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Nach dem letzten Test

Einige Erkenntnisse aus England

von Marc Basten

Sonntag, 06. August 2017 - 21:30 Uhr

Das letzte Testspiel vor dem Pflichtspielauftakt am kommenden Freitag in Leicester brachte einige Erkenntnisse. Leider auch die, dass das Verletzungspech gnadenlos zuschlagen kann.

Die schwere Verletzung von Tobias Strobl überschattete das höchst interessante letzte Testspiel der Fohlenelf in Leicester. Die Diagnose, die am Samstag erfolgte, kam angesichts der Eindrücke im Stadion nicht überraschend: Riss des vorderen Kreuzbandes sowie des Außenmeniskus im rechten Knie. Strobl wird kurzfristig operiert und - einen normalen Heilungsverlauf vorausgesetzt - erst im nächsten Frühjahr wieder an ein Mannschaftstraining denken können. Faktisch ist die Saison für den 27-Jährigen gelaufen, bevor sie überhaupt angefangen hat.

»Ich hatte Tobi vor ein paar Tagen noch ausdrücklich gelobt«, sagte Dieter Hecking. »Jetzt fällt einer der Besten der Vorbereitung lange aus.« Zwar hatten die meisten Beobachter Strobl nicht zwingend als Startelfkandidaten auf dem Zettel, doch als vielseitig verwendbarer Backup galt er für den 18er-Kader als gesetzt. Diese Option fehlt Hecking jetzt.

Wie es aussieht, werden die Borussen auf den langfristigen Ausfall des Ex-Hoffenheimers nicht mit einem Nachkauf reagieren. Gleichwohl ist die bittere Verletzung von Strobl ein Fingerzeig, wie schnell sich Planspiele und das Gerede von einem breiten Kader in Luft auflösen können. Die Erinnerung an die Verletzungsseuche der letzten Saison ist noch frisch.

Eine echte Generalprobe auf hohem Niveau

Doch die Partie in Leicester hatte auch gute Seiten, wenn man Strobls Verletzung und das Endergebnis ausklammert. Borussia konnte auf hohem Niveau eine echte Generalprobe absolvieren. In der ersten Halbzeit wusste das Team mit einem hohen Ballbesitzanteil und einer teilweise überragenden Passsicherheit zu gefallen. Im Spiel nach vorne entwickelte man eine kluge Zielstrebigkeit, die zu mehreren guten Torchancen führte. Die fehlende Konsequenz im Abschluss war auch in Leicester das große Manko. Das Thema ist wahrlich nicht neu, aber es scheint weiter hochaktuell zu sein.

Die Startelf im ›King Power Stadium‹ kann man sich getrost auch für Essen oder das Derby vorstellen. In der Viererabwehrkette dürften Ginter und Vestergaard als Innenverteidiger gesetzt sein, Wendt ist insoweit alternativlos, als dass Johnson sich als Linksverteidiger zwar seriös präsentiert, aber keinesfalls in den Vordergrund spielt. Auf rechts hinterließ Elvedi in Leicester einen sehr guten Eindruck und da Jantschke wegen muskulärer Probleme schon länger fehlt, dürfte der Schweizer zumindest vorläufig die Nase vorn haben.

Die Doppelsechs bildeten Kramer und Zakaria, die es während ihrer 45-minütigen Einsatzzeit ordentlich machten. Die Abstimmung im Spiel nach vorne klappte schon gut, im defensiven Umschaltspiel passte die Staffelung hier und da nicht. Ein Trumpf wird in dieser Konstellation sicher sein, dass Borussia zwei extrem gute Balleroberer hat.

Hofmann fehlt die Widerstandsfähigkeit für einen Sechser

Wie wichtig das ist, zeigte sich nach der Pause. Nach dem schnellen Ausfall von Strobl spielten Bénes und Hofmann als Sechser, was gegen die in dieser Phase wie aufgedreht angreifenden Engländer alles andere als gefestigt wirkte. Beide Spieler sind eher nach vorne orientiert, gerade Hofmann kann man - trotz zweier gelungener ›Steals‹ in der Rückwärtsbewegung - nicht wirklich als Sechser einplanen, wenn die Widerstandsfähigkeit gewahrt werden soll.

Durch den zunehmenden Druck von Leicester und die beschriebenen Probleme im defensiven Mittelfeld wurde die Abwehrkette erstmals in der Vorbereitung einem echten Stresstest unterzogen. Dabei wirkten sowohl Ginter als auch Vestergaard nicht immer sattelfest. Beim Neuzugang aus Dortmund gab es hier und da (nachvollziehbare) Komplikationen bei der Abstimmung mit den Kollegen, Vestergaard ließ sich zudem von Vardy unnötig provozieren und wirkte in der Folgezeit abgelenkt.

Startelf in Essen? Abwarten bei Stindl und Ginter

Nach vorne ging in der zweiten Halbzeit so gut wie gar nichts. Selbst als sich Leicester in der Schlussviertelstunde wieder zurückzog, blieben die Borussen harmlos. Auch wenn zu diesem Zeitpunkt Stindl und Raffael nicht mehr dabei waren und durch die Wechsel insgesamt einiges ›zerfleddert‹ wirkte, hätte es nach hinten heraus etwas mehr sein können.

Es gab in jedem Fall einige interessante Erkenntnisse für das Trainerteam aus der Partie in Leicester. Die nächsten Tage werden für den Feinschliff genutzt werden und auch um festzustellen, ob die beiden ›Späteinsteiger‹ Stindl und Ginter schon bereit sind für den Pokalfight an der Hafenstraße. »Bei ihnen wollen wir die nächste Woche abwarten, wie sie sich präsentieren«, sagte Hecking.

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