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Spielerische Armut

Keine Legitimation für Antifußball

von Marc Basten

Samstag, 17. Dezember 2016 - 20:04 Uhr

Das Spiel in Augsburg war ein weiterer Rückschritt für Borussia Mönchengladbach. Selbst mit Sicherheits- bzw. Antifußball war man nicht in der Lage, einen Auswärtspunkt zu holen. Die fußballerische Hilflosigkeit war erschreckend.

Was sich letzte Woche gegen Mainz schon angedeutet hat, wurde am Samstag in Augsburg bestätigt: Nur rennen und kämpfen reicht nicht. Gegen Mainz wurde eine fußballerisch schwache Leistung durch den glücklichen Sieg abgesegnet. Der Erfolg heiligte die Mittel. Klar war aber auch: Diese Art Fußball kann nur dann akzeptiert werden, wenn sie erfolgreich ist.

In Augsburg war sie es nicht, und daher gibt es keine Legitimation für derartigen Antifußball. Alle Aussagen von wegen »gut gestanden, wenig zugelassen« usw sind haltloses Bla-Bla. Augsburg war offensiv genauso erschreckend harmlos wie die Borussen, aber sie haben das Tor gemacht. Während die Gladbacher noch nicht mal eine Ecke herausholten und ihre Freistoßhereingaben fahrlässig herschenkten - vor allem Hazard in der Schlussphase.

Was aber wirklich die Alarmglocken läuten lässt, ist die spielerische Armut. Dahoud in Ansätzen, Raffael in einigen Situationen - ansonsten war da gar nichts. Steif und langsam wirkte die Mannschaft, die vor wenigen Monaten noch für ihren Tempofußball gehuldigt wurde. Ein flüssiges Zusammenspiel war nicht zu erkennen und die Einzelaktionen ›auf gut Glück‹ versandeten oft schon im Ansatz.

Die Tendenz ist unverkennbar: Kollektiv verteidigen konnte die Mannschaft unter André Schubert noch nie richtig, zuletzt in Dortmund und Barcelona wurde das trotz Defensivstrategie nochmals überdeutlich. Gegen Mainz und Augsburg wirkte es oberflächlich stabil, weil beide Gegner ebenfalls betont vorsichtig spielten. Doch diese vermeintliche Sicherheit auf Seiten der Borussen ging jeweils nachdrücklich zulasten der fußballerischen Komponente. Jetzt sind auch noch die spielerischen Grundlagen in der Offensive weg.

Klar, die Niederlage in Augsburg war unglücklich. Das Spiel hatte wirklich keinen Sieger verdient. Aber nur deshalb, weil Augsburg genauso schlecht war wie Gladbach. Aber sie hatten halt einen Hinteregger. Aus Borussensicht das krönende Sahnehäubchen auf einen Haufen Mist.

Es werden viele grundsätzliche Fragen in der Winterpause geklärt werden müssen. Das war schon vor Augsburg so, doch nach diesem Auftritt wird die Dringlichkeit nochmals überdeutlich.

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