Donnerstag, 30. Juli 2009 - 21:20 Uhr

»Ich habe noch nie die 1 gehabt - in keinem Verein. Hier habe ich mit der 30 angefangen, und es wäre auch den Fans gegenüber, die das Trikot gekauft haben, nicht fair, das zu ändern.«
Der Satz stand wie gemeißelt - Logan Bailly antwortete im Pressegespräch auf die TF-Frage routiniert und irgendwie wirkte es ehrlich. Selbst auf die Frage, ob es im Sommer Angebote anderer Vereine gab, wiegelte der Belgier nicht ab und sprach offen davon, dass es bei einem Fußballer immer Träume gäbe - auch bezüglich europäischer Spitzenvereine.
Während Logan Bailly mit Gipsfuß bewaffnet gute Miene machte und kämpferisch ein »zur Not spiele ich mit einem Bein« einwarf, stand in der Mönchengladbacher Vorbereitungsphase Christofer Heimeroth auf dem Grün im Rampenlicht.
Unter Jupp Heynckes in den Borussia-Park gelotst, anfangs hinter der unangefochtenen Nummer eins aus den USA, Kasey Keller, nur Reservist, avancierte der Ex-Schalker Schlussmann in der zweiten Liga zum Stammkeeper. Der S04 rieb sich die Hände, brachte ihm jeder Einsatz von Heimeroth zusätzlich Geld ein - Borussia schien dagegen froh, einen geeigneten Nachfolger gefunden zu haben, wenngleich sie nach der Aufstiegssaison schnell merkte, dass die Torwartposition doch nicht unumstritten besetzt war.
Christian Ziege - zuerst Sportdirektor, dann Interimscoach und anschließend Co-Trainer, vollzog als erste Amtshandlung seiner kurzfristigen Trainertätigkeit den Wechsel im Gladbacher Tor und zog Uwe Gospodarek vor. Hans Meyer startete mit der Hypothek, probierte zwischenzeitlich sogar Nachwuchskeeper Frederic Löhe aus und holte im Winter zusammen mit Max Eberl eine neue Nummer eins.
Christofer Heimeroth ließ all dies über sich ergehen, muckte nicht auf und wurde zur Belohnung seiner Loyalität im Sommer 2009 von seinen Teamkollegen sogar in den Mannschaftsrat gewählt.
»Das freut mich - natürlich. Ich bin ja jetzt seit drei Jahren in Gladbach, also einer der Dienstältesten in der Mannschaft.«
Mit der Eins auf dem Rücken steht der lange Schlussmann nun im Tor der Borussia und machte am letzten Samstag beim Saisoneröffnungsspiel gegen die Bolton Wanderers wieder Bekanntschaft mit dem kritischen Gladbacher Publikum. Nur wenige Minuten waren gespielt, da pflückte Heimeroth eine Flanke herunter, setzte zu einem schnellen Abwurf an, um diesen auch gleich zu unterbrechen. Sofort keimte Unruhe auf den Rängen hervor, die sich beim nächsten, verzögerten Abwurf alles andere als beruhigten.
Es kann halt nie schnell genug gehen und die Hypothek ist groß - Christofer Heimeroth lässt sich dadurch nicht nervös machen. Im Gegenteil, der Bailly-Vertreter freut sich schlichtweg auf die nächsten Partien - wohlwissend, nach der Genesung seines Teamkollegen zur Nummer zwei degradiert zu werden.
»Klar freue ich mich, dass ich in den ersten Partien spielen darf und von daher freue ich mich auch, dass die Vorbereitung jetzt zu Ende ist und es wieder losgeht.«
Mit einem Pokalerfolg gegen den Zweitligisten FSV Frankfurt dürfte das Selbstvertrauen gestärkt werden. Christofer Heimeroth wünscht sich sicherlich nichts anderes - von der Fangemeinde mal ganz abgesehen.