wirkte er deutlich verunsichert. Nach dem Wechsel rückte er auf die linke Seite der neu gebildeten Dreierabwehrkette. Dort agierte er stabil und hatte mit Abstand die meisten Ballkontakte. Er beschränkte sich dabei ausschließlich auf den Sicherheitspass über wenige Meter. Damit vermied er Fehler, konnte dem Spiel von hinten heraus aber keinerlei Impulse geben. Note 4,5.

Matthias Ginter: Anfangs verteidigte er noch mit Bedacht gut gegen Haller, doch die Probleme häuften sich. Beim Gegentor sprang er zunächst unter dem Einwurf durch und kam dann mit seiner Grätsche gegen Boateng zu spät. In der Folgezeit mit Schwierigkeiten im Stellungsspiel und Timing im Kopfballspiel. Auch technische Fehler schlichen sich ein. In der zweiten Halbzeit rückte er als rechter Spieler der Dreierkette zwar mehrfach mit über die Seite nach vorne, doch aufgrund vieler Ungenauigkeiten kam nichts dabei heraus. Nach einem Standard kam Ginter zu einem letztlich ungefährlichen Kopfball. Note 4,5.

Jannik Vestergaard: Hatte gegen Haller und Boateng bei hohen Bällen viel Mühe. Auffällig, dass er sich durch schlechtes Timing und einige plumpe Fouls um den Größenvorteil im Luftkampf brachte. Am Boden war der Däne mehrfach nur zweiter Sieger. Im Spielaufbau mit einem krassen Fehlpass in die Mitte, aber auch einem gelungenen Crossball auf Elvedi. Nach der Pause war Vestergaard als zentraler Mann der Dreierkette defensiv nur noch sporadisch gefordert, wobei er das Laufduell gegen Rebic vor der besten Frankfurter Chance im zweiten Durchgang verlor. Vorne wollte er mit unzureichenden Mitteln einen Elfmeter schinden, in den Schlussminuten versuchte er sich ohne Glück als Brechstange. Note 4,5.

Oscar Wendt: Hatte auf seiner Seite defensiv soweit alles im Griff und wirkte aufmerksamer als zuletzt in Augsburg. Im Spiel nach vorne relativ wenig eingebunden, mehrfach stieß er ohne Ball in den Sechzehner und musste anschließend unverrichteter Dinge wieder zurück. Nach der Pause im Zuge der Umstellung auf Dreierkette links offensiv unterwegs und zumindest bemüht, das Spiel mit Doppelpässen und Flanken zu beleben. Auch nach hinten arbeitete der Schwede ordentlich - so rettete er nach einer knappen Stunde in letzter Instanz vor dem einschussbereiten Chandler. Note 3,5.

Christoph Kramer: Nahm die Aufgabe im defensiven Mittelfeld an und zeigte sich unerschrocken gegenüber dem physischen Spiel der Frankfurter. Kramer eroberte Bälle - auch gegen Haller - und ließ sich nicht einfach wegdrücken. Als Frankfurt Beton anrührte, wurde er mehr oder weniger in die kreative Rolle gedrängt. Kramer versuchte zwar, etwas zu inszenieren, doch er ist halt in der Basis ein Lückenschließer und kein Lückenöffner. Zweikampfverhalten und der läuferische Einsatz stimmten über 98 Minuten. Note 3,0.

Denis Zakaria: War beim Gegentor überrascht, dass Ginter den Einwurf unterschätzte und kam nicht mehr vor Haller, der auf Boateng ablegte. Im Mittelfeld mit einigen gewonnen Zweikämpfen - einer brachte dem Schweizer Szenenapplaus. Stark, wie er beim ersten und einzigen Hochgeschwindigkeitsangriff in der ersten Halbzeit Tempo aufnahm und flott in den Lauf von Herrmann spielte. Zakaria kam überraschend und unter Mithilfe der Frankfurter zu einer Schusschance, wobei er den Ball auf den rechten Fuß legen wollte und letztlich geblockt wurde. Im defensiven Umschaltspiel konnte er Gacinovic nicht halten, als der über links durchzog. Gegen zunehmend tief gestaffelte Frankfurter wurde deutlich, dass Zakaria (noch) nicht der Typ ist, der das Spiel ordnen und die Mitspieler dirigieren kann. Nach der Umstellung auf Dreierkette wurden die Räume im Mittelfeld noch enger und Zakaria tat sich schwer. Dennoch war es überraschend, dass er nach einer Stunde ausgewechselt wurde - mit seiner Physis hätte er durchaus noch etwas bewegen können. Note 3,5.

Patrick Herrmann: Nach wenigen Sekunden ließ er sich hinten vor der Hereingabe zum Abseitstor narren und auch im weiteren Verlauf hatte Herrmann in der Rückwärtsbewegung einige Probleme mit den bissigen Frankfurtern. Aber auch im Spiel nach vorne ging nicht viel, selbst wenn Herrmann viel versuchte und darunter litt, dass Elvedi ihn nicht unterstützte. Bei dem von Zakaria inszenierten Tempogegenstoß lief er beim ersten Kontakt mit dem Ball den entscheidenden Tick zu weit nach außen, so dass er selbst keine Möglichkeit zum Abschluss hatte und nur noch im Fallen eine Flanke hinbekam. Als Frankfurt sich immer weiter zurückzog und es gar keine Räume mehr gab, machte Herrmann Platz für Bobadilla. Note 4,5.

Thorgan Hazard: Beim Thema fehlender Effizienz muss der Name Hazard an erster Stelle genannt werden. Er versuchte viel, aber das ganze Hakenschlagen brachte letztlich im Idealfall nur eine Ecke. Hazard spielte zu wenig zielgerichtet und wurde im entscheidenden Moment fahrig. So bei einem Schuss vor der Pause in Rückenlage, genauso wie bei der Chance in der zweiten Halbzeit, als er nach gutem Move hoch in die Nordkurve verzog. Einen Freistoß schoss Hazard von halblinks auf Knöchelhöhe in den Strafraum. Der Schuss ans Außennetz nach der Herrmann-Flanke war schwierig zu nehmen. Seine Einzelaktionen stellten sich gegen Frankfurt allenfalls als Fake-Gefahr heraus. Dass er im zweiten Durchgang nach der Systemumstellung zentraler spielte, änderte daran nichts. Note 4,5.

Raffael: Wirkte wie schon zuletzt ein wenig verloren bei seinen Versuchen, mit Dribblings etwas zu inszenieren. Die Frankfurter doppelten ihn frühzeitig und Raffael blieb oft hängen. So auch bei einem Verzweiflungslauf über das halbe Feld, als er in letzter Instanz im Strafraum den Ball verlor. Der Brasilianer versteckte sich nicht und ließ sich nicht hängen, doch er wirkte zusehends ratlos, auch weil das Zusammenspiel in der Offensive insgesamt nicht funktionierte. Note 4,5.

Lars Stindl: Es bleibt dabei - dem Kapitän fehlt es an der körperlichen und geistigen Frische. Zwar machte er wieder weite Wege, doch so richtig fand er nicht ins Spiel. Seine Versuche, ein Kombinationsspiel aufzuziehen, versandeten. Auch die ›Stindl-typischen‹ Reibungsmomente gegen die aggressiven Frankfurter fehlten. Kurzzeitig kämpfte er energisch und holte mit viel ›Gewurschtel‹ eine Ecke raus, was von der Nordkurve dankbar aufgenommen wurde. Die mit Abstand beste Aktion war der Klasse-Distanzschuss, den Hradecky parierte. Nach der Einwechslung von Bobadilla wurde er eine Linie zurückbeordert, wo er nur wenig Impulse setzen konnte. Note 4,5.

Jonas Hofmann: Ersetzte Zakaria, konnte das spielerische Niveau allerdings nicht heben. Nach Herrmanns Auswechslung rückte er auf die rechte Seite, von wo er zwar ein paarmal an und in den Strafraum kam, eine nennenswerte Aktion blieb jedoch aus. Ohne Note.

Raúl Bobadilla: Kam für Herrmann, schickte Stindl zurück und ordnete sich vorne ein. Der Plan B mit dem Stürmertyp Bulldozer ging nicht auf. Ganze vier Ballaktionen hatte Bobadilla in den 30 Minuten, die er inklusive Nachspielzeit auf dem Platz stand. Ein Torschuss wurde zum Kullerball, nach einem weiten Schlag in der Schlussphase hätte er eigentlich alleine durchlaufen können, doch er wusste nicht, wo der Ball war. Ohne Note.

Julio Villalba: Gab in der 83. Minute sein Bundesligadebüt, als er für Wendt kam. Ein Ellenbogeneinsatz brachte ihm gleich die Gelbe Karte. Auch der Youngster fand, trotz sichtbarem Eifer, nicht mehr den Weg durch das Frankfurter Dickicht. Ohne Note.

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