Samstag, 16. April 2011 - 12:58 Uhr

Nein, Borussia Mönchengladbach ist in dieser Saison wahrlich nicht vom Glück verfolgt. Das betrifft auch die Entscheidungen der Unparteiischen. Es ist wirklich nicht mehr normal, wie sich die Fehlentscheidungen zu Lasten der Gladbacher durch die komplette Spielzeit ziehen. Nimmt man einmal Babak Rafati in Nürnberg aus (und der hatte auch noch einen fragwürdigen Elfmeter gegen den VfL in der Schlussphase verhängt), so hat der Tabellenletzte nie von den Regelauslegungen der Pfeifenmänner profitiert. Im Gegenteil: Mehrfach nahmen die Spielleiter in entscheidenden Situationen unberechtigt zu Lasten der Borussia Einfluss auf das Spielgeschehen.
So auch Deniz Aytekin in Mainz. Es war sein zweites Spiel mit Gladbacher Beteiligung. In der Vorrunde pfiff er die 1:2-Heimniederlage gegen St. Pauli. Damals sprach er den Hamburgern einen zumindest umstrittenen Foulelfmeter zu, übersah dann zwei Minuten vor Schluss ein Handspiel von Bartels im eigenen Strafraum. Ein verwandelter Elfmeter hätte die Niederlage verhindern können.
Und dieses Spiel wiederholte sich am Freitag. Der 32-Jährige versagte den Gladbachern beim Stand von 0:0 einen glasklaren Foulelfmeter nach der Attacke von Polanski an Reus. Besonders ärgerlich, weil die Borussen bereits in Unterzahl spielten, nachdem Aytekin zuvor Mike Hanke mit Gelb-Rot vom Platz geschickt hatte.
Die erste Gelbe Karte vor der Pause war ein Hohn, Aytekin begründete sie mit der Anzahl der Foulspiele, die Hanke sich bereits geleistet hatte. Dass die sämtlich mehr als harmlos waren, hatte Aytekin wohl verdrängt. Derweil ließ er den Mainzern eine Vielzahl an taktischen Fouls (z.B. Bungert leistete sich in Summe mehr „Vergehen“ als Hanke) ohne Verwarnung durchgehen. Konsequent ist anders.
Und nach Hankes leichtem Tritt gegen Polanski zeigte Aytekin, dass ihm nicht nur Konsequenz, sondern auch jegliches Fingerspitzengefühl abgeht. Er ließ zunächst Vorteil laufen, hatte also genügend Zeit, sich die Auswirkungen zu überlegen. Eine (letzte) Ermahnung für Hanke, der nach der ersten Gelben Karte bis zu dieser Szene nicht mehr auffällig wurde, wäre eine vernünftige Entscheidung gewesen. Doch Aytekin markierte den knallharten Cowboy.
Der Ausgang der Geschichte ist bekannt. Ob Borussia in Überzahl gewonnen hätte, ist genauso hypothetisch wie die Vermutung von Mainz-Coach Thomas Tuchel, der orakelte, dass die Borussen die drei Punkte eingefahren hätten, wenn der Schiedsrichter den berechtigten Elfmeter gegeben hätte. Und dass der VfL seit nunmehr einer kompletten Halbserie das Tabellenende ziert, liegt auch nicht nur an den Schiedsrichtern. Aber sie haben zweifelsfrei dabei mitgewirkt.
Wie übrigens auch manche Profis der gegnerischen Teams. Dass St. Paulis Lehmann für seine Showeinlage gefeiert und vom DFB nicht sanktioniert wurde, konterkariert jegliches ‚Fair-Play‘-Gequatsche. Genauso wie Eugen Polanski, der nach Hankes Foul so schwer verletzt schien, dass man schon den Einsatz eines Rettungshubschraubers erwartete. Kaum war Hanke runtergeflogen, hüpfte Polanski munter herum und outete sich als fieser Schauspieler. Abgezockt, werden die Mainzer sagen. Dafür dürfte nun auch dem letzten Gladbacher aufgegangen sein, was er von Polanskis ständigen Anbiederungen von wegen ‚Raute im Herzen‘ zu halten hat.
Aytekin, Polanski und die ganze Fußballwelt. Als Gladbacher fühlt man sich dem Tabellenstand entsprechend schlichtweg nur beschissen ...