Sonntag, 04. Oktober 2009 - 16:36 Uhr

Die Fakten liegen auf dem Tisch. Kein einziger Punkt in den letzten vier Bundesligaspielen, der Knockout im DFB-Pokal daheim gegen Duisburg und der in den letzten beiden Partien deutliche spielerische Substanzverlust – Borussia Mönchengladbach ist nach ansprechendem Saisonstart in einer Abwärtsspirale und findet sich nach dem achten Spieltag im Tabellenkeller wieder.
Zu beschönigen oder zu verharmlosen gibt es Nichts. Die Tendenz ist beunruhigend, die Lage ist ernst. Genau das sagen Sportdirektor Max Eberl und Trainer Michael Frontzeck unisono. Und sie wollen und werden daran arbeiten, dass man »wieder festen Boden unter den Füßen bekommt«, wie es Frontzeck so treffend umschreibt.
Die Negativserie bringt es mit sich, dass diejenigen, die sich schon an der Verpflichtung von Michael Frontzeck gerieben haben, nun aus ihren Löchern kriechen und den Kopf des Cheftrainers fordern. Es ist das ewig gleiche Spiel, das gerade in Mönchengladbach Jahr für Jahr dazu geführt hat, dass viele Ansätze zerstört, viel gutes Geld verbrannt und einige fähige Leute – auf und außerhalb des Platzes – in die Wüste geschickt wurden.
Selbst dem letzten Anhänger der Borussia sollte klar sein, dass man mit Schnellschüssen und überhasteten Entscheidungen keinen Schritt weiter kommt – im Gegenteil. Nicht von ungefähr rufen alle nach ‚Kontinuität‘. Nur um dann beim ersten Anzeichen von Gegenwind ins Jammern nach Konsequenzen einzustimmen.
Analysiert man die Situation frei von den emotionalen Beigaben eines Bundesligaspieltages, so besteht trotz der Negativtendenz kein Grund zur Panik. Borussia ist im letzten Jahr nur mit einer Unmenge Dusel nicht abgestiegen. Diese Mannschaft hatte schlicht und einfach nicht die Qualität, um in der Bundesliga eine Saison ohne Sorgen zu spielen.
Nach den Zukäufen im Winter hat man im Sommer nachgelegt. Borussia erlebt den x-ten Neuaufbau in den letzten zehn Jahren. Wer kann in solch einer Situation ernsthaft daran glauben, dass der Fast-Absteiger des Vorjahres mit vier neuen Basis-Spielern plötzlich die Liga aufmischt? Sicher, Borussia hat keine schlechten Spieler verpflichtet. Doch Thorben Marx ist bei aller Wertschätzung ‚nur‘ ein solider Bundesligaspieler, für Marcel Meeuwis die Liga genauso Neuland wie für Juan Arango und Raúl Bobadilla. Und die beiden haben noch das große Problem, dass sie die Sprache nicht beherrschen. Das fällt gerade dann ins Gewicht, wenn es nicht läuft und wie im Fall Arango Führungsqualitäten gefragt sind. Wie soll das gehen, wenn er seine Mitspieler und sie ihn nicht verstehen?
Es muss vieles zusammen wachsen bei Borussia. Michael Frontzeck muss einiges ausprobieren, um die richtige Mischung zu finden. Dass dabei nicht alles wie am Schnürchen klappt, ist mehr als normal. Doch offensichtliche, fachliche Fehlleistungen kann man Frontzeck nicht anlasten. Hinter seinen taktischen und personellen Entscheidungen stecken nachvollziehbare und plausible Überlegungen.
Borussia Mönchengladbach steckt in einem Entwicklungsprozess und die aktuelle Lage ist keine Überraschung, sondern völlig normal. Sorgen bereitet lediglich die Verteilung der Negativerlebnisse. Die gebündelten Tiefschläge zuletzt können zu einem Kopfproblem werden, bzw. sind sie es schon. Dies ist die einzige Krise bei Borussia und sie ist nicht zu unterschätzen.
Ruhe, konzentriertes Arbeiten, kleine Erfolgserlebnisse und ein Schritt nach dem anderen werden dazu führen, dass Borussia wieder in die Spur kommt und die Konzeption von Max Eberl und Michael Frontzeck weiter umsetzt.
Eine Trainerdiskussion ist das Allerletzte, was weiter hilft.