Donnerstag, 26. Mai 2011 - 19:47 Uhr

Lange haben wir in unserer Redaktion diskutiert, ob und ggf. wie wir das Thema Jahreshauptversammlung, Initiative und Offensive redaktionell begleiten sollen. Wir haben uns dazu entschlossen, angesichts der sportlichen Prioritäten diese Geschehnisse nicht über Gebühr zu thematisieren. Gleichzeitig konnten wir feststellen, dass unsere Leser im Forum sehr aufmerksam die diversen Vorstöße der Gruppierungen registrierten und analysierten. Überhaupt hat sich gezeigt, dass die Fans und Mitglieder, die sich im Internet informieren und in diversen Foren diskutieren, als sehr „aufgeklärt“ zu bezeichnen sind.
Von daher sahen wir uns in unserer Einschätzung bestätigt, dieses Thema auf TORfabrik eher wertneutral zu behandeln und den Fokus auf dem sportlichen Bereich zu belassen.
Dennoch können wir den Komplex aufgrund der Art und Weise, wie in den letzten Monaten „Wahlkampf“ geführt wurde, nicht unkommentiert lassen.
Stammleser wissen, dass wir die aktuelle Vereinsführung und insbesondere Präsident Rolf Königs in der Vergangenheit durchaus kritisch betrachtet haben. Gründe hierfür waren damals vor allem die Einmischung und oftmals unpassenden Äußerungen von Herrn Königs zum sportlichen Geschehen. Hier haben wir Zurückhaltung eingefordert und die Notwendigkeit einer sportlicher Autorität im Präsidium, die Fragen zum Tagesgeschehen kompetent beantworten kann und der die „Abteilung Sport“ kein X für ein U vormachen kann.
Mit Rainer Bonhof steht nun ein solcher Mann im Präsidium, der diese Aufgabe übernommen hat. Gleichzeitig hat sich Rolf Königs zum „Weg der Kontinuität“ bekannt und sich in der Öffentlichkeit fast komplett zurückgenommen. Selbst in schlimmsten Krisenzeiten hielt er sich bedeckt. Diese Entwicklung schätzen wir durchaus als positiv ein.
Dass Borussia ordentlich wirtschaftet und die Struktur des Klubs zeitgemäß ist, steht eigentlich außer Frage. Sicher gibt es immer einzelne Punkte, die hinterfragt und auch verändert werden können – wie von der „Offensive“ angestrebt -, doch das Gesamtkonstrukt ist aktuell ein festes und zukunftssicheres Fundament.
Im Windschatten der sportlichen Talfahrt tauchte Ende des vergangenen Jahres die sogenannte „Initiative Borussia“ auf. Diese Gruppierung machte zunächst einen hochprofessionellen Eindruck: Gestandene Männer aus der Wirtschaft mit Bezug zur Borussia, mit Geld im Rücken, präsentiert von einer PR-Agentur mit allem drum und dran.
Zunächst einmal wirbelte die „Initiative“ eine Menge Staub auf, um in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam zu machen. Flugs ein paar griffige Parolen geschmettert („Borussia wird geführt wie ein Kaninchenzüchterverein“) und die Symbiose mit einem wohl gesonnenen Boulevardblatt sorgte schnell für das gewünschte Aufsehen. Doch als sich der Staub etwas legte und die Frage nach der Substanz hinter den Schlagzeilen gestellt wurde, relativierte sich vieles.
Ein Konzept, wie der vermeintlich rückständig aufgestellte Provinzverein in kürzester Zeit auf die Stufe des Vorzeigeclubs Bayern München gehievt werden soll, erschloss sich nicht wirklich. Irgendwie lief letztlich alles darauf hinaus, dass es da einen Knopf geben muss, den die Initiative drücken wird, weil Königs & Co dazu nicht in der Lage sind.
Nun hat sich die Fanlandschaft in den letzten Jahren merklich entwickelt, was nicht zuletzt mit dem Internet und eben auch Plattformen wie TORfabrik zu tun hat. Reichte es früher vielleicht aus, den Mitgliedern am Stammtisch die Schlagzeilen der Boulevardzeitungen unter die Nase zu reiben und ein paar markige Sprüche zu klopfen, gestaltet sich das heutzutage weitaus schwieriger.
Die Netzgemeinde entlarvt nicht nur Plagiate vermeintlicher Doktoranten, sie zerpflückt auch Konzepte einer Opposition, die ihren Fußballverein übernehmen möchte. Und in Bezug auf die „Initiative“ wurde schnell klar, dass hinter den Parolen keineswegs der Königsweg für eine goldene Zukunft der Borussia steckte.
Als den Köpfen der „Initiative“ klar wurde, dass sie das „Wie“ nicht vermitteln kann, beschränkten sie sich auf das „Wer“. Es wurde keine Gelegenheit ausgelassen, die handelnden Personen bei Borussia zu verunglimpfen. Spätestens mit der Inthronisierung von Stefan Effenberg als Kandidaten für das Amt des Sportdirektors war klar, dass es nur noch um Köpfe geht.
Doch auch in diesem Kopfduell präsentierte sich die „Initiative“ nicht auf der Höhe. Die Äußerungen von Stefan Effenberg hinsichtlich seiner Kompetenzen und seiner „Strategie“ brachten selbst hartgesottene Fans des ehemaligen Borussenprofis zum Fremdschämen. Und da Borussia dummerweise ausgerechnet da begann, aus dem sportlichen Grab zu springen, als Effenberg sich positionierte, wirkte das „Fauchen des Tigers“ nicht nur sinnentleert, sondern auch völlig deplatziert.
Warum und vor allem wie sich Horst Köppel als Präsidentschaftskandidat der „Initiative“ anschloss, unterstreicht die Motive dieser Gruppierung. Nun ist das Streben nach Macht und Positionen ja nicht grundsätzlich verwerflich, doch sollte schon eine schlüssige Konzeption hinter dem Ganzen stecken, wenn man die Mitglieder von einem totalen Umbruch im Verein überzeugen will.
Dass sich die amtierende Vereinsführung ob der oft beleidigenden Attacken der „Initiative“ lange Zeit öffentlich zurückgehalten hat, verdient Respekt. Verständlich ist ebenfalls, dass sie seit einigen Tagen selbst aktiv wird und die Opposition als das darstellt, was diese offensichtlich ist.
Das verzweifelte Wehklagen der „Initiative“, die seit Tagen als Pressemitteilungen deklarierte Informationen verschickt, die kaum das Niveau eines im angesäuselten Zustand verfassten Forumsbeitrag haben, wird sicher nicht zur Vertrauensbildung beitragen. Anders ausgedrückt: Wie verzweifelt müsste man sein, diesen Leuten das Schicksal seines Vereins in die Hände zu geben?
Von daher sollten alle besonnenen Mitglieder beim Sonntagsausflug einen Zwischenstopp im Borussia-Park einplanen und diesem Spuk ein Ende bereiten. Es ist Zeit, die Initiative zu ergreifen. Damit die „Initiative“ endlich verschwindet.