Dienstag, 01. Mai 2007 - 13:14 Uhr
31 Spieler hat Borussia in dieser Saison eingesetzt. Damit belegt unser Team wenigstens in dieser Disziplin im Branchenvergleich den Spitzenplatz. Verletzungen und Formschwankungen waren von Anbeginn der Spielzeit an der Tagesordnung. Hinzu kamen disziplinarische Gründe und – erfreulicherweise – auch junge Talente, die den Etablierten im Nacken sitzen und den Kader aufmischten.
Nach einem Trainerwechsel werden traditionell die Karten neu gemischt. Im Prinzip fängt jeder wieder bei Null an, gilt es doch, den neuen Coach von seinen Qualitäten zu überzeugen.
Peer Kluge ist ein Mann, der von dem Trainerwechsel deutlich profitiert hat. Machte er beim letzten Spiel der Hinrunde in Bochum noch einen resignierenden Eindruck, als er auf der harten Ersatzbank Platz nahm, so ist er unter Luhukay (endlich) wieder ein Leistungsträger und Basisspieler, der über jeden Zweifel erhaben scheint.
Auch Nando Rafael und Hassan El Fakiri nutzen die Gunst der Stunde. Besonders der Norweger schien weg vom Fenster zu sein, um in den letzten Wochen oft zu den besten Spielern im Team zu gehören.
Und doch fragt sich der Beobachter, ob wirklich alle Spieler im Kader ihre Möglichkeiten voll ausschöpfen und damit dem Brötchengeber tatsächlich noch etwas zurückzahlen wollen?
Jos Luhukay wird beispielsweise Wesley Sonck und Bernd Thijs in bestem Niederländisch klargemacht haben, was er von ihnen erwartet. Trotzdem reichen Einstellung und Leistungsbereitschaft offensichtlich nicht aus, um klarzustellen, dass sie unbedingt ins Team wollen.
Auch bei Bo Svensson stellt sich die Frage: Kann es sein, dass er den Kampf um eine Position in der Innenverteidigung gegen Steve Gohouri tatsächlich bereits aufgeben bzw. möglicherweise erst gar nicht aufgenommen hat? Dies käme einem Armutszeugnis gleich, vor allem in Anbetracht der Leistungen seines Konkurrenten.
Auch Eugen Polanski verlor gegen Hassan El Fakiri und Peer Kluge deutlich an Boden. Schon werden erste Stimmen laut, dass ein Engagement in der zweiten Liga nicht den Vorstellungen des hochgelobten Youngsters entspricht.
Schließlich ließ Jos Luhukay bei der Kaderbenennung für das Frankfurtspiel auch die Katze aus dem Sack, wie er die Leistungen des Schweizer David Degen einschätzt. Der Nationalspieler bot – nach einem kleinen Zwischenhoch im Winter – bestenfalls Hausmannskost.
Diese Entwicklungen hinterlassen einen faden Beigeschmack. Die hochgepriesene Charakterstärke der Spieler scheint im Einzelfall löchrig. Für den Fan von Borussia, der mit bangem Blick auf die Tabelle schielt, ist die fehlende Leistungsbereitschaft einzelner Kräfte jedenfalls nicht nachvollziehbar. Jos Luhukay zieht die Konsequenzen und sucht Alternativen – was soll er auch sonst machen?
Beim Blick auf die Namen im Kader und auf das Anspruchsdenken einzelner Spieler an sich, wäre es allerdings wünschenswert, wenn tatsächlich die besten Fußballer bereit wären, den Karren aus dem Dreck zu ziehen.