Montag, 28. September 2009 - 11:46 Uhr

Dass Oliver Neuville mit seinen 36 Jahren so langsam aber sicher in den Spätherbst einer bemerkenswerten Karriere einbiegt, ist keine exklusive Erkenntnis. Umso erstaunlicher die Tatsache, dass er in den ersten Saisonspielen verhältnismäßig viel Einsatzzeiten erhielt. Gegen Hertha BSC stand er in der Startformation und absolvierte 72 Minuten, in Bremen wurde er zur Pause eingewechselt, gegen Mainz und in Nürnberg jeweils in der Schlussphase. Dazu stand er im Pokal in Frankfurt achtzig Minuten auf dem Feld und zuletzt gegen Duisburg war er in den letzten 25 Minuten dabei.
Dabei machte Neuville seine Sache verhältnismäßig ordentlich. Vielleicht mit Ausnahme gegen Duisburg, als er eine Riesenmöglichkeit eher kläglich vergab.
Dass er nun fünf Tage später in Freiburg erstmals überhaupt nicht im Kader stand, hatte allerdings nichts mit dem Fehlschluss von Duisburg oder sonstiger Versäumnisse des ehemaligen Leverkuseners zu tun, wie Borussias Trainer Michael Frontzeck unterstrich.
»Das hatte rein taktische Gründe«, erläuterte der 45-Jährige, der statt Neuville Moses Lamidi ins Aufgebot nahm. »Moses sollte als Alternative für die zwei schnellen Außen Reus und Matmour dabei sein«, erklärte Frontzeck. »Ich wollte nicht mit drei Mittelstürmern nach Freiburg fahren. Das kann man vielleicht mal bei einem Heimspiel machen«.
Es war also keine ‚Abstrafung‘ für Neuville. »Ich habe mit OIi länger darüber gesprochen«, erläuterte Frontzeck. »Er hat es sehr professionell hingenommen«.
Und Neuville war sich nicht zu schade, bei der U23 zu spielen. »Oli hat es selbst angeboten, er wollte unbedingt bei der zweiten Mannschaft spielen. Das empfand ich als sehr, sehr positiv«, lobte Frontzeck.
Für einen Abgesang auf Oliver Neuville ist es also noch etwas früh. Zumal Michael Frontzeck mit der Nominierung von Moses Lamidi nicht unbedingt einen Glücksgriff tätigte. Für den 21-Jährigen wurde der erste Saisoneinsatz zum Horrorerlebnis. Kaum eingewechselt, spielte er einen katastrophalen Fehlpass, in dessen Folge Freiburg mit dem dritten Treffer die Partie endgültig entschied.
»Er hat es ja nicht extra gemacht«, nahm Frontzeck den Youngster in Schutz. »Er wollte noch mal was bewegen und dann passiert es einem jungen Spieler schon mal, dass er eine unglückliche Situation dabei hat. Die ist diesmal natürlich gleich bitterböse bestraft worden«.
So hatte Frontzecks Schlussfazit zum Spiel in Freiburg unter anderem auch im ‚Fall‘ Neuville/Lamidi Gültigkeit: »Es gibt halt Tage, wo die Überlegungen nicht so aufgehen. Und heute war so einer«.