Sonntag, 10. Februar 2013 - 11:46 Uhr
Fünf Gegentore in zwei Partien, vier davon aus dem Spiel heraus nach zum Teil katastrophalen Ballverlusten – das lässt in Mönchengladbach die Alarmglocken schrillen. Wie schon in der Vorrunde, als Borussia kurzzeitig zur Schießbude der Liga mutierte, ist es nicht die Abwehr, die Probleme bereitet. Es sind die ständigen einfachen Ballverluste im Mittelfeld und die schlechte Staffelung in den defensiven Umschaltmomenten.
Gegen Leverkusen wurde es besonders deutlich, da Bayer mit den schnellen Leuten geradezu überfallartig die Lücken zwischen den Linien besetzt und dann direkt vertikal in die Spitze spielt. Die Viererabwehrkette wird hier bei fast jedem Angriff zu einem 50:50-Duell genötigt, bei dem der Gegner mit Schwung auf einen zuläuft. Gegen Klasseleute wie Schürrle & Co. führt das halt zu drei Gegentoren, ohne dass den Abwehrspielern ein Vorwurf zu machen ist. Bei effektiverer Chancenverwertung hätte Bayer den Borussen ein halbes Dutzend einschenken können.
Die Frage bleibt, warum Borussia plötzlich wieder Tendenzen der schlechten Phase in der Hinrunde aufweist? Die Antwort dürfte im Mittelfeld zu finden sein. Zunächst sind dort individuelle Patzer (Marx in Nürnberg, Nordtveit, Ring gegen Leverkusen), die den Gegner in Position bringen. Dann sind da die verletzungsbedingen Umstellungen: sowohl Rupp in Nürnberg, als auch Ring gegen Leverkusen trugen nicht zur Stabilität in der Zentrale bei. Im Gegenteil – sie waren Risikofaktoren.
Und nicht zuletzt ist da die Rolle von Tolga Cigerci auf rechts im Vergleich zu Lukas Rupp auf dieser Position. Im 4-4-2 interpretiert der Deutsch-Türke die Aufgabe offensiver als Rupp. Er läuft zwar viel – auch zurück -, nimmt dem Gesamtverbund dennoch einiges an Kompaktheit. Da zudem seine Offensivaktionen kaum effektiv sind, ist Cigerci auf rechts alles andere als eine Idealbesetzung.
In Favres 4-3-3 fühlt sich Cigerci wohler, doch durch die vielen Positionswechsel ist die Mannschaft insgesamt nach Ballverlusten oftmals nicht optimal gestaffelt. Zu oft müssen die Borussen im Mittelfeld hinter den Gegnern herlaufen, anstatt sie zu stellen.
Es ist eine Gratwanderung. Mehr Dominanz und Variabilität im Spiel nach vorne entwickeln, gleichzeitig die Kompaktheit nicht zu verlieren. Die richtige Mischung hat Lucien Favre noch nicht gefunden. Und angesichts der Tendenz der letzten beiden Spiele dürfte in Anbetracht des anspruchsvollen Programms der nächsten Wochen klar sein, dass der Fokus wieder auf eine funktionierende Arbeit gegen den Ball gelegt werden muss. Lazio Rom darf man auf keinen Fall so viele Gelegenheiten bieten, wie Leverkusen.