Sonntag, 25. September 2011 - 13:01 Uhr
Mit Borussia Mönchengladbach verbindet der Fußballfreund gemeinhin zwei Dinge. Zu einen die legendäre Fohlenelf der 70er Jahre, zum anderen die ‚tragisch-schön-erfolglose‘ Borussia nach dieser goldenen Ära.
Immer wieder gab es in den letzten 30 Jahren Phasen, in denen Borussia Mönchengladbach verzückte. In denen begeisternder Fußball gespielt wurde und Hoffnungen keimten. Und immer wieder gab es den Moment, in dem ein wichtiger Schritt gemacht werden konnte und Borussia Mönchengladbach es prompt vergeigte.
In den 80er, 90er oder den Nuller-Jahren – jeder Borussenfan kann aus dem Stehgreif ein Dutzend tragische Momente aufzählen, in denen alle Träume pulverisiert wurden. Niemand leidet so formvollendet wie ein Anhänger von Borussia Mönchengladbach.
Und so war es aus der Historie betrachtet auch in der letzten Saison eher normal denn überraschend, dass die Ära Eberl/Frontzeck nach einem ordentlichen Beginn im zweiten Jahr tragisch endete. Mal wieder typisch Borussia.
Doch dann passierte etwas, was so gar nicht zu Borussia Mönchengladbach passt. Diese unglaubliche Aufholjagd unter Lucien Favre in der Liga. Diese Endspiele, Woche für Woche, in denen es um alles geht. Dass Borussia ein paar gewinnt – normal. Doch dann, wenn es wirklich drauf ankommt, würden sie es vermasseln. Typisch Borussia halt.
Es kam anders. Selbst in der Relegation lief es völlig entgegen jeglicher Gewohnheit. Siegtreffer in der Nachspielzeit anstatt ein tragischer Genickschuss auf der anderen Seite. Und als im Rückspiel in Bochum Håvard Nordtveit das Eigentor unterlief und plötzlich doch alles wieder wie immer gegen Borussia ausgehen sollte, schlug man eiskalt zurück.
Es war der emotionelle Wahnsinn schlechthin. Und jetzt, in der neuen Saison, geht es einfach so weiter. Sieg in München, wo es traditionell eigentlich nichts zu holen gibt. Siege gegen angeknackste Gegner wie Wolfsburg, Kaiserslautern oder Hamburg, anstatt als gewohnter Aufbaugegner zu fungieren.
Und selbst gegen die Disziplinstrategen aus Nürnberg erSPIELTE man sich ein halbes Dutzend erstklassiger Möglichkeiten. Anstatt für das Auslassen der Chancen bestraft zu werden, gelang der Sieg. Dann eben durch einen Elfmeter, den man geben kann, aber nicht muss. Das ist Fußball, das ist Borussia Mönchengladbach im Spätsommer 2011. Aber normal ist das nicht.
Als Nürnbergs Trainer Dieter Hecking in der Pressekonferenz davon sprach, »Borussia Mönchengladbach ist im Moment eine der besten Mannschaften« und »wir haben beim Spitzenreiter verloren«, erwartete man förmlich, dass Hecking plötzlich losprusten würde. So irreal klangen seine Worte. Doch Hecking meinte es todernst. Normal ist das nicht.
Dass sie bei Borussia gut daran tun, den Ball betont flach zu halten, ist klar. Gleichzeitig werden sie alles daran setzen, so lange wie möglich auf dieser Erfolgswelle zu reiten. Denn mit jedem erfolgreichen Spiel steigt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Und vielleicht führt dieser Weg tatsächlich in ungeahnte Gefilde. Normal wäre das nicht. Doch vielleicht bedarf der Begriff „normal“ im Zusammenhang mit Borussia Mönchengladbach tatsächlich mal einer neuen Definition ...