Freitag, 12. Oktober 2012 - 14:40 Uhr

Bereits seit einigen Jahren ist der gebürtige Bayer auf Blauhelm-Mission in Mönchengladbach. Eberl, der schon weitaus größere Konflikte löste, wird nun vor eine völlig neue Herausforderung gestellt. Konnte er die Borussia bislang immer erfolgreich vor Angriffen von außen schützen, so ist in dieser Spielzeit viel mehr sein innenpolitisches Verhandlungsgeschick gefragt.
Denn ähnlich wie in der Politik, sind Krisen auch im Sport ein perfekter Nährboden für Unzufriedenheit und Aufbegehren im eigenen Lager. Dabei treten vor allem Mike Hanke und Granit Xhaka als Oppositionsführer in Erscheinung. Während Hanke seinem Ärger nach seiner Ausbootung aus dem Favre-Kabinett auf Facebook Luft machte, die Maßnahmen des Staatsoberhaupt öffentlich in Frage stellte und so die Massen hinter sich versammelte, ließ Xhaka seinen Unmut über die generelle politische Ausrichtung des Regimes über ausländische Medien verlauten.
Trotz der Tatsache, dass man durch die Defensivschlacht gegen Eintracht Frankfurt die Festung Borussia Park wieder einnehmen konnte, gerät die Borussia also weiterhin nicht in ruhigeres Fahrwasser. Doch Max Eberl wäre nicht ein Kandidat für den Friedensnobelpreis, wenn der erfahrenere Diplomat nicht sofort beschwichtigend eingreifen würde. So auch in diesem Fall, als er in Form eines Interviews auf der vereinseigenen Homepage die Vorfälle herunterspielte und sich dabei gewohnt gelassen zeigte. Im Stile eines lupenreinen Demokraten berief er sich auf die Meinungsfreiheit und setzte dabei auf die Macht des intern gesprochenen Wortes.
Ob Eberl die offensichtlichen Unstimmigkeiten innerhalb des eigenen Lagers ebenso diplomatisch aussitzen kann, wie die teils heftigen Angriffe von außen, bleibt fraglich. Von einem Putsch-Versuch zu sprechen, wäre gewiss ebenso verfrüht. Dennoch gilt es die Unruhen im Auge zu behalten und die Blauhelm-Truppen erneut in Alarmbereitschaft zu versetzen. Meistert Verteidigungsminister Eberl auch diese Krise, dürfte ihm der Friedensnobelpreis im nächsten Jahr endgültig sicher sein.