Sonntag, 06. März 2011 - 20:16 Uhr
Wenn man am 25. Spieltag davon spricht, dass sich eine Mannschaft noch in der Findungsphase befindet, dann stimmt etwas nicht. In Mönchengladbach liegt das in der Natur der Sache – als Tabellenletzter mit einem erst im Laufe der Rückrunde vollzogenen Trainerwechsel.
Lucien Favre hat schon einiges ausprobiert in seiner noch kurzen Amtszeit. Der Ruf der ihm vorauseilt, von seinen Spielern sehr viel Flexibilität zu verlangen, bestätigt sich. Systemwechsel gab es unter Michael Frontzeck nur ganz selten, während eines Spiels nur in Nuancen. Das ist nun anders, wie die Partie gegen Hoffenheim zeigt. Hier wurde erfolgreich umgestellt, allerdings wurde auch deutlich, dass dies in der Praxis nicht so einfach ist. Denn bis sich alle im neuen System eingefunden hatten, gab es einige Unordnung. Nur einem außergewöhnlich schwachen Gegner ist es zu verdanken, dass dies nicht zum Nachteil gedieh.
Damit Spieler reibungslos auf mehreren Postionen und in verschiedenen Systemen agieren können, braucht es eine Menge an fußballerischer Intelligenz und das, was mit dem oftmals überstrapazierten Begriff „Automatismen“ gemeint ist. Nur wenn die verschiedenen Variationen im Kollektiv nahtlos übernommen werden und jeder weiß, was er zu tun und zu lassen hat, funktioniert es.
Um sich das anzueignen, benötigen Trainer und Mannschaft vor allem eins: Zeit. Und das ist etwas, was Borussia Mönchengladbach im Endspurt dieser Saison nun wahrlich nicht hat.
Bislang ist die Findungsphase unter Lucien Favre ein Echtzeitexperiment, das mit zwei Siegen in drei Spielen unter dem Strich ordentlich verlaufen ist. Der Schweizer hat den Hebel angesetzt, damit die Arbeit gegen den Ball und die vielzitierte Kompaktheit nicht nur eine Phrase ist. Gegen Schalke und auch gegen Hoffenheim funktionierte das Verdichten in der bisherigen Problemzone im Mittelfeld schon recht ordentlich.
Optimal ist es jedoch noch lange nicht, zumal weder Schalke noch Hoffenheim wirklich Druck aufbauten. Favre spricht von der Suche nach der »Mischung und Balance«. Und diese Suche geht weiter, auch was das Personal betrifft.
In jedem Bereich hat er gewechselt und mehrere Spieler ausprobiert. Dabei greift Favre rigoros durch, wie die frühe Auswechslung von Roman Neustädter in Wolfsburg zeigte. Dass der Ex-Mainzer gegen Hoffenheim dennoch in der Startelf stand und das sogar noch in zentraler Rolle, verwundert auf den ersten Blick. Doch andererseits zeigt es, dass Favre mit Weitsichtigkeit an die Sache heran geht.
Gegen Hoffenheim verzichtete er gegenüber der Vorwoche auf Mo Idrissou, Patrick Herrmann und Tobias Levels. Weg vom Fenster sind auch sie nicht. »Ich brauche alle Spieler«, betont Lucien Favre. Denn seine Suche ist noch lange nicht abgeschlossen, zumal er letztlich nicht weiß, auf welche Spieler er je nach Ligazugehörigkeit künftig zählen kann. Da wäre es unklug, jetzt voreilig den einen oder anderen „abzusägen“, der vielleicht in der Zweiten Liga seinen Mann stehen muss.