Mittwoch, 03. Februar 2010 - 21:54 Uhr

Die Winterpausen der vergangenen Jahre waren bei Borussia Mönchengladbach stets von Veränderungen geprägt. Meist wurden so viele neue Spieler verpflichtet, dass gar das Mannschaftsfoto einer Erneuerung im Januar bedurfte. Auch im ersten Winter nach der Beförderung von Max Eberl zum Sportdirektor bei der Borussia griffen er und Trainer Hans Meyer auf dem Transfermarkt kräftig zu. Ein Jahr später aber ist augenscheinlich geworden, dass dies unter dem neuen verantwortlichen Personal eher die Ausnahme als die Regel sein wird.
Selbst als zum Rückrundenstart kaum noch ein Stürmer zur Verfügung stand, verfielen die Verantwortlichen nicht in Panik und sahen von »Noteinkäufen« (Zitat Max Eberl) ab. Das Vertrauen, dass die sportliche Leitung damit in das vorhandene spielende Personal steckte, trug bereits am vergangenen Wochenende erste Früchte. Sicher wird in der neuen Saison das Gesicht der Mannschaft wieder anders aussehen, doch ist erstmals seit langer Zeit wieder ein Grundgerüst im Team erkennbar, welches dem gesamten Kader die Richtung vorgibt.
Einzig »Vorgriffe auf die neue Saison« sind unter den aktuell sportlich verantwortlichen Personen in der Regel in der Winterpause denkbar. Als solcher darf beispielsweise auch Sébastien Pocognoli bezeichnet werden, um den sich die Borussia im Januar bemühte. Der Linksverteidiger, auf dessen Position der Klub offensichtlich Handlungsbedarf sieht, entschied sich kurzerhand für eine Rückkehr zu Standard Lüttich.
Mit Ruhe und durch Konsolidierung wird beim fünfmaligen deutschen Meister an einer frühzeitigen Sicherung des Klassenerhalts und gleichzeitig an einer punktuellen Verstärkung des Kaders im Sommer gearbeitet. Neben externen Neuzugängen dürfte die Verstärkung dabei aus den eigenen Reihen kommen. Patrick Herrmann, Fabian Bäcker, Bernhard Janeczek und Tony Jantschke sind nur die ersten Früchte einer erfolgreichen Jugendarbeit, die in den nächsten Jahren noch diverse Talente an den Profikader heranführen wird.
Auch die Vereinsführung um Präsident Rolf Königs hat ihren Anteil daran, dass sich die Borussia mit kleinen Schritten von der Abstiegszone der Tabelle wegbewegt. Im Herbst, als die Borussia eine Niederlagen-Serie hinlegte, hielt der Verein am von Anfang an im Umfeld umstrittenen Trainer Michael Frontzeck fest und gab ihm und Sportdirektor Max Eberl die Zeit, eine neue Mannschaft zu formen und entsprechende Ergebnisse zu bringen.
Selbst die Berufung von Rainer Bonhof zum Vizepräsident dürfte zur Kontinuität bei der Borussia beitragen. Sollte Borussia die noch ausstehenden Spiele einigermaßen über die Bühne bringen, dann hat Präsident Königs erfolgreich bewiesen, dass er nicht nur von Kontinuität spricht, sondern diese zur Maßgabe seines Handels macht.
Der FSV Mainz 05, am Sonntag nächster Gegner der Borussia, hat dagegen in der Winterpause auf dem Transfermarkt kräftig zugeschlagen. Gleich sechs neue Spieler wurden verpflichtet. Ein seltsames Signal, hatten die von Thomas Tuchel trainierten 05er doch eine überdurchschnittliche Hinrunde gespielt und belegen derzeit mit 27 Punkten als Aufsteiger einen hervorragenden achten Tabellenplatz. Wie das Signal der Verpflichtung von sechs neuen Spieler bei den aktuellen Stammspielern aufgefasst wird, bleibt abzuwarten.
Eine Vertrauensbeweis sieht sicher anders aus.