Samstag, 21. Januar 2012 - 14:12 Uhr
Es war ein gefundenes Fressen für die Medien als Aufhänger zum Rückrundenstart zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München. Wie würde Marco Reus nach der Bekanntgabe seines Wechsels im Sommer nach Dortmund im eigenen Stadion empfangen werden? Wie würde der Nationalspieler dem Druck stand halten? Und würde die Gladbacher Mannschaft nun auf dem Platz zusammen brechen, weil ihr Bester seinen Abschied angekündigt hat?
Am Ende waren die vermeintlich drängenden Fragen schnell beantwortet. Die Fans empfingen Reus – wie auch Neustädter – fair und unterstützten sie das gesamte Spiel hinweg. Auf der Ostgerade setzten die Anhänger mit dem Banner „Marco Reus – dich lassen wir nur mit dem Double gehen!!!“ ein gelungenes Zeichen.
Die Mannschaft spielte (wie von den Profis angekündigt) unbeeindruckt vom Theater in der Winterpause auf und auch Marco Reus befreite sich mit seinem feinen (und gar nicht einfachen) Führungstreffer von jeglichem Zwang, irgendwem etwas beweisen zu müssen.
Und als nach dem Spiel ein Medienvertreter bei Lucien Favre etwas vom Druck erzählte, der auf Reus gelastet habe, wurde Borussias Trainer für seine Verhältnisse richtig laut. »Übertreiben Sie nicht mit dem Druck. Das ist nicht so«.
»Ich war natürlich enttäuscht, als die beiden Spieler mir ihre Entscheidung mitgeteilt haben. Das ist normal – ich bin ja auch nur ein Mensch. Es war ein Schock, aber der ist verdaut«, so Favre.
Der Trainer will mit Macht zur Tagesordnung übergehen und den Fokus bei drei anstehenden Auswärtsspielen (inklusive Pokal) allein auf den nächsten Gegner richten. »Der Sieg gegen Bayern war sehr wichtig für den Kopf«, weiß der Schweizer. »Wir werden das jetzt kurz genießen und uns dann mit voller Konzentration Stuttgart widmen. Das wird ein ganz anderes Spiel als gegen München«.
Und hoffentlich eins, bei dem das Thema Reus und Dortmund allenfalls eine Fußnote in der weiteren Erfolgsgeschichte von Borussia Mönchengladbach ist.