Sonntag, 31. Januar 2010 - 12:59 Uhr

Raúl Bobadilla machte an diesem kalten Nachmittag im Januar fast alles richtig. Zwei Tore, zwei Assists, da kann selbst eine Gelbe Karte für das Trikotausziehen beim Torjubel den guten Eindruck nicht trüben. »Dafür habe ich Verständnis«, zeigte sich sein Trainer Michael Frontzeck gnädig. »Da habt ihr in etwa miterleben können, was in dem Jungen so brodelt ...«.
Tatsächlich wirkte der 22-Jährige wie befreit. »Es freut uns alle, dass Raúl so einen Tag erwischt hat«, sagte Sportdirektor Max Eberl. »Man hat gesehen, über welche Qualitäten er verfügt. Er hat sich immer aufgerieben und alles versucht«.
Neben den Aktionen bei den Toren konnte Bobadilla auch im Zweikampfverhalten gegen keinen geringeren als Nationalspieler Per Mertesacker überzeugen. »Wie Raúl im Mittelkreis gegen Mertesacker den Ball so freiblockt und sich ins Spiel bringt, ist schon bemerkenswert«, freute sich Eberl.
Bobadilla selbst genoss die Aufmerksamkeit, die ihm nach seiner Gala-Vorstellung zuteil wurde, in vollen Zügen. »Ich bin überglücklich und sehr zufrieden«, sagte er. »Es war schwer, so lange auf mein nächstes Tor zu warten. Doch ich wusste: Es kommt ein neues Jahr und es kommen neue Tore ...«.
Dass Bobadilla mit diesem Spiel die Kritiker verstummen lässt, sieht man auch innerhalb der Mannschaft sehr positiv. »Die Leute haben schon wieder angefangen zu erzählen, von wegen vier Millionen und nur ein Tor. Ich bin froh, dass er denen einen Maulkorb verpasst hat«, fand Tobias Levels deutliche Worte. »Er ist ja keine 30, sondern erst 22 Jahre alt. Da macht man sich schon seine Gedanken, da spielt die Psyche schon eine große Rolle. Deswegen freue ich mich besonders, dass der Knoten heute komplett geplatzt ist«.
Bei all den Lobeshymnen ist man bei Borussia dennoch darauf bedacht, den Ball schön flach zu halten. »Man wird sehen, wie er sich weiter entwickelt«, nahm Michael Frontzeck übereifrigen Jublern gleich den Wind aus den Segeln. »Raúl wird von uns behutsam aufgebaut. Es war ein erster Schritt«.
Und tatsächlich scheint sich eine Entwicklung abzuzeichnen. Kein einziges Mal ‚streichelte‘ Bobadilla den Ball mit der Fußsohle und brotlose Zirkusnummern fehlten diesmal in seinem Repertoire gänzlich. Sollte der Argentinier tatsächlich die Einfachheit des Fußballs für sich entdeckt haben, könnte es funktionieren.
»Heute hat er eben sachlich und nüchtern gespielt«, stellte Max Eberl zufrieden fest. »Dann sieht man, was dabei rauskommt«. Raúl Bobadilla – diesmal einfach gut ...